Bis zu 1700 Haushalte können dank einem Wärmeverbund in Kaiseraugst ab 2020 mit Wärme aus erneuerbarer Energie beliefert werden. Die AEW Energie AG realisiert an der Rinaustrasse – an der Böschung zwischen der Rewag Regio-Wiederverwertungs AG und der Landstrasse – eine Heizzentrale mit Holzfeuerung. Das Projekt wurde bereits vor gut einem Jahr erstmals öffentlich vorgestellt.

Nun hat der Verwaltungsrat der AEW die Investitionen von insgesamt rund 21 Millionen Franken für die Heizzentrale und das Fernwärmenetz bewilligt, und das Baugesuch für die Heizzentrale liegt noch bis zum 22. Oktober auf der Bauverwaltung der Gemeinde öffentlich auf.

9500 Tonnen Holz pro Jahr 

Geplant sind zwei Holzschnitzelfeuerungen mit je 2500 Kilowatt Leistung. Eine wird mit Altholz betrieben, die andere mit Waldholz aus der Region. Wie Yvonne Kohler, Leiterin Marketing und Unternehmenskommunikation bei der AEW Energie AG, sagt, sollen jährlich rund 5200 Tonnen Waldholz und 4300 Tonnen Altholz verbrannt werden. Das Altholz wird direkt von der benachbarten Rewag bezogen. «Somit ist kein zusätzlicher Transport für das Altholz notwendig», so Kohler.

Für Notfälle und Spitzenlastzeiten werden zudem zwei Ölfeuerungskessel mit einer Leistung von je 4000 Kilowatt eingebaut. Gemäss den Unterlagen im Baugesuch sollen jedoch mindestens 80 Prozent der benötigten Wärmeenergie CO2-neutral durch die Holzfeuerungen erzielt werden. Die Ölkessel sollen jährlich maximal 500 bis 800 Stunden in Betrieb sein, während für die Holzfeuerungen 4600 bis 7000 Betriebsstunden veranschlagt werden.

Liebrüti wird angeschlossen

Laut Kohler beträgt die kalkulierte Wärmeproduktion bei voller Leistung jährlich 26 000 Megawattstunden. «Ab diesem Zeitpunkt können durch den Wärmeverbund jährlich drei Millionen Liter Heizöl eingespart werden», sagt sie. Damit würden rund 8100 Tonnen CO2-Ausstoss ersetzt.

Die Wärme wird in Form von Warmwasser an die dem Wärmeverbund angeschlossenen Überbauungen geliefert. Bereits klar ist, dass die Überbauungen Liebrüti, Kaisergarten und Sonnenmatt angeschlossen werden. Für die Wärmeversorgung hat die AEW das arealinterne Wärmenetz der Liebrüti erworben. «Zudem werden ab Herbst 2019 rund 2100 Trassenmeter neue Fernwärmeleitung verlegt», so Kohler. Ein entsprechendes Baugesuch soll im nächsten Monat eingereicht werden.

«Nach Abschluss des Grundausbaus werden über 1300 Haushalte mit erneuerbar produzierter Wärme versorgt», hält Kohler fest. Danach bestehe noch ein zusätzliches Anschlusspotenzial von über 400 Haushalten. Weitere Akquisitionsbemühungen seien im Gang. Gemäss dem Kaiseraugster Gemeindeschreiber Roger Rehmann sollen auch das Schulhaus und die Turnhalle Liebrüti und allenfalls weitere Gemeindeliegenschaften angeschlossen werden.

«Umweltverträglich im Sinne des Gesetzes»

Der Zeitplan der AEW Energie AG sieht vor, dass im Frühling 2019 mit dem Bau der Heizzentrale begonnen wird. Der Baubeginn für das Wärmenetz soll im Herbst 2019 folgen. Erste Wärmelieferungen wären dann im Frühling 2020 möglich. Die drei Überbauungen sollen im Herbst 2020 angeschlossen sein.

Da die Heizzentrale am Hang oberhalb der Rinaustrasse entsteht, ist von der Landstrasse aus einzig der 25 Meter hohe Kamin sichtbar, der das Niveau der Landstrasse um rund sechs Meter überragt. Dem Baugesuch liegt überdies ein Umweltverträglichkeitsbericht vor. Darin ist festgehalten, dass das Projekt den Zielen der bundesrätlichen Energiestrategie 2050 entspricht und «umweltverträglich im Sinne des Gesetzes» ist.

Die Schadstoffimmissionen würden im Vergleich zu heute um maximal fünf Prozent erhöht und lägen weiterhin «deutlich unter den Grenzwerten», heisst es im Bericht. Auch der Verlust eines geschützten Feldgehölzes, das auf der Parzelle der Heizzentrale weichen muss, werde durch eine Aufwertung des verbleibenden Gehölzes kompensiert.