Fricktal

139'000 Pakete in einem Jahr: Der Ansturm auf die deutschen Päckli-Shops boomt

Derzeit gibt es viel zu tun in den Paketshops.

Derzeit gibt es viel zu tun in den Paketshops.

Schweizer nutzen deutsche Abholstationen, um Kosten zu sparen – besonders um Weihnachten ist das Geschäft besonders gefragt.

Weihnachten steht vor der Tür und das bedeutet für Fuat Bulut ungeheuer viel Stress. Bulut ist Inhaber von Europaketshop in Luttingen, einem Stadtteil von badisch Laufenburg. Auf rund 1000 Quadratmetern Fläche lagert er Versandware für Kunden aus der Schweiz.

Briefe, Pakete, sogar ganze Palettenlieferungen warten im Lager auf Abholung. Von Mitte November bis Mitte Januar muss Bulut 30 bis 40 Prozent mehr Sendungen bearbeiten als im übrigen Jahr.

Der Europaketshop ist nur einer von vielen ähnlichen ­Paketshops im grenznahen Deutschland. Das Geschäft boomt. Allein bei MyPaketshop in Bad Säckingen sind laut ­Firmenwebsite von Januar bis Mitte Dezember knapp 139'000 Pakete über die Theke gegangen.

Solche Zahlen wundern nicht, wenn man bedenkt, was es kostet, sich als Schweizer die Ware nach Hause schicken zu lassen. Manche Portale lassen Schweizer Versandadressen gar nicht erst zu. Ist eine Sendung in die Schweiz aber möglich, ­können für ein mittelgrosses Paket schon mal über 50 Franken für den Versand und die Zollgebühren anfallen. Das mag sich auch in der Schweiz nicht jeder leisten.

Kunden profitieren durch mehrere Faktoren

Der führende Versandriese Amazon hat keine Schweizer Zweigstelle und Zalando schneidet trotz Schweizer Sitz teurer ab als sein deutsches Pendant. Beim Vergleich von zwei paar identischen Schuhen, die bei zalando.ch 165 Franken kosten, was nach aktuellem Gegenwert 149,75 Euro entspricht, bezahlt man bei zalando.de nur 134,95 Euro.

Mit deutscher Lieferadresse profitieren Schweizer Kunden mehrfach: Der günstige Eurokurs, die gesparte Versandgebühr plus Zolltaxen und sogar die deutsche Mehrwertsteuer kann man sich zurückerstatten lassen.

Das weiss auch Kim Naomi Krasniqi: Die Schweizerin aus der Nähe von Aarau holt oft Pakete für sich oder die Familie. So lädt sie heute mit Hilfe eines Mitarbeiters von Europaketshop einen Auspuff für eine Motocrossmaschine ins Auto. «Das ist nichts Besonderes», lacht sie, «alle Teile für das Motorrad meines Bruders werden in Deutschland bestellt.»

Unternehmen haben keine Zollfreigrenze

Die Zollfreigrenze beträgt für Waren aus Deutschland 300 Franken am Grenzübergang. Lässt man sich Ware zusenden, sinkt diese Grenze auf unter 70 Franken. Hier gelten andere Regeln: Sobald die Mehrwertsteuer fünf Franken übersteigt, muss die Ware deklariert werden. Das passiert schnell und liegt je nach aktuellem Kurs zwischen 63 und 65 Franken.

Unternehmen haben keine Zollfreigrenze. Sie zahlen vom ersten Franken an die Schweizer Mehrwertsteuer von sieben Prozent. Auf grosse Versandhandelsunternehmen angesprochen, erklärt Simon Kühn, Geschäftsführer von MyPaketshop in Bad Säckingen, dass 70 Prozent seiner Paketlieferungen von Amazon kommen.

Auf die Frage, ob es denn auch aussergewöhnliche Sendungen gibt, fällt dem 32-Jährigen spontan ein amerikanischer Acht-Zylinder-Oldtimermotor ein, der mal aus den USA importiert wurde und dann via MyPaketshop in der Schweiz gelandet ist. Auf zwei Etagen und 1300 Laufmetern Regalfläche stapeln sich bei Kühn die Sendungen.

Vom Ersparten liegt ein Kurzurlaub drin

Sowieso: Autoteile werden vermehrt bestellt. Diese sind in der Schweiz teuer. Dass sich die Bestellung in Deutschland trotz Verzollung, Wegstrecke und zeitlichem Aufwand lohnt, zeigt ein Vergleich: Ein Unternehmen in Baselland bestellt eine Palette mit Streusalz in Deutschland und bezahlt dafür samt Versand, Zolltaxen und Lagergebühr bei MyPaketshop 140 Euro.

Hätte er eine vergleichbare Ware in der Schweiz bestellt, hätte es über 600 Franken gekostet. Vom ersparten Geld liegt dann auch mal ein Kurzurlaub drin, je nach der Menge, die man bestellt. Ohne die logistischen Möglichkeiten von Paketshops wäre das nicht denkbar.

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