Wasserverschmutzung

Zu viele Giftstoffe: Villmergen muss Wasser aus Wohlen zukaufen

Das Villmerger Trinkwasser – hier im Reservoir Bergmätteli – überschreitet die Grenzwerte von Chlorothalonil. Die Gemeinde nimmt das ernst.

Das Villmerger Trinkwasser – hier im Reservoir Bergmätteli – überschreitet die Grenzwerte von Chlorothalonil. Die Gemeinde nimmt das ernst.

Der Chlorothalonil-Wert wird in den beiden Hauptreservoiren Kreuzester und Unterzelg überschritten. Aus diesem Grund hat die Gemeinde Massnahmen getroffen. Für Verbraucher könnte dies Folgen haben: Der Wasserpreis könnte steigen.

Chlorothalonil ist in aller Munde. Es handelt sich dabei, wie in den vergangenen Monaten oft zu lesen war, um einen Pestizid-Wirkstoff, der in Pflanzenschutzmitteln seit den 70er-Jahren gegen Pilzbefall als sogenanntes Fungizid zugelassen ist. Er wird vor allem im Ackerbau eingesetzt.

Das Pflanzenschutzmittel war und ist nach wie vor zum Einsatz zugelassen. Bis im Frühjahr dieses Jahres war Chlorothalonil im Zusammenhang mit dem Trinkwasser in der Schweiz kein Thema. Per 8. August hat der Bund nun aber eine Höchstwertkonzentration dafür im Trinkwasser festgelegt. Dieser liegt bei 0,1 Mikrogramm pro Liter. Und damit hat nun auch die Gemeinde Villmergen zu kämpfen. Darüber informierte sie gestern in einer Medienmitteilung.

Die Höchstwerte werden deutlich überschritten

Auch in Villmergen wurden Messungen durchgeführt: Zum einen an verschiedenen Orten direkt im Trinkwasser, das an die Kundinnen und Kunden geliefert wird. Zum anderen an den Produktions- und Bezugsstätten.

Das Messresultat des kantonalen Amts für Verbraucherschutz, Abteilung Lebensmittelkontrolle, vom 4. September zeigt, dass Massnahmen ergriffen werden müssen. «Der Chlorothalonilwert des an die Kundinnen und Kunden gelieferten Trinkwassers liegt bei 0,19 Mikrogramm pro Liter (0.00000019 Gramm pro Liter)», heisst es im Bericht aus der Gemeindekanzlei.

Von der gesamten Wasserbeschaffung der Gemeinde Villmergen stammen 65 Prozent aus den Grundwasserpumpwerken Kreuzester und Unterzelg. Das Pumpwerk Kreuzester ist das Hauptstandbein der Villmerger Wasserversorgung und zurzeit unentbehrlich. Die beiden Pumpwerke weisen laut den kantonalen Messresultaten vom 4. September folgende Werte aus: Kreuzester 0,87 und Unterzelg 0,24 Mikrogramm pro Liter.

Bei der restlichen Beschaffung, also beim Bezug ab eigenen Quellen sowie bei den Einkäufen aus Wohlen und Seengen werden die Höchstwerte hingegen nicht überschritten.

Trinkwasser wird laufend geprobt

In Villmergen muss gehandelt werden. Als Sofortmassnahme hat die Wasserversorgung bereits dafür gesorgt, dass die Nutzung des Pumpwerks Kreuzester soweit möglich zurückgefahren wurde. Stattdessen wurde der Einkauf von Wohlen auf das vertragliche Maximum erhöht. Das Trinkwasser wird weiterhin laufend beprobt. Ausserdem werden bauliche, steuerungstechnische und vertragliche Massnahmen «geprüft und wenn möglich zielführend umgesetzt», heisst es aus dem Gemeindehaus.

Wichtig für die Verbraucher dürfte sein: «Es ist davon auszugehen, dass die verschiedenen Massnahmen zu Wasserpreiserhöhungen führen können», schreiben Gemeinderat und Gemeindewerke Villmergen in ihrer gemeinsamen Mitteilung. Und sie richten sich auch an die Bauern: «Die Landwirtschaft wird ersucht, auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit dem Inhaltsstoff Chlorothalonil zu verzichten. Die Trinkwasserressourcen müssen stärker vor schädlichen Fremdstoffen aus Landwirtschaft und Haushalten geschützt werden.» Mehr Infos werden folgen.

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