Forstwirtschaft

Winzig aber gefrässig: der Borkenkäfer macht Bäumen im Freiamt den Garaus

«Die Bäume, die auf dem Bild noch stehen, werden vermutlich in den nächsten zwei, drei Jahren auch noch wegfallen, da sie jetzt sehr exponiert stehen, was die Schadenfläche zusätzlich nochmals vergrössert», schreibt der Mutscheller Revierförster Christoph Schmid.

Fünf bis sechs Hektare Wald mussten in Rudolfstetten-Friedlisberg und Unterlunkhofen wegen des Käfers gefällt werden. Der heisse Sommer war da nicht hilfreich. Kühle und Nässe würden gegen den Befall helfen.

Er ist ein winziges Tierchen, der Borkenkäfer. Und doch schafft er es durch seine enorme Zahl und Gefrässigkeit, dass in diesem Jahr grosse Waldflächen im ganzen Freiamt gerodet werden mussten. «Die Ausmasse kann man kaum beschreiben, die muss man sehen», sagt Christoph Schmid, Revierförster Mutschellen.

In seinem Gebiet sind vor allem die Wälder in den Gemeinden Rudolfstetten-Friedlisberg und Unterlunkhofen mit grösseren Flächen betroffen. «Insgesamt sind es etwa fünf bis sechs Hektaren, die wir fällen müssen.» Zur Verdeutlichung: Auf einer Hektare wachsen rund 400 grosse Bäume, wie der Revierförster erklärt.

In den 500 Hektaren Waldfläche, die der Forstbetrieb Mutschellen betreut, fallen diese paar Hektaren nicht so stark ins Gewicht. «Dennoch tut es weh», so Schmid.

Nur Rottannen sind vom «Buchdrucker» betroffen

Es sind nur die Rottannen, die gefällt werden müssen. Denn: «Jeder Baum hat seinen eigenen Borkenkäfer», so Schmid. Hier ist der Buchdrucker am Werk, ebenjene Borkenkäferart, die die Rottannen befällt. «Das Problem ist, dass wir hier Reinbestände von Fichten haben, da ist eben ein Kahlschlag nötig.»

Seit den letzten etwa 30 Jahren pflanzen die Förster vor allem Mischwald statt Monokulturen an. Das dämmt einerseits das Borkenkäferproblem ein. Andererseits können alle anderen Bäume um die Rottannen herum stehen gelassen werden, sodass kein Kahlschlag entsteht.

«Aber wir arbeiten eben immer mit dem, was uns unsere Vorgänger hinterlassen haben. Auch unsere Nachfahren werden nicht an allem Freude haben, was wir heute machen», hält Schmid fest.

Das Holz ist derzeit auf dem Markt wenig wert

Was ihnen ebenfalls ihre Vorgänger hinterlassen haben, wäre viel Holz, das nun, nach rund 50 bis 100 Jahren, gefällt und verkauft werden sollte. «Bei diesen Gebieten handelt es sich um die Sturmflächen von 1967, die damals aufgeforstet wurden.

Bald wäre der Ertrag aus der langjährigen Arbeit fällig gewesen. Der ist jetzt dahin.» Ein Teil des Holzes kann verwertet werden, «aber die Sägereien werden wegen des Sturms Burglind letzten Winter mit Holz überschwemmt», da wäre es gescheiter gewesen, noch mit dem Fällen abzuwarten. Wenn die Waldarbeiter die Wahl gehabt hätten.

Förster hoffen auf nassen, kühlen Sommer

Die gefällten Bäume müssen so schnell wie möglich geschält oder gleich ganz aus dem Wald transportiert werden, damit sich die Borkenkäfer nicht noch mehr austoben und vermehren können. «Mehr können wir nicht tun.

Denn es kommt darauf an, ob die Bäume genügend stark sind, um die Käfer abzuwehren, da können wir die Tierchen noch so sehr bekämpfen, wenn die Bäume sie nicht abwehren können, haben wir verloren», so der Mutscheller Förster.

Wie stark die Bäume sind, hängt vom Wetter ab. «Wenn wir nächstes Jahr einen nass-kalten Frühling und Sommer haben, werden die Bäume stark genug sein und dadurch genügend Harz produzieren können, um die Borkenkäfer fernhalten zu können.

Wenn es aber wieder heiss und trocken wird, können wir erneut mit einem Käferbefall rechnen», weiss der Revierförster aus Erfahrung. Die viereckigen schwarzen Borkenkäferfallen, wie man sie noch vor Jahren überall in den Wäldern sah, bringen nichts. Das hat man schon bald festgestellt und die Fallen wieder abmontiert.

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