«Wollt ihr Raclette essen gehen?», fragt ein Besucher des Bremgarter Weihnachts- und Christchindli-Märtes seine Begleiter. Diese sind einverstanden, hätten aber, wenn sie anders entschieden hätten, die Qual der Wahl gehabt. Zahlreiche Beizli sorgen für das leibliche Wohl, das kulinarische Angebot ist breit gefächert und vielfach geht es darum, Gutes zu tun – sei es, weil das eingenommene Geld für einen wohltätigen Zweck gespendet wird, oder weil die Klubkasse von Bremgarter Vereinen gefüllt wird. Wer sich nicht an einen Tisch setzen mag, kann sich auch fliegend verpflegen, etwa mit einer Bratwurst oder Baked Potatoes. Martin Pfister ist mit seinem Stand «Ofe Geschwellti» bereits zum 22. Mal am Bremgarter Christchindli-Märt mit von der Partie. Der Markt gefalle ihm eben, sagt er.

Nur wegen des Essens kommen aber die wenigsten an den Weihnachtsmarkt. Sondern wegen des vielfältigen Marktangebotes. Dekorationen, Schmuck oder Gewürze – es gibt für jeden etwas. Wegen des hohen Besucheraufkommens ist in der Marktgasse klar geregelt, auf welcher Seite man in welche Richtung gehen soll. Das ist gerade am Samstagabend mit dem hohen Besucheraufkommen von Vorteil. Gut vertreten ist am Markt das Angebot an Kunsthandwerk.

Rita Truttmann aus Niederweningen bietet Krippenfiguren an. Sie kommt seit 1998 an den Bremgarter Markt und hat jeweils einen Stand in der Rechengasse. Nächstes Jahr möchte sie indes in die Marktgasse wechseln. «Die Besucherströme konzentrieren sich immer mehr auf die Hauptgasse», meint sie. Ihr gefalle der Markt sehr gut, allerdings gibt sie zu bedenken, dass die Standpreise gerade für Kunsthandwerker mittlerweile sehr hoch seien. «Viele schätzen es, dass es in Bremgarten so viele Kunsthandwerker gibt, aber wir werden nicht bevorzugt behandelt. Die letzte Erhöhung des Standpreises war für uns happig, weil wir unsere Objekte, in denen viele Stunden Arbeit stecken, eh zu einem im Grunde zu tiefen Preis verkaufen. Wir sind, anders als diejenigen, die Handelsware anbieten, in unserer Preisgestaltung eingeschränkt.»

Glühwein gehört zu einem Weihnachtsmarkt wie der Tannenbaum zum Heiligabend. Am Bremgarter Christchindli- und Weihnachtsmarkt bekommt man ihn entsprechend an verschiedenen Ständen. Wer alle Tassen im Schrank haben möchte, tut dies an einem der offiziellen Verkaufsstände des OKs, denn dort wird er, falls man es wünscht, in den beliebten Sammlertassen ausgeschenkt. Sie zeigen jedes Mal eine andere Bremgarter Sehenswürdigkeit, diesmal die Färberei Bleichi.

Von Genf an den Christchindli-Märt Bremgarten

Strahler zum Strahlen gebracht

Heuer wurde der Glühwein zum ersten Mal in vorgewärmten Tassen ausgeschenkt, sodass er länger warm blieb. Wie vieles am Bremgarter Christchindli-Märt wäre auch der Glühweinverkauf ohne freiwillige Helferinnen und Helfer nicht möglich. Ursula Vanal ist eine von ihnen, sie macht es aus «Freude an der Sache», wie sie erzählt. Zudem gefalle ihr das Ambiente des Marktes. Madleine Rebmann, die mit ihr Dienst hat am Glühweinstand, gefallen die positive Stimmung und der Kontakt zu den Leuten.

Die Besonderheit des Bremgarter Marktes ist nicht nur, dass er der grösste der Schweiz ist. Er ist am kulturellen Angebot, das man gratis geniessen kann, kaum zu überbieten; zum Beispiel Konzerte im Zeughaussaal, in der Märt-Chile oder in der Kapuzinerkirche. Übrigens: Hinter der Kirche gab es schön beleuchtete Bäumchen, hier konnte man auf einem Bänkchen besinnliche Momente ohne Trubel geniessen. Im Klösterli wurden Produkte verkauft, die in den Kreativ-Werkstätten hergestellt wurden. Für Kinder gab es ein Ponyreiten, Märchenstunden im Adventshüsli und in den Gassen konnte man den Samichlaus treffen. Seit vielen Jahren können Kinder zudem auf Schatzsuche gehen und sich einen Kristall vom Kristall-Berg abreissen. Möglich macht dies der Strahler Hermann Fritzsche, der diese Aktion vor vielen Jahren zusammen mit Kurt Müller, der in der Zwischenzeit verstorben ist, ins Leben rief. Dieses Jahr sei er wohl zum letzten Mal mit dabei, so Fritzsche, der Aufwand sei eben schon sehr gross. Dann kommt ein Kind zu ihm und zeigt ihm den Stein, den es abgerissen hat. Fritzsche strahlt.

Eindrücke vom Eröffnungstag – und was für den Samichlaus höchstpersönlich das Schönste ist am Bremgartner Weihnachtsmarkt.