Kostümierungstrend
Wie Fasnacht für Nerds: im Freiamt gibts jetzt einen Cosplay-Verein

Die Mitglieder des neuen Vereins Cosplay-Atelier bringen den japanischen Kostümierungstrend ins Freiamt. Dort können sich Fans auch ausserhalb grosser Events mit Gleichgesinnten treffen und austauschen.

Melanie Burgener
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Lina Meyer, Nicolai Graf, Rosa Caputo und Viviane Wagner (von links) teilen die Leidenschaft, sich zu kostümieren und Events zu besuchen.

Lina Meyer, Nicolai Graf, Rosa Caputo und Viviane Wagner (von links) teilen die Leidenschaft, sich zu kostümieren und Events zu besuchen.

Melanie Burgener

Wenn die Freiämter Fasnächtler ihre Perücken abnehmen und die Kostüme wieder in die hinterste Kellerecke verstauen, blühen die Comic-Fans erst richtig auf.

Cosplay — der Tend aus Japan

Cosplay, ausgeschrieben costume play (englisch für Kostüm-Spiele), ist ein Verkleidungstrend, der ursprünglich aus Japan stammt. Dabei geht es darum, mittels Kostümen möglichst originalgetreu eine Figur aus einem Comic oder einem Computerfilm darzustellen.

Denn die acht Mitglieder des neuen Vereins Cosplay-Atelier verkleiden sich nicht – wie eben die Fasnächtler – nur in der närrischen Zeit, sondern besuchen das ganze Jahr über verschiedene Anlässe, wie zum Beispiel die Schweizer Comic Con «Fantasy Basel» im Mai.

Cosplay? Comic Con? Was in Japan und den USA schon fast zur Kultur gehört, ist in der Schweiz den wenigsten ein Begriff. So hat der erste Schweizer Anlass für Comic-, Game- und Superheldenfans erst 2015 stattgefunden.

Dort hat es auch Nicolai Graf, Präsident des Cosplay-Ateliers aus Hermetschwil-Staffeln, gepackt: «Ich wollte schon lange einmal die der Comic Con in San Diego erleben, doch das hat sich leider nie ergeben. Als ich dann 2015 an der ersten «Fantasy Basel» war, hat es mich reingezogen.»

Superhelden für kranke Kinder

Da diese Szene in der Schweiz noch sehr unbekannt ist, gibt es für ihre Fans auch nur wenige Möglichkeiten, sich ausserhalb solcher Events mit Gleichgesinnten zu treffen und auszutauschen. Auch beim Basteln ihrer aufwendigen Kostüme sind sie meist für sich. Das wollte Graf ändern. «Ich habe einen Aufruf auf Facebook gestartet, worauf sich ein paar Leute gemeldet haben», erzählt er.

Darunter Rosa Caputo aus Wohlen, Viviane Wagner aus Eggenwil und Florian Brülhart, der in der Nähe des Freiamts, in Busslingen, wohnt. Gemeinsam mit zwei weiteren Gründungsmitgliedern haben sie im Mai vergangenen Jahres den Verein Cosplay-Atelier gegründet. Bis jetzt haben sie noch kein Vereinslokal, sind jedoch auf der Suche nach einem geeigneten Raum in der Region.

Inzwischen haben sich noch zwei weitere Fans dem Verein angeschlossen. Eine davon ist die 27-jährige Lina Meyer aus Gunzwil (Kanton Luzern). Sie hat Graf beim Dreh eines Werbefilmes kennen gelernt, in dem sie beide mit ihren Kostümen zu sehen waren. Von allen Mitgliedern hat sie schon am meisten Erfahrung, was das Herstellen und Gestalten von Kostümen betrifft.

Das könnte für die Zukunftspläne des Vereins sehr von Vorteil sein: «Wir planen, irgendwann Workshops für interessierte Fans anzubieten. Diese könnte sie zum Beispiel leiten», erklärt Graf das Vorhaben. Der Verein wurde zwar frisch aus der Taufe gehoben, doch die Mitglieder sind sich sicher, dass sie ihre Pläne umsetzten können: «Wir wachsen langsam, aber stetig.»

Neben Workshops hat der junge Freiämter Verein aber noch viele weitere Ziele, die er längerfristig erreichen will. So hoffen die Mitglieder, sich regelmässiger an Events zu treffen oder Anlässe zu organisieren, deren Erlös sie spenden wollen. Allgemein möchte der Non-Profit-Verein mit seiner Leidenschaft anderen eine Freude machen. «Wir planen, verkleidet in Spitälern kranke Kinder zu besuchen, so wie man das aus Amerika kennt», erzählt der Präsident begeistert.

Aufgepeppt und selbst kreiert

Die Interessen der Mitglieder gehen bei den Kostümen auseinander: «Ich orientiere mich weniger an Superhelden, sondern mehr an japanischen Animes oder Games», erklärt Viviane Wagner. Ihr feurig rotes Kostüm ist an ihren Künstlernamen Firyphoenix angelehnt und eine Eigenkreation.

«Das ist mein erstes Projekt, das ich gemacht habe, um die Materialien kennenzulernen», erklärt sie. Auch Meyer und Caputo haben Stunden in die Gestaltung ihrer Kostüme investiert. Ein Hobby, das Zeit braucht. «Diese fehlt mir leider etwas. Deshalb habe ich mein Kostüm gekauft und es einfach etwas bearbeitet», erzählt Graf. Florian Brülhart gestaltet selber keine ganzen Kostüme: «Ich kreiere aus Papier, Schaumstoff oder mit dem 3D-Drucker Waffennachbildungen.»

Die Liebe zu Spiderman und Wonderwoman oder zum Zeichnen von Fantasiefiguren hat die Freiämter Cosplayer zu ihrer Leidenschaft gebracht. Ein paar seien aber auch über die Fasnacht aufs Kostümieren gekommen. Nicolai Graf lacht: «Es ist ja auch wie Fasnacht, aber für Nerds.»