Buttwil
Was giftige Abgase im Flaschengarten anrichten

Bettina Grossenbacher wird von Schweizer Jugend forscht für ihre Maturaarbeit ausgezeichnet. In ihrer Arbeit untersuchte sie die Auswirkungen von Motoroller-Abgasen auf einen Flaschengarten.

Daniel Wagner
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Bettina Grossenbacher erforschte die Schädlichkeit von Abgasen im Ökosystem eines Flaschengartens. zvg

Bettina Grossenbacher erforschte die Schädlichkeit von Abgasen im Ökosystem eines Flaschengartens. zvg

Was passiert, wenn man einem Flaschengarten die Abgase eines Motorrollers beifügt? Die 19-jährige Bettina Grossenbacher aus Buttwil wollte es genau wissen. Mit ihrer Forschungsarbeit hat es die talentierte Maturandin zusammen mit 76 weiteren jungen Menschen ins Finale von Schweizer Jugend forscht (SJf) geschafft. Sie und weitere acht Aargauerinnen und Aargauer werden am Samstag an der Università della Svizzera italiana (USI) in Lugano für ihr Schaffen ausgezeichnet. Der Titel ihrer an der Neuen Kantonsschule Aarau verfassten Maturaarbeit lautet: «Ein Dunst im Flaschengarten - Auswirkungen von Motorrollerabgasen auf das Ökosystem eines Flaschengartens».

Farn, Waldbeere und Moos

Beim Durchlesen der 58 Seiten umfassenden Arbeit wird klar: Nicht das Endergebnis zählt in erster Linie, sondern Forschungsidee, Methodik und akribische Umsetzung. Bettina Grossenbacher erklärt, wie sie auf das Thema gestossen ist: «Wegen der schlechten Busverbindungen an den Abenden und Wochenenden fahre ich Roller. Ich stellte mir immer wieder die Frage, welchen Einfluss die schädlichen Abgase dieses Zweitakt-Motors auf die Umwelt haben.» Mit ihrer Arbeit wollte sie herausfinden, wie sich das in sich geschlossene Ökosystem eines Flaschengartens während dreier Wochen verändert, wenn man ihm 2,5 Milliliter Abgase eines Piaggio Zipp Motorrollers verabreicht. Das entspricht der Dosis
eines gefahrenen Meters.

Zehn Flaschengärten

Zu diesem Zweck baute die Jungforscherin insgesamt zehn Flaschengärten, die sie mit je einem Farn, einer Walderdbeere und Moos bestückte. Fünf davon dienten als Probanden. Ihnen wurden mithilfe einer Spritze die schädlichen Abgase des Rollers, der Kontrollgruppe lediglich Raumluft zugeführt. Die Pflanzen sollten dann in diesem Mikroklima gedeihen. «Der Flaschengarten kommt der Biosphäre (Umwelt) am nächsten», präzisiert die Jungforscherin. Direkt in die Umwelt ausgesetzte Abgase würden sich verflüchtigen, Messungen dieser Art würden somit keine aussagekräftigen Messergebnisse ermöglichen.

Die Hypothesen...

Bettina Grossenbacher mass in
regelmässigen Abständen die CO2- Konzentration sowie die Temperatur. Am Anfang und am Ende des Experiments entnahm sie eine Bodenprobe, um im Labor den pH-Wert und den Ammoniumgehalt zu ermitteln. Die Jungforscherin hat den Hypothesen viel Raum gegeben: «In der Naturwissenschaft geht man nicht selten von gewissen Erwartungen aus, die sich aber nicht immer bewahrheiten. Ich vermutete, dass der Flaschengarten aufgrund seines sehr sensiblen und instabilen Ökosystems sogleich auf eine Veränderung der Umweltfaktoren, wie zum Beispiel die Luftveränderung, reagieren wird. Dies wird man den Pflanzen dann ansehen, welche schlaff wirken und sich braun verfärben.»

Die Maturandin ging ferner davon aus, dass sich die Temperatur im Flaschengarten erhöhen wird. Als mögliche Einflussfaktoren nannte sie den sonnigen Standort und das schädliche Kohlenstoffdioxid (CO2) der Rollerabgase. «Ich war erstaunt, dass sich gerade diese Hypothese nicht
bewahrheitete. Die Temperatur verharrte konstant bei 22 Grad Celsius.»

... bestätigten sich nicht

Dass die CO2-Konzentraton am Anfang sehr hoch war und in der Folge stark abnahm, gibt Raum für Vermutungen: «Die hohen Anfangswerte könnten durch eine unabsichtliche Beigabe des kohlenstoffdioxidhaltigen Atems während des Sondenwechsels entstanden sein», sagt Bet-tina Grossenbacher. Dadurch wäre auch die höhere Braunfärbung erklärbar. Weil an der Schule nur zwei CO2-Sonden und nur deren fünf für die Temperaturmessung verfügbar gewesen seien, sei sie um diesen Arbeitsschritt nicht herumgekommen. Selbst das kurzzeitige Öffnen der 28 Zentimeter hohen Einmachgläser habe möglicherweise einen Einfluss auf das in sich geschlossene Mikroklima gehabt.

Bettina Grossenbacher kam zum Schluss, dass die festgestellten Auswirkungen nicht direkt den Abgasen zugeordnet werden können. «Der Flaschengarten ist ein zu komplexes und sensibles Ökosystem, um Folgerungen daraus zu schliessen. So gesehen müsste ich die Forschung weiter vertiefen.» Die Natur habe ihr ein bisschen einen Strich durch die Rechnung gemacht, schmunzelt die junge Buttwilerin, die später gerne in der Medizin arbeiten möchte.

Nationaler Wettbewerb Schweizer
Jugend forscht (SJf):
Ausstellung und Preisverleihung am 4./5. Mai in Lugano. Weitere Infos, auch über die Aargauer Teilnehmer, auf www.sjf.ch

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