Bundesgericht
War der abgefackelte Porsche ein Versicherungs-Betrug?

Das Aargauer Obergericht muss einen Versicherungsbetrug um einen in Brand gesetzten Porsche noch einmal beurteilen, weil im Prozess heikle Fragen nicht einem Sachverständigen unterbreitet worden waren. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Peter Inderbitzin
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Auto in Brand (Symbolbild)

Auto in Brand (Symbolbild)

Keystone

Die Aargauer Justiz eröffnete gegen den Eigentümer eines Porsches ein Strafverfahren. Sie warf dem Mann vor, im Mai 2011 seinen Porsche in einer Waldlichtung mit einem acetonhaltigen Brandbeschleuniger in Brand gesetzt zu haben. Zudem wollte der Porsche-Fahrer von der Versicherung den Schaden ersetzt haben.

27 Monate Freiheitsstrafe

Das Bezirksgericht Muri sprach den Porsche-Fahrer im August 2013 von der Anklage des Betrugs frei. Anders sah es das Obergericht. Dieses hielt es - gestützt auf den Ermittlungsbericht der Kantonspolizei Aargau und gestützt auf ein Privatgutachten der Versicherung - für erwiesen, dass der Porsche-Eigner sein Fahrzeug abgefackelt hatte.

Es verurteilte den Mann wegen versuchten Betruges zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten, davon 15 Monate mit bedingtem Vollzug.

Privatgutachten hat beschränkten Beweiswert

Der verurteilte Porsche-Eigentümer zog den Fall ans Bundesgericht, welches nun dem Aargauer Obergericht die Leviten gelesen hat. Die Oberrichter hätten nicht einfach auf das Privatgutachten der Versicherung abstellen dürfen, «namentlich für die Fragen nach einem allfälligen Brandherd bzw. einer Zündquelle oder eines elektrischen Defekts, für den möglichen Einsatz von Brandbeschleunigern sowie für die Branddauer».

Denn nach Meinung des Bundesgerichts verfügten die Oberrichter «offensichtlich nicht über das notwendige Fachwissen, um die sich stellenden Fragen ohne den Beizug eines Sachverständigen zu beantworten». Das Obergericht muss nun weitere Beweise erheben und dann den Fall noch einmal beurteilen.

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