Islisberg
Von Gemeindeammann zu Pfarreiseelsorgerin: Statt Reden zu halten, predigt sie jetzt

Gemeindeammann Alexandra Abbt hat ihr Amt am 31. Juli offiziell beendet und bereits ihre neue Stelle als Pfarreiseelsorgerin angetreten.

Christian Breitschmid
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Alexandra Abbt in ihrem Garten. Sie wechselt von der Politik in die Theologie.Bild: Christian Breitschmid

Alexandra Abbt in ihrem Garten. Sie wechselt von der Politik in die Theologie.Bild: Christian Breitschmid

Christian Breitschmid

Bienen summen durch den Naturgarten von Alexandra Abbt. Ab und zu raschelt es im dichten Grün und eines ihrer Zwerghühner läuft über den Sitzplatz. Ein Krug frisches Wasser steht auf dem Tisch, und das Gespräch mit der nunmehr ehemaligen Frau Gemeindeammann von Islisberg nimmt sofort Fahrt auf: «Meine Zeit als Gemeinderätin, Grossrätin und Gemeindeammann war in jeder Hinsicht eine reiche Zeit», strahlt die jugendlich wirkende Familienfrau, Politikerin, Imkerin, Tier- und Naturliebhaberin.

Einzelne Höhepunkte aus ihren fast 19 Jahren als Gemeindepolitikerin oder aus der Zeit als Grossrätin, von 2005 bis 2014, mag sie gar nicht hervorheben. «Ich kann ganz allgemein sagen, dass wir vieles realisiert haben, und das immer in einer kameradschaftlichen Atmosphäre. Ich konnte mich immer auf meine Kollegen verlassen, und es ist uns gelungen, dass nie ein Misstrauen aufkam zwischen Bevölkerung und Behörde, aber auch im Gremium selber nicht.»

Ich bin lieber eine Brückenbauerin als eine Kämpferin.

(Quelle: Alexandra Abbt, bis letzte Woche war sie in Islisberg Gemeindeammann)

Im Grossen Rat, wo sie als Mitglied der CVP-Fraktion einen Sitz in der Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen sowie eine Stellvertretung in der Justizkommission innehatte, galt ihre besondere Aufmerksamkeit besonders dem Schutz und der Erhaltung einer intakten Natur. Als passionierte Bienenzüchterin setzte sie sich sehr dafür ein, das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg mit den Bienenfreunden für vernetzte Projekte zu gewinnen. Aufgrund ihres Vorstosses ist diese Zusammenarbeit mittlerweile geglückt.

Eine Kämpferin sei sie nicht, erwidert Abbt auf die Frage nach dem Motor für ihr politisches Engagement. «Ich bin lieber eine Brückenbauerin als eine Kämpferin», sagt die 48-Jährige und ergänzt: «Ich bin auch eher beharrlich als kämpferisch. Konflikte beruhen doch häufig auf Missverständnissen. Deshalb frage ich so lange nach, bis klar ist, was jemand genau meint. Erst dann kann man abwägen, wie man gegenseitig vor- und nachgeben kann. So kommt man zu Kompromissen. Das ist wichtig, auch wenn Kompromiss in der Politik heute ja schon fast ein Schimpfwort ist.»

Ihr Entschluss, Theologie zu studieren, entsprang nicht etwa einer Politikverdrossenheit, sondern vielmehr der Auseinandersetzung mit diversen Fragen nach dem Sinn und nach inneren Zusammenhängen, wie sie sagt. «So kam ich zurück auf meine Wurzeln. Ich war als Jugendliche sehr aktiv in der Pfarrei Wallisellen. Nach der Matur wusste ich schon: Wenn ich studiere, dann nur Theologie.» Doch sie entschied sich für die Ausbildung zur Buchhändlerin. Nach der Heirat mit Stefan Abbt folgte der Umzug von Zürich ins eigene Haus mit Garten in Islisberg. Kurz darauf kamen die beiden Töchter, Serafine und Eleonore, zur Welt. Mit ihren Aufgaben als Hausfrau, Mutter und Gemeinderätin war Abbt ab 1999 nicht nur daheim, sondern im ganzen Dorf und bald auch im Kantonsparlament beschäftigt.

Von der Vollblutpolitikerin zur Vollbluttheologin

Für die vormalige Vollblutpolitikerin begann am 2. August ihr neues Leben als Vollbluttheologin. In der Bruder-Klaus-Pfarrei in Oberwil (ZG) absolviert sie in den nächsten zwei Jahren ihre Berufseinführung als Pfarreiseelsorgerin. «Dabei kommt es mir sehr zugute, dass ich in der Politik gelernt habe, vor Leuten zu sprechen. Das konnte ich als junger Mensch noch gar nicht», verrät sie. «Für eine Predigt gilt dasselbe wie für eine Rede: Man muss eine Botschaft transportieren und dabei versuchen, Emotionen zu wecken. Und ganz wichtig ist, dass man immer authentisch bleibt.» Dazu verhelfen ihr der Austausch mit ihrem Mann und ihren Töchtern, die Arbeit im Garten, die Imkerei, Bergtouren, Spaziergänge – mit und ohne ihre drei Hunde – oder bewusste Auszeiten inmitten ihres kleinen, grünen Paradieses.

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