Bremgarten
Vom Mysterienspiel zum modernen Theater

Fast lückenlos spielen die Bremgarter seit bald 500 Jahren Theater. Im Stadtmuseum wurde eine Ausstellung über diese Tradition im Reussstädtchen eröffnet.

Jörg Baumann
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Fridolin Kurmann, Präsident des Museumsvereins (l.) freut sich mit Beat Müller und Heinz Koch, den Gründern des Cabarets Brämenstich, über die Ausstellung.

Fridolin Kurmann, Präsident des Museumsvereins (l.) freut sich mit Beat Müller und Heinz Koch, den Gründern des Cabarets Brämenstich, über die Ausstellung.

Jörg Baumann

Aus dem Lautsprecher tönt «Öberem Schpittelturm flüügid d Brääme». Derart machte sich 1958 das Bremgarter Cabaret Brämenstich über das Stadtjubiläum lustig. Im Stadtmuseum, wo die Ausstellung über die Theatertradition in Bremgarten begonnen hat, herrscht eine nostalgische Stimmung. Der ehemalige Lehrer Heinz Koch (81) und der Journalist Beat Müller (79), zwei Gründer des Cabarets, hören andächtig zu. Müller erklärt nebenbei, dass er fast alle Nummern selbst geschrieben habe.

Es begann im 16. Jahrhundert

Fast lückenlos spielen die Bremgarter seit bald 500 Jahren Theater, vielleicht schon in der Lateinschule. Sicher ist aber, dass der Reformator Heinrich Bullinger und der in Bremgarten geborene Solothurner Stiftspropst die Tradition im 16. Jahrhundert begründet haben. Die Ausstellungsmacher rund um den Historiker Fridolin Kurmann, den Grafiker Pe Spalinger und weitere Helfer präsentieren im Museum Dokumente zu Bullingers Lucretia-Spiel, das 1533 in Basel erstmals öffentlich aufgeführt wurde, und zu Aals Johannes-Tragödie, aus deren Prolog Kurmann mit der aufgesetzten Narrenkappe lustvoll Mittelhochdeutsch zitierte.

Von Caspar Bürgissers Synesius-Spiel von 1753 führt die Theaterspur ins 20. Jahrhundert. Die Theaterspieler sind kaum noch zu zählen. Die Jungmannschaft, bei der Heinz Koch vor über 60 Jahren seine ersten Sporen als Spieler und Regisseur abverdiente, und die Kolping-Familie nahmen ihr Publikum für sich ein. «Schon als Schulbub durfte ich Vorstellungen im Casino besuchen. Der Eintritt kostete 30 Rappen», erinnerte sich Koch. Als Lückenbüsser kam er selbst als Spieler auf die Bühne – und bewies Heldenmut, als er trotz blutender Platzwunde am Kopf weiterspielte. «Da erfuhr ich, dass es weniger gefährlich ist, Regie zu führen», sagte er. Im Cabaret Brämenstich und vor 50 Jahren als Mitgründer des Kellertheaters konnte Koch seine Theaterleidenschaft ohne körperliche Blessuren ausleben. Trotzdem stieg er später wegen eines Streits aus dem Kellertheater aus. Kochs Mitstreiter Willy Haller gründete mit dem Theater am Spittel ein Konkurrenzunternehmen. 1998 wurde es nach 18 Jahren geschlossen.

Der Allrounder Otto Gut

Ein besonderer Bremgarter Export war das Hundetheater von Engelbert Meyer, genannt Merian. In der Blütezeit führten seine Tourneen von Amerika bis Russland. Seit 1932 ist der Berner Trachtenchor auf der Bremgarter Casinobühne mit Volksstücken aktiv. Als Regisseur, Autor und Spieler prägte der bald 94-jährige Otto Gut aus Hermetschwil-Staffeln die Szenerie beim Trachtenchor. «Das Schwierigste sind Lustspiele, Dramen sind leicht zu spielen», bekannte Gut. «Ich musste meinen Spielern immer einschärfen, dass sie viel lauter sprechen müssten als sonst.»

Ausführlich wird auch die Operettentradition gewürdigt. Diese begründete der legendäre Musikdirektor Joseph Iten 1926. Der Verein Operettenbühne trat vor 40 Jahren an die Stelle von Orchesterverein und Männerchor. Die Theaterszene bereichert auch die Bezirksschule. Mehrmals wurde das Bremgarter Weihnachtsspiel mit Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert aufgeführt.

Das Stadtmuseum ist am Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr, geöffnet.

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