Muri
Unter dem Pflegidach zu Gast in der Welt von Ben Monder

Ein Jazz-Gitarrist vereint die Menschen im Pflegidach mit seiner tranceartigen Musik. Am Freitag zuvor erschien eine CD von Ben Monder, auf der er gemeinsam mit dem kürzlich verstorbenen David Bowie spielt.

Itzel Stierli
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Ein Virtuose – Gitarrist Ben Monder bei seinem Konzert im Pflegidach.

Ein Virtuose – Gitarrist Ben Monder bei seinem Konzert im Pflegidach.

Christoph Biegel

Die rassigen Töne des New Yorker Gitarristen Ben Monder verhallten im Pflegidach und rissen das Publikum aus seiner Trance. Der US-amerikanische Jazz-Gitarrist nahm den Applaus dankend entgegen und verliess anschliessend die Bühne.

Der Beifall schien endlos und es war zu spüren, dass die Menschenmenge nach einer Zugabe forderte. Dies veranlasste den Solisten, erneut auf die Bühne zu kommen, um dem begeisterten Publikum ein letztes Stück vorzuspielen.

Ben Monder entführte sein Publikum in fremde Welten, in denen es nichts anderes gab als seine Musik. In den letzten Titel fasste er die verschiedenen Melodien seiner vorherigen Stücke zusammen und bewies nochmals sein Talent für abwechslungsreiche Musik, die geprägt ist von kontrastreichen und stimmungsvollen Tönen.

So fing er ruhig und langsam an zu spielen, sodass eine Spur Trauer nachzuempfinden war. Doch er brachte immer mehr Schwung in seine Musik, deren gehetzte und schnellere Passagen zwischendurch von sehr hohen Noten durchdrungen wurden.

Am Ende wurde die Melodie sanfter und die letzten Klänge im Raum verklangen, was das Publikum aus dem Zauber der Musik erwachen und in einen letzten Applaus ausbrechen liess.

In Memoriam

Am Freitag zuvor erschien eine CD von Ben Monder, auf der er gemeinsam mit David Bowie spielt. Man hatte das Gefühl, als würde der Gitarrist einige seiner Stücke seinem Freund widmen.

Insbesondere das letzte Stück «In Memoriam» (deutsch: in Gedenken) beschrieb seine tiefen Gefühle. Es war, als ob Ben Monder eine Vorahnung hatte, dass ein wundervoller Mensch am Montag darauf versterben würde. Trotzdem war die Nachricht über den Tod Bowies ein grosser Schock für Monder.

Nicht nur Ben Monders letztes Stück überzeugte mit seinen anspruchsvollen und kontrastreichen Klängen, auch seine vorherigen Stücke wussten das Publikum zu verzaubern.

Bereits als er begann, sein Instrument zu spielen, versetzte er die Zuhörer in seine Welt. Die einlullende Anfangsmelodie des Titels «Propane Dream» und der schwach beleuchtete Saal luden die Leute ein, die Augen zu schliessen und in seine Musik einzutauchen.

Zum ersten Stück konnte man sich gut vorstellen, auf einer weiten grünen Wiese zu sitzen und von warmen Sonnenstrahlen beschienen zu werden, während ein sanfter Wind wehte.

Nach dem zweiten Lied, «Soccer», erklärte Ben Monder dem Publikum, wie er zum Titel «Propane Dream» gekommen war: durch eine Reise in einem Propangaslastwagen.

Insgesamt schien der Gitarrist eine nicht sehr gesprächige und zurückhaltende Person zu sein. Jedoch sprachen seine Lieder für ihn und zeigten seine leidenschaftlichen Gefühle für die Musik.

So konnte er mit rassigen Melodien und verzerrten Tönen im vorletzten Stück, «Late Green», bedrohliche bis apokalyptische Szenen erzeugen, während er mit sanften Stücken wie «Doris Delaney» mit harmonischen Klängen eine entspannte Atmosphäre schaffte.

Pflegidach lud Flüchtlinge ein

Die Stimmung war wunderbar. Es war regelrecht zu spüren, wie verbunden sich die Leute im Saal fühlten. Das Pflegidach hatte zwanzig Flüchtlinge eingeladen, womit Menschen aus verschiedenen Länder vereint wurden und gemeinsam Ben Monders einmalige Musik hören konnten.

Der anwesende Gitarrist Michael Bucher war ebenfalls begeistert über das Konzert und beschrieb Ben Monder folgendermassen: «Er ist einer der virtuosesten Gitarristen, die ich kenne.»

Er erklärte, dass Monder eher selten Solokonzerte mache und seine «Fingerpicking-Technik» am häufigsten für Soloauftritte gebrauche, da diese Technik am besten dafür geeignet sei. Zum Schluss sagte er bewundernd: «Er hat Fingerfertigkeiten von einem anderen Stern.»