Wohlen
Streit um neuen Stadionrasen: Dubler geht auf Kunstrasen-Gegner los

Gegen die Anschaffung eines Kunstrasens in der Niedermatten wurde das Referendum ergriffen. Der suspendierte und verurteilte Gemeindeammann Walter Dubler setzt den Referendumsführer persönlich unter Druck.

Fabian Hägler
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Walter Dubler, hier auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung im April, steht wieder in der Kritik. Chris Iseli/Archiv

Walter Dubler, hier auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung im April, steht wieder in der Kritik. Chris Iseli/Archiv

Chris Iseli

Soll der FC Wohlen für gut 1,6 Millionen Franken ein Kunstrasenfeld erhalten? Ja, sagte der Einwohnerrat und bewilligte den Kredit, an dem sich die Gemeinde mit gut 1,1 Millionen Franken beteiligt. Nein, sagt ein rechtsbürgerliches Komitee und lancierte ein Referendum gegen diesen Beschluss.

Seit einer Woche läuft die Sammelfrist, die Referendumsführer platzierten in mehreren Restaurants und anderen Geschäften ihre Boxen mit Unterschriftenbogen. «Doch dies hat offenbar den Befürwortern des Kunstrasens nicht gepasst», sagt Christian Lanz, SVP-Fraktionschef im Einwohnerrat und Mitglied des Referendumskomitees.

Die Gegnerschaft sei «in infamer Art in Aktion getreten», heisst es in einer Mitteilung des Komitees.

Konkret seien Boxen mit Flyern beschädigt und an mehreren Depotstellen die Unterschriftsbogen entwendet worden. Zudem wurde laut der Mitteilung «eine Depotstelle vom suspendierten und verurteilten Gemeindeammann telefonisch belästigt». Walter Dubler habe bei einem Betrieb angerufen, der Unterschriftenbogen auflegte, und diesen aufgefordert, das Material zu entfernen, sagt Lanz auf Nachfrage.

Dubler macht persönlich Druck

Edwin Hübscher, Gründer und ehemaliger Inhaber der HBT-ISOL AG in Wohlen, ist auch Mitglied des Referendumskomitees.

In einem Leserbrief schrieb Hübscher am Donnerstag, die Gegner des Referendums würden grobes Geschütz auffahren und einzelne Mitglieder des Komitees unter Druck setzen.

Auf Nachfrage der az sagt Hübscher: «Walter Dubler hat mich persönlich angerufen und aufgefordert, sofort aus dem Komitee auszutreten.»

Dies verbunden mit dem subtilen Hinweis, die Gemeinde habe Engagements von Edwin Hübscher bisher finanziell grosszügig unterstützt.

«Er sagte mir auch, dass es für meine Person und meine Anliegen äusserst unproduktiv wäre, wenn ich weiterhin in diesem Komitee wäre und mit Leuten wie Lanz und Stäger zusammenarbeiten würde.»

Walter Dubler und sein Anwalt liessen eine Anfrage der az, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, gestern Donnerstag unbeantwortet.

Dubler ist Mitglied der Donatorenvereinigung des FC Wohlen und bezahlt einen Jahresbeitrag von 2000 Franken.

Die FC-Donatoren bilden ein einflussreiches Netzwerk, derzeit sind 233 Personen dabei. Zu den Mitgliedern gehören diverse Firmeninhaber aus Wohlen und Umgebung, mehrere Gemeinderäte, aber auch Gewerbeverbands-Präsident Kurt Schmid, FDP-Aargau-Präsident und Nationalrat Matthias Jauslin sowie Bundesrätin Doris Leuthard.

FC-Wohlen-Präsident wehrt sich

Besonders stark gegen das Referendum engagiert sich Hans Hübscher, Ehrenpräsident der FC-Donatoren. Hübscher warb im Vorfeld der Einwohnerratssitzung per Leserbrief für den Kunstrasen und postete auf Facebook mehrere Bilder des ramponierten Spielfeldes im Stadion Niedermatten.

Kürzlich schrieb Hübscher, das Komitee sammle «mit fadenscheinigen Begründungen Unterschriften gegen den Kunstrasen».

Er ruft seine Follower auf: «Bitte NICHT unterschreiben. Es wäre sehr schön, wenn Du meine Meinung mit Deinen vielen fb-Freunden/innen teilen und weiter verbreiten könntest.»

Referendumsführer Lanz nennt keine Namen, sagt aber: «Ich habe immer wieder gehört, dass jemand vom FC bei unseren Depotstellen vorbeiging und Druck machte.»

Ist allenfalls Hübscher dieser Mann? Der ehemalige Einwohnerratspräsident bestreitet dies auf Anfrage: «Ich bin nicht bei diesen Firmen vorstellig geworden, aber ich weiss, dass Kunden und Gäste dort interveniert haben.»

Lucien Tschachtli, Präsident des FC Wohlen, hält fest: «Ich habe keine Kenntnis davon, dass ein FC-Mitglied oder eine Person aus dem Umfeld in dieser Form aktiv geworden wäre.»

Sollte sich der Vorwurf des Referendumsführers bewahrheiten, wäre ein solches Verhalten für Tschachtli inakzeptabel. «Es ist das gute Recht aller Bürger, ein Referendum zu ergreifen und Unterschriften zu sammeln», hält er fest.

FC-Mann schrieb Firmen-Mitteilung

Tschachtli brachte am Donnerstag auf der az-Redaktion in Wohlen persönlich eine Stellungnahme von drei Firmen vorbei, bei denen Flyer für das Referendum auflagen.

Darin heisst es, diese seien vom Komitee «irrtümlicherweise in den Medien und auf dem Unterschriftenbogen als Depotstellen» bezeichnet worden. Basch AG, Tankstelle und Restaurant, Rowo Textil-Reinigung und Gasthof Rössli halten fest: «Wir verhalten uns politisch neutral, bei uns werden keine Unterschriftenbögen aufgelegt, noch können gesammelte Unterschriften bei uns abgegeben werden.» Tschachtli sagt, die Firmen hätten sich beim FC Wohlen gemeldet, «weil es ihnen nicht wohl war in ihrer Situation.»

Tatsächlich zeigt ein Blick in die Liste der FC-Donatoren, dass Markus Achermann, der Inhaber der Rowo Textilreinigung, zu den Mitgliedern der Vereinigung gehört. Achermann sagt: «Ich war in den Ferien, als die Anfrage von Christian Lanz kam.»

Er habe in seiner Reinigung früher Flyer für andere Referenden aufgelegt, deshalb habe sein Sohn wohl zugestimmt. «Als ich am Montag nach den Ferien sah, dass bei uns Bögen gegen den Kunstrasen des FC auflagen, habe ich mich bei Herrn Tschachtli gemeldet und ihm mitgeteilt, dass ich das Material wieder entfernen werde.»

Zuvor hätten sich mehrere FC-Vertreter bei ihm gemeldet und gefragt, warum er die Referendums-Flyer auflege. Hans Hübscher sei nicht unter diesen Personen gewesen, sagt Markus Achermann. «Er hat aber die Stellungnahme geschrieben, die gestern an die Medien ging.»

Bei der Basch AG und beim Gasthof Rössli sei die Situation seines Wissens ähnlich. Auch dort waren laut Achermann die Verantwortlichen nicht anwesend, als Lanz anfragte, ob sie Referendumsflyer auflegen würden. Herbert Brun, Wirt im «Rössli», möchte sich auf Anfrage der az nicht weiter äussern.

Benny Schneiter, Inhaber der Basch AG und bis vergangenen Herbst ebenfalls Mitglied der FC-Wohlen-Donatoren, war gestern Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Keine Depotstellen mehr

Christian Lanz räumt ein, es sei wohl ungeschickt gewesen, «dass ich nicht bei allen Firmen mit dem Chef reden konnte».

Allerdings habe die Zeit gedrängt, das Komitee habe in einer Mitteilung und auf den Unterschriftenbögen die Depotstellen aufführen wollen. Inzwischen wurde auf der Website der SVP Wohlen-Anglikon ein aktualisierter Bogen aufgeschaltet, der keine Adressen von Depotstellen für das Referendum mehr enthält.

Unabhängig vom Hin und Her mit diesen Betrieben ist das Verhalten von Walter Dubler und den FC-Sympathisanten für das Komitee inakzeptabel.

Ein Referendum zu lancieren gehöre in der Schweiz zu den zentralen politischen Bürgerrechten, halten Lanz und sein SVP-Einwohnerratskollege Urs Stäger fest. Dies zu akzeptieren, scheine allerdings nicht allen gegeben zu sein.

«Mit solch unfairen Mitteln auf dem politischen Parkett zu operieren, zeugt von staatsbürgerlicher Unreife und ist einer Gemeinde wie Wohlen und auch eines Vereines nicht würdig.»

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