Jugendsportwoche
Standwaage, Hochweitsprung und Kurz: In Aristau lernen die Jüngsten echte Schweizer Sportarten kennen

Die Jugendsportwoche würde eigentlich traditionell in Langenthal stattfinden. Doch nur im Freiamt fanden die kleinsten Nationalturner, Ringer und Schwinger ideale Bedingungen, um auch in der Coronazeit gemeinsam stark zu werden.

Wolfgang Rytz
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Lager der Nationalsportler/Ringer/Schwinger in Aristau: Lukas Hermann (links) und Martin Dietiker demonstrieren der Gruppe junger Sportler lehrbuchmässig den Kurzzug.

Lager der Nationalsportler/Ringer/Schwinger in Aristau: Lukas Hermann (links) und Martin Dietiker demonstrieren der Gruppe junger Sportler lehrbuchmässig den Kurzzug.

Wolfgang Rytz

Seit Sonntag tummeln sich auf den Sportanlagen in Aristau 50 junge Sportler aus den Sparten Nationalturnen, Ringen und Schwingen. Der Aargauer Nationalturnverband (ANTV) führt seine traditionelle Sportwoche coronabedingt nicht als Jugendlager in Langenthal, sondern als Trainingstage in Aristau durch. Die Teilnehmer übernachten zu Hause. «Eine ideale Lösung», sagt der technische Leiter des ANTV, der Hägglinger Daniel Schmid. «Einzig der Lagerspirit geht etwas verloren.»

Aristau war die ideale Lösung – selbst die Kleinsten können dabei sein

Wenn sich für eine polysportive Turnsparte wie das Nationalturnen die notwendige Infrastruktur in einem Umkreis von weniger als 100 Metern befindet, liegt der Begriff «Trainingszentrum» auf der Hand. In Aristau sind Turnhalle, Sportplatz, Ringer- und Schwingerhalle nahe beisammen. Diesen Vorteil nützen die Aargauer Nationalturner mit der Ringerstaffel Freiamt. Schon länger funktioniert die Zusammenarbeit.

Nach dem letztjährigen Ausfall infolge Corona setzte das Leiterteam alles daran, die Sportwoche diesmal zu retten. Weil die Schutzmassnahmen für ein auswärtiges Lager zu kompliziert und aufwendig waren, fand der Fricktaler Lagerleiter Christian Brogle mit den Freiämter Kollegen eine Ersatzlösung.

Dank der Übernachtung zu Hause hat sich die Teilnehmerschar sogar auf fast 50 Sportler im Alter zwischen 6 und 16 Jahren erhöht. «Vor allem bei den Jüngsten haben wir einen Zuwachs, weil sie nicht auswärts übernachten müssen», erklärt Daniel Schmid.

Ausschnitte aus der abwechslungsreichen Trainingswoche: Die polysportiven Trainings scheinen viel Spass zu machen.

Wolfgang Rytz

Hier lernen Ringer: Auch ein Strecksprung braucht Körperspannung

Weil zum Nationalturnen nebst den athletischen Vornotendisziplinen auch der ringerische und schwingerische Zweikampf gehört, macht das Zusammengehen der Sportarten Sinn. Dabei lernen beispielsweise akrobatisch veranlagte Ringertalente, dass auch bei einem Strecksprung Körperspannung nötig ist. Der ehemalige Olympiateilnehmer Daniel Schmid weiss aus eigener Erfahrung:

«Das Nationalturnen ist eine polysportive Basisförderung, die für jeden Sport gut, ja sogar wichtig ist.»
Leiter Guido Müller steht dem jungen Bodenturner Hilfe für eine perfekte Standwaage.

Leiter Guido Müller steht dem jungen Bodenturner Hilfe für eine perfekte Standwaage.

Wolfgang Rytz

Bevor er den Bobsport entdeckte, war er erfolgreicher Nationalturner und Schwinger. Der Freiämter Ringer und Nachwuchsförderer bei der RS Freiamt, Michael Bucher, pflichtet Schmid bei: «Nationalturndisziplinen wie Steinheben, Steinstossen oder Bodenturnen tun allen gut.»

Das Leiterteam ist auch dem Schwingklub Freiamt dankbar, denn dieser stellt für die Trainingswoche seine nahe Schwingerhalle zur Verfügung. Ausserdem wagen sich auch einzelne Jungschwinger an die polysportive Woche heran. Schliesslich windet Schmid auch der Gemeinde Aristau ein Kränzchen für die unkomplizierte Bewilligung.

Vom Hochweitsprung bis zum Doppelbeinangriff

So anforderungsreich sich die acht Disziplinen des Nationalturnens präsentieren, so anspruchsvoll ist die Trainingswoche. Dazu sahen sich die Leiter gezwungen, das Programm dem neuerlichen Wintereinbruch anzupassen. Am Sonntag trainierten alle Teilnehmer im Freien mit den Steinen sowie im Weitsprung und Sprint, weil dies in der Turnhalle eingeschränkt möglich ist.

Gelungener Hochweitsprungversuch: Knapp geht es über die Latte.

Gelungener Hochweitsprungversuch: Knapp geht es über die Latte.

Wolfgang Rytz

Während des kalten Wochenbeginns standen Bodenturnen, Hochweitsprung, Ringen und Schwingen im Fokus. So vermittelte Ringerspezialist Bucher der Jugend den Doppelbeinangriff auf der Matte, die Nationalturnspezialisten Guido Müller und Christian Brogle übten mit einer anderen Gruppe auf der hinteren Matte konzentriert einen Freiübungstest.

In der Turnhalle beschäftigte Daniel Schmid eine dritte Gruppe mit einer Hochweitsprung-Trainingsform. Der jüngste Leiter im Team, der 19-jährige Lukas Hermann, der der Nationalturngruppe Freiamt entspringt, weckte den Kampfgeist der Jüngsten mit spielerischen Formen in der Schwinghalle: Wer kann dem anderen auf den Fuss treten oder aus der Liegestütz auf den Boden zerren?

Ringertraining auf der Matte: Hier funktioniert der Doppelbeinangriff bereits vielversprechend.

Ringertraining auf der Matte: Hier funktioniert der Doppelbeinangriff bereits vielversprechend.

Wolfgang Rytz

Am Freitag kommt es aus: Behaupten sich die Aargauer gegen die Luzerner

Zur Mittagsstunde wich der Bewegungsdrang der Sportjugend dem Hunger. Das Küchenteam schöpfte am Montag das vom Merenschwander Restaurant Huwyler gelieferte Riz Casimir und Salate. Der Appetit reichte bei den meisten für zwei Teller. Das erstaunt bei einem täglichen Lektionenplan von 9 bis 17 Uhr wenig.

Mittagsverpflegung in der Aula vor der Turnhalle: An Appetit mangelt es nach drei Stunden Sport nicht.

Mittagsverpflegung in der Aula vor der Turnhalle: An Appetit mangelt es nach drei Stunden Sport nicht.

Wolfgang Rytz

Ausserdem treiben sich die motivierten Sportler gegenseitig zu Höchstleistungen an. Wer zeigt den schöneren Kopfstand? Wer führt den Doppelbeinangriff fehlerfrei aus? Wer überquert die Hochweitsprunglatte auf 1,10 Metern ohne Übertritt? Wer kann den anderen mit einem Kurz platt auf den Rücken legen?

Der Freitag wird Klarheit schaffen: Am Vormittag steht ein Vornotenwettkampf auf dem Programm, am Nachmittag ein Ringerturnier. Dabei kommt es zu einem Kantonsduell: Können sich die Freiämter, ergänzt mit Fricktalern und Schenkenbergtalern, gegen die Luzerner Gäste aus Eschenbach und Roggliswil behaupten?