Gemeindeverwaltung Waltenschwil
Sie ist seit 35 Jahren mit dabei: «Ich bin eigentlich kein Karrieretyp»

Susanne Häni feierte als Leiterin der Steuern auf der Gemeindeverwaltung von Waltenschwil ihr 35-Jahr-Jubiläum und steuert jetzt die Pensionierung an.

Christian Breitschmid
Drucken
Teilen
Susanne Häni hat in 35 Jahren viele Entwicklungen auf der Steuerverwaltung miterlebt. Die Rechenmaschine (vorne) ist ihr treu geblieben.

Susanne Häni hat in 35 Jahren viele Entwicklungen auf der Steuerverwaltung miterlebt. Die Rechenmaschine (vorne) ist ihr treu geblieben.

Christian Breitschmid

Eigentlich mag es Susanne Häni nicht, wenn man ein grosses Bohei um ihre Person macht. Still und zurückhaltend erledigt sie seit 35 Jahren ihre Arbeit auf der Gemeindeverwaltung von Waltenschwil. Angefangen hat sie da im Februar 1983 als Teilzeiterin.

Ihre kaufmännische Ausbildung hatte die junge Frau in der Versicherungsbranche gemacht. «Das wurde mir aber zu langweilig», erinnert sich Häni, «ich wollte mich beruflich neu ausrichten und suchte genau so eine Teilzeitstelle, die es mir ermöglichte, daneben meine Weiterbildung voranzutreiben.»

Doch es kam anders: «Die Arbeit hier auf der Gemeinde war so lebendig und vielschichtig, dass es mir total den Ärmel reingenommen hat. Am Anfang machte ich querbeet einfach alles, was es auf der Gemeindeverwaltung zu tun gab, vom Schalterdienst übers Zivilstandsamt, das Gemeindearbeitsamt und das Steueramt bis zum Protokollschreiben.»

Schon zwei Jahre nach ihrer Anstellung bei der Gemeinde überliess ihr Altgemeindeschreiber Werner Müller die Gesamtverantwortung für das Steueramt. Ein Vertrauensbeweis, der sich für die Gemeinde im Laufe der vergangenen 35 Jahre mehr als bezahlt gemacht hat.

Mit der zunehmenden Spezialisierung in sämtlichen Verwaltungsbereichen wurde auch der Beruf des Steuerbeamten zur eigenen Fachausbildung. Im allerersten Kurs zum «Fachausweis Steueramtsvorsteher» sass auch Susanne Häni.

Ihr Diplom hängt heute als stolze Erinnerung über ihrem Arbeitsplatz. «Ab 1996 war ich dann für einige Jahre Prüfungsleiterin dieser Ausbildung. Heute bietet die Fachhochschule Nordwestschweiz das CAS ‹Öffentliches Gemeinwesen Fachkompetenzen Steuerfachleute› an. Da bin ich bis zu meiner Pensionierung im November noch Mitglied des Fachbeirats.»

Aus Lehrling wurde Chef

Die Aus- und Weiterbildung junger Berufskollegen lag der versierten Steuerfachfrau von jeher sehr am Herzen. Sie, die mit einer Rechenmaschine und einer schweren, alten mechanischen Schreibmaschine – «wir nannten das damals nur Chlöpfschyt» – auf dem Steueramt der Gemeinde angefangen hat, hat sich selber permanent weitergebildet, um immer auf dem neusten Stand der Entwicklung zu sein.

«Es ist kein leichtes Fach», erklärt Häni, «weil es so viele Spezialfälle gibt und auch immer wieder neue Regelungen. Das macht es besonders für die Lernenden schwer, weil sie sich scheinbar an nichts halten können. Jede Steuererklärung ist wieder anders.»

Dennoch weiss sie von mindestens zwei ehemaligen Lehrlingen, die heute selber Steuerverwalter sind. «Mein jetziger Chef war auch mal Lehrling hier», erzählt Häni mit verschmitztem Lächeln. Aber Frank Koch konnte sie nicht für ihr Fach gewinnen. Er wurde lieber Gemeindeschreiber.

Wer Susanne Häni von ihrem Beruf und von der Gemeindeverwaltung Waltenschwil schwärmen hört, kann sich nur schwer vorstellen, dass die 58-Jährige tatsächlich frühzeitig in Pension gehen will.

«Es ist nicht so, dass es mir nicht mehr gefällt», bestätigt Häni, «aber nach meinem Skiunfall, im Spital und während der Reha, da hatte ich viel Zeit, um nachzudenken. Da wurde mir bewusst, dass es noch anderes gibt im Leben als nur die Arbeit.»

Die unternehmungslustige Frau, die ebenso gerne Fahrrad und Ski fährt, wie sie wandert, liest und sich um ihre Freunde und Familie kümmert, stürzte vor zwei Jahren auf der Skipiste so unglücklich, dass es ein ganzes Jahr dauerte, bis sie wieder voll arbeitsfähig war. «Ich bin immer noch in Physiotherapie, aber ansonsten geht es mir gut. Nur auf die Ski traue ich mich noch nicht.»

Hänis Genesungszeit wurde ein weiterer Beweis dafür, dass es sich für die gebürtige Murianerin gelohnt hat, die Stelle in Waltenschwil anzutreten und im Dorf auch heimisch zu werden. «Helen Baltisberger, meine Stellvertreterin, hat den Laden während dieser Zeit souverän und unter sehr viel Mehraufwand geschmissen. Dafür bin ich ihr sehr, sehr dankbar», sagt Häni.

Auch alle anderen Kollegen auf der Gemeindeverwaltung nahmen regen Anteil an ihrer Genesung und können es immer noch nicht ganz fassen, dass sie nur noch bis November bei ihnen ist. «Wer bringt denn jetzt künftig die Schoggimüsli für den Christbaum?», habe sie der Finanzverwalter gefragt, und der Gemeindeammann sei überrascht gewesen, als sie ihn um die frühzeitige Pensionierung gebeten habe: «Jetzt bist du ja noch früher pensioniert als ich!»

Steuern fest in Frauenhand

Man wird Susanne, genannt Susi, Häni nicht nur vermissen, weil sie genau weiss, dass man den Männern im Verwaltungsteam nicht mit einem Znüni ohne Fleisch und Schoggi kommen muss. «Wir verlieren mit ihr auch sehr viel fachliches Wissen», bedauert Steuerkommissär Roger Stark.

Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger hat schon begonnen. «Als ich angefangen habe, war ich noch eine von ganz wenigen Frauen in diesem Amt», erinnert sich Häni. «Heute sind es viel mehr Frauen als Männer, die sich für solche Stellen bewerben. Dabei wünschen sich meine jüngeren Kolleginnen hier so sehr einen flotten, jungen Arbeitskollegen.»

Häni geht mit guten Gefühlen und vielen schönen Erinnerungen: «Ich bin eigentlich kein Karrieretyp. Darum wollte ich nie auf einer grossen Gemeinde oder als Treuhänderin arbeiten. Aber hier, in diesem Team und mit all den Menschen von Waltenschwil und Kallern, da war es mir immer wohl.»

Viele werden sie vermissen. Vor allem die, welche beim Einkommen im EasyTax eine Null zu viel eingetippt haben und dank Häni vor einem Steuerschock bewahrt bleiben.

Aktuelle Nachrichten