Sarmenstorf
Seit 100 Jahren pflegt sich der Verein um das Dorf

Bänkli, Brücken, Blumenbeete – der Verkehrs- und Verschönerungsverein Sarmenstorf blickt auf die hundertjährige Geschichte zurück. Am 29. September wird das Jubiläum gefeiert.

Verena Schmidtke
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Die Bänke vor der Wendelinskapelle werden ebenfalls durch den Verein betreut.
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Der hübsche Spycher ist seit 1980 an seinem neuen Platz an der Marktstrasse.
100 Jahre Verkehrs- und Verschönerungsverein Sarmenstorf
Die kleine Brücke über den Mooskanal wurde 1986 erbaut und inzwischen bereits erneuert.
Der Verkehrs- und Verschönerungsverein blickt auf 100 Jahre Geschichte zurück „Der VVS ist ein stiller Teilhaber im Dorfgeschehen. Mit seinem nun hundertjährigen Aktivitäten hat er aber das Dorfbild und manche Ecke im Gemeindebann nachhaltig mitgeprägt, ohne dass dieses der breiten Öffentlichkeit bekannt ist.“ (Josef Baur, Präsident Verkehrs- und Verschönerungsverein Sarmenstorf)
Die roten Bänke sind die Vorzeigemarke des VVS
Die roten Bänke sind die Vorzeigemarke des VVS
Die roten Bänke sind die Vorzeigemarke des VVS

Die Bänke vor der Wendelinskapelle werden ebenfalls durch den Verein betreut.

Verena Schmidtke

Alles begann mit der Bahn. Seit 1916 war die WM-Bahn zwischen Wohlen und Meisterschwanden in Betrieb, Sarmenstorf gehörte zu den Orten, die sie passierte. Zwei Jahre später erfolgte die Gründung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Sarmenstorf (VVS) im «Wilden Mann». Die Bahn existiert schon seit 20 Jahren nicht mehr, doch die roten Bänke, die Vorzeigemarke des VVS, sind immer noch da.

Verbunden mit der WM-Bahn

Entlang dem Bahntrassee entstanden in verschiedenen Dörfchen Verkehrsvereine. Zunächst hatten sie viele Aufgaben, die mit der Bahn zu tun hatten. «Dazu gehörten damals die Hinweistafeln zum Bahnhof und die Mitwirkung am Fahrplan», erklärt der heutige Präsident Josef Baur. Die Verbundenheit zur Bahn blieb. Als es 1979 zum ersten Mal darum ging, den Bahnbetrieb einzustellen, engagierte sich der Verein, damit es nicht so weit kam.

Doch schon immer war die Bahn nicht der einzige Punkt auf der Aufgabenliste des Vereins. Wer aufmerksam durch das Dorf geht, sieht hier und da rote Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen einladen. Diese hat der VVS erstellt und betreut sie bis heute. Besonders ansprechend ist der kleine Park gegenüber dem ehemaligen Gasthof Ochsen, den der VVS bis heute betreut. Ein kleiner Brunnen sowie hübsche Blumenbeete sind ein idyllischer Ruhepol im Ort. In der Adventszeit sorgt eine geschmückte Tanne für weihnachtliche Stimmung.

Verankert im Ort

100 Jahre Vereinsgeschichte, da lässt sich viel berichten. «Bemerkenswert ist auf jeden Fall, wie in den 20er- bis 40er-Jahren die noch nicht asphaltierten Strassen gesäubert wurden», so Baur. Wie die VV Villmergen, Fahrwangen und Meisterschwanden nutzte auch Sarmenstorf Sulfitlauge, um die Strassen staubfrei zu bekommen. Die Lauge sei ein Abfallprodukt der Papierfabrik Perlen gewesen. «So etwas ist heute undenkbar.»

Vieles, was die äussere Erscheinung des Dorfes ausmacht, geht auf den VVS zurück. So habe er an Strassen-Benennungen mitgewirkt und sich für eine Telefonkabine starkgemacht. Das weiss auch die Gemeinde zu schätzen: «Sie unterstützt uns auch finanziell.» Zu Beginn habe der Betrag bei 50 Franken gelegen und sei dann auf 100 Franken gestiegen. Der VVS habe 1961 ein Gesuch beim Gemeinderat eingereicht, den Beitrag auf 400 Franken zu erhöhen. «Das wurde auch bewilligt. Es gab nur eine Bedingung damals», führt Josef Baur aus, «ein Mitglied des Gemeinderats sollte in den Vorstand aufgenommen werden.» Der Jahresbeitrag der Gemeinde sei geblieben, die Bedingung seien es aber nicht.

Bundesfeier und Flurnamen

Auf diese Weise konnte der VVS das Ortsbild aktiv mitgestalten. Ende der 70er, Anfang 80er habe der Verein geholfen, den historischen Spycher von seinem alten Standort an den neuen an der Marktstrasse zu versetzen. Doch der Verein wirkt nicht nur am äusseren Erscheinungsbild des Dorfes mit, sondern belebt auch das Innere. So hauchte der VVS der Bundesfeier 1973 neues Leben ein. «In den Jahren vorher gab es keine Feier, wir haben dann auf dem ‹Tägerli› Bänke aus Harassen aufgestellt, ein Buffet improvisiert und ein Höhenfeuer entzündet.» Die Feier kam gut an, weitere folgten. Bis 1986 habe die Ausrichtung der Bundesfeier in den Händen des VVS gelegen, seit 1987 wechseln sich die Sarmenstorfer Vereine damit ab.

Ein wichtiges Projekt, auf das der VVS stolz ist, ist die Herausgabe des 2015 erschienenen Flurnamenbuches. Der in Sarmenstorf geborene und heute in Boswil wohnende Historiker Benedikt Stalder erklärt darin die verschiedenen Flurnamen, ihre Herkunft und Bedeutung. «Dazu beinhaltet das Buch Beiträge zur Dorfgeschichte und alte Fotos.» Über den grossen Erfolg des Buches freue sich der Verein sehr.

Abschliessend stellt Josef Baur fest: «Der VVS ist ein stiller Teilhaber im Dorfgeschehen. Mit seinen nun hundertjährigen Aktivitäten hat er aber das Dorfbild und manche Ecke im Gemeindebann nachhaltig mitgeprägt, ohne dass dies der breiten Öffentlichkeit bekannt ist.»

Das darf gefeiert werden. Und so kommen, wie Baur hofft, auch wieder mehr Junge Leute zum Verein. «Bei der Gründung waren es etwa 20 Personen, heute sind wir 136. Aber von ihnen sind die meisten rüstige Jung-Rentner», erklärt der Präsident schmunzelnd. «Der Kern sind etwa 20 Aktive, die helfen, wenn es etwas zu tun gibt.»

29. September: Jubiläumsfeier auf dem Lindenplatz

100 Jahre Verkehrs- und Verschönerungsverein Sarmenstorf – das muss gefeiert werden. Seit 1918 gestaltet und prägt der Verein das Dorfbild. Die Fussgängerbrücke über den Mooskanal beim Birkenhof baute der VVS im Mai 1986. An drei Ortseingängen installierte er Begrüssungstafeln, die auch über aktuelle Veranstaltungen informieren. An einem Arbeitstag im April widmet sich der VVS den rund 40 Ruhebänken überall auf dem Gemeindegebiet, die gepflegt und instand gehalten werden. Fürs gute Vereinsleben sorgen ausserdem verschiedene Ausflüge.

Am 29. September plant der Verkehrs- und Verschönerungsverein Sarmenstorf eine kleine Feier am Lindenplatz. «Der Apéro soll auch ein Dank an die Bevölkerung sein», erklärt Josef Baur. Er hoffe, dass sich viele Gäste einfinden, um dieses besondere Jubiläum mit dem Verein zu begehen. Im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums soll im Oktober an der Bushaltestelle bei der Bäckerei Ruckli ein Baum gepflanzt werden. (vs)

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