Rudolfstetten-Friedlisberg
Die Gemeinderatskandidaten im Fokus der Bürger: Hitzig wurde es zum Schluss: «Warum kandidieren Sie als Parteilose?»

In Rudolfstetten-Friedlisberg buhlen drei bisherige und vier neue Kandidaten um einen der zwei vakant werdenden Sitze im Gemeinderat. Diese Affiche bildet eine spannende Ausgangslage. Grund genug für die Ortsparteien, um zum Podium zu laden. Geboten wurden engagierte Diskussionen und einige Überraschungen.

Nathalie Wolgensinger
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Die Kandidaten auf dem Prüfstand: Patrik Luther, Michèle Kaufmann, Daniel Leutwyler, Gemeinderat Reto Bissig, Gemeindeammann Josef Brem und Gemeinderat Sascha Käppeli. Stefano Marzo war via Bildschirm dabei.

Die Kandidaten auf dem Prüfstand: Patrik Luther, Michèle Kaufmann, Daniel Leutwyler, Gemeinderat Reto Bissig, Gemeindeammann Josef Brem und Gemeinderat Sascha Käppeli. Stefano Marzo war via Bildschirm dabei.

Nathalie Wolgensinger

Zum Schluss wurde es richtig hitzig. Ein Mann aus dem Publikum fühlte in der Rudolfstetter Mehrzweckhalle der parteilosen Kandidatin Michèle Kaufmann auf den Zahn und wollte wissen: «Warum kandidieren Sie als Parteilose? Da kann ich ja gar nicht einschätzen, wofür Sie stehen!»

Die Juristin Michèle Kaufmann liess sich darob nicht einschüchtern, sie werde bestimmt nicht ihre politischen Einstellungen im Detail darlegen, die seien in der Kommunalpolitik auch nicht von Belang, antwortete sie. Der Stimmbürger liess nicht locker und wollte wissen, was sie von der Zusammenarbeit der Schweiz mit der EU halte.

Nun lupfte es der 44-Jährigen den Hut: «Ich lasse mich von solchen Fragen nicht in die Ecke drängen! Wählen Sie mich doch einfach nicht!»

Moderatorin Carmen Frei schritt ein und bereitete den Fragen auf charmante Art ein rasches Ende. Mit diesem Paukenschlag ging der Diskussionsabend zu Ende, der ansonsten recht lau war, aber doch einige kleine Überraschungen bereithielt.

«Wir sind die mit den guten Ideen!»

Eine dieser Überraschungen war, dass der jüngste Kandidat, der 34-jährige Stefano Marzo, wenige Stunden vor dem Podium erfuhr, dass er in Coronaquarantäne muss. Er konnte sich via Bildschirm beteiligen.

Dass man mit Gemeindeammann Josef Brem, der seit 16 Jahren im Rat ist, in Rudolfstetten über einen sicheren Wert verfügt, wurde rasch deutlich. Nebst seinem grossen Wissen ist er der ruhige Gegenpol zu seinen beiden Gemeinderatskollegen, die nochmals antreten. Der bisherige Gemeinderat Reto Bissig weiss genau, wo die Stärken der Gemeinde sind: «Wir dürfen uns nicht verstecken! Wir sind die mit den guten Ideen!» Sein Gemeinderatskollege Sascha Käppeli schwärmte von der Arbeit im Ressort Hochbau, das er sehr gerne weitere vier Jahre betreuen möchte.

Zur Wahl stellt sich Schulpfleger Stefano Marzo, der die Digitalisierung voranbringen und seine jungen Ansichten einbringen will. Michèle Kaufmann versicherte, dass sie sach- und lösungsorientiert arbeiten werde. Daniel Leutwyler geht für die FDP ins Rennen, er könne sich dank seiner Vielseitigkeit schnell in verschiedenste Themen einarbeiten, versprach er. Patrik Luther kennt man in Rudolfstetten als engagierten Macher. Nun steigt er für die GLP ins Rennen und will damit aktiv zur Gestaltung der Zukunft beitragen.

Die Frage, ob es ein Hallenbad in der Sportanlage Burkertsmatt braucht, spaltete das Podium. Josef Brem fürchtet die Mehrkosten, Daniel Leutwyler hingegen unterstützt das Projekt, damit die Kinder in der Nähe in den Schwimmunterricht können. Reto Bissig warnte, dass dies eine Erhöhung des Steuerfusses mit sich bringen könnte und Michèle Kaufmann fand, dass eine solche Investition erst eine seriöse Abwägung brauche.

Es steckt viel Arbeit dahinter

Spannend wurde es bei der Frage an die Amtsinhaber, was sie an ihrem Amt unterschätzten. Es wurde deutlich, dass alle drei Bisherigen viel Freizeit dafür investieren, «es gibt Sitzungen, die rasch einmal einen ganzen Vormittag dauern», verdeutlichte Sascha Käppeli.

«Wo sehen Sie das Dorf im Jahr 2035?», wollte Carmen Frei von den Teilnehmern schliesslich wissen. Daniel Leutwyler wünscht sich ein Dorf, in dem man sich gerne trifft, Michèle Kaufmann möchte, dass die Menschen nach Rudolfstetten ziehen und bleiben und Reto Bissig landete den Lacher des Abends: «Rudolfstetten müsste dann mindestens den selben Steuerfuss haben wie Oberwil-Lieli.» Dieser ist mit 57% noch deutlich tiefer als in Rudolfstetten (95%).

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