Muri
Ohne Umsteigen nach Zug: Doch es hat praktisch keine Passagiere im Oberfreiämter Direktzug

Seit dem letzten Sommer verkehrt jeweils morgens ab 6.42 Uhr ein Direktzug von Muri nach Zug. Doch nur wenige Passagiere wählen diese Verbindung. Woran liegt das?

Nathalie Wolgensinger
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Die S-Bahn-Verbindung ab Muri nach Zug weist schlechte Frequenzen auf.

Die S-Bahn-Verbindung ab Muri nach Zug weist schlechte Frequenzen auf.

Pascal Bruhin
(13.11.2020)

Eine direkte Zugverbindung vom Oberfreiamt nach Zug: Dafür setzte sich die Kommission ÖV Freiamt seit vielen Jahren ein. Im vergangenen Sommer wurde der Wunsch erhört und die frühmorgendliche Verbindung ab 6.42 Uhr von Muri via Rotkreuz nach Zug in Betrieb genommen. Dies ermöglicht es Pendelnden aus dem Freiamt, ohne umzusteigen, nach Zug zu reisen. Der Zug hält zudem in Benzenschwil, Mühlau, Sins, Oberrüti, Rotkreuz und Cham.

Diese Massnahme sollte eigentlich das Pendlerleben einiger Freiämterinnen und Freiämter erleichtern. Das scheint nicht der Fall zu sein, wie eine Auswertung nun ergab. Diese zeigt auf, dass die direkte Verbindung von Muri nach Zug am frühen Morgen mehr schlecht als recht ausgelastet ist. «Seine Existenz könnte in den kommenden Jahren sogar gefährdet sein», schreibt der Sinser Gemeinderat in seinen Nachrichten.

Die Pandemie hat auch Einfluss auf den öffentlichen Verkehr

Reto Widmer, Präsident der Kommission öffentlicher Verkehr der beiden Regionalplanungsverbände im Freiamt, kommentiert dies im «Regionaljournal Aargau-Solothurn» wie folgt:

«Die Anzahl der Reisenden ist doch recht bescheiden, sollte sich das nicht ändern, wird man die Bahnverbindung auf die nächsten Jahre wohl nicht halten können.»

Als einen der Gründe für das Ausbleiben der Passagiere nennt Widmer mangelnde Werbung für das Zugangebot von Muri nach Zug. Aber auch die Homeoffice-Pflicht habe sicherlich dazu beigetragen, dass die Passagiere ausblieben, so Widmer im «Regionaljournal».

Man müsse sich in diesem Zusammenhang auch bewusst sein, dass die Pandemie allgemein einen grossen Einfluss auf den öffentlichen Verkehr habe, so Widmer weiter. Nach wie vor arbeiten viele Arbeitnehmende in ihren privaten Büros und benutzen keine öffentlichen Verkehrsmittel.

Erst mal abwarten: Der Kanton beruhigt

Fest steht aber, dass die Frequenzen verbessert werden müssen, darin ist man sich einig. Hans Rhis, Leiter öffentlicher Verkehr des Kantons Aargau, bestätigt denn auch Widmers Einschätzungen im Beitrag des «Regionaljournals»: «Im Moment werden die Züge nicht nach den Frequenzen beurteilt, wir stehen immer noch unter dem Einfluss der Pandemie, die Leute sind noch nicht zurückgekehrt in den öffentlichen Verkehr.»

Aus diesem Grund sehe er derzeit keinen Anlass, die Zugverbindung nun einzustellen, so Rhis weiter. Es gelte abzuwarten, wie sich die Zahlen nach Abflauen der Pandemie entwickeln.

Die Regionalplanungsverbände und die SBB verlassen sich nicht alleine auf eine Erholung der Zahlen. Sie wollen aktiv werden. Man werde in den kommenden Monaten aktiv Werbung für diese neue Verbindung machen, versicherten sie.