Muri
Von der Sauber-Teamchefin zum Rapid-Wien-Vorstand: Monisha Kaltenborn plauderte in Muri aus dem Nähkästchen

Nach zwei Jahren Pause lud der FC Wohlen seine Donatoren zum Apéro ein. Monisha Kaltenborn, ehemalige Sauber-F1-Teamchefin erzählte den Gästen, wie sie zum Rennsport kam und wie es ist, als Vorstandsmitglied des Fussballklubs Rapid Wien mit 30'000 Fussballexperten konfrontiert zu sein.

Nathalie Wolgensinger
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Von der Formel 1 zum Fussball: Monisha Kaltenborn berichtete den Donatoren des FC Wohlen von ihrer Karriere.

Von der Formel 1 zum Fussball: Monisha Kaltenborn berichtete den Donatoren des FC Wohlen von ihrer Karriere.

Nathalie Wolgensinger

Die Frage wurde Monisha Kaltenborn schon oft gestellt und so auch am Donnerstagabend von den Donatoren des FC Wohlen: Wie wird man als Frau Teamchefin beim Rennstall Sauber? Die 51-jährige Österreicherin ist zwar nicht wie die Jungfrau zum Kinde zu diesem Posten gekommen, aber doch auf einem aussergewöhnlichen Weg.

Nach ihrem Jurastudium arbeitete Monisha Kaltenborn bei einem Finanzunternehmen in Liechtenstein, das unter anderem am Formel-1-Rennstall Sauber beteiligt war. Sie erzählt: «Ich war als Juristin für das Engagement bei Sauber verantwortlich.»

2001 wurde sie in die Geschäftsführung aufgenommen

Und so kam es, dass die Frau mit Wurzeln in Indien, immer tiefer in den Motorsport hineinrutschte und im Jahr 2001 in die Geschäftsführung des Rennstalls aufgenommen wurde. In den nächsten 16 Jahren führte sie ihr beruflicher Weg vom Chief Executive Officer bis zur Teamchefin im Jahr 2012.

Es seien spannende Jahre gewesen, blickt sie heute auf ihre Zeit bei der Formel 1 zurück und kommentiert:

«Es war nicht immer nur toll, als Teamchefin muss man bei Niederlagen hinstehen und sagen, wie die Dinge sind.»

Wichtig, so betonte sie, sei die Arbeit im Team. Denn die Formel 1 sei ein riesen Räderwerk, bei dem viele Beteiligte gemeinsam für den Erfolg arbeiten. Dass es Kaltenborn gelang, sich als Frau in dem fast ausschliesslich von Männern dominierten Sport zu etablieren, spricht für sie.

Ein Donator wollte denn auch wissen, wie ihr Verhältnis zum ehemaligen Geschäftsführer der Formula 1 Group und notorischen Frauenheld Bernie Ecclestone war. Sie habe den Engländer stets als höflichen Menschen wahrgenommen, der wichtige Positionen in seinem Unternehmen mit Frauen besetzte, erzählte sie. Seine sexistischen Witze habe sie jeweils mit dem Hinweis: «Das darf auch nur einer sagen, der so alt ist wie Du», quittiert.

Von der Formel 1 zu den Rennsimulatoren

2017 schied Monisha Kaltenborn als Teamchefin aus dem Rennstall aus. Doch untätig blieb die im Kanton Zürich wohnhafte Frau nicht. Die zweifache Mutter blieb dem Rennsport treu und ist heute Geschäftsführerin von Racing Unleashed, einem Chamer Unternehmen, das auf Rennsimulation setzt.

Die Hightechsimulatoren stehen an sechs Standorten in Europa und verfügen über Pedalerie, Lenkrad und Sitz aus der Formel 1. Messen kann man sich dabei in einer Meisterschaft, der Formula-V, die analog zur Meisterschaft der Formel 1 ausgetragen wird. Kaltenborn rechnet sich viel Potenzial mit dieser virtuellen Rennwelt aus, nicht zuletzt auch aus Sicht der Nachhaltigkeit.

Interviewt wurde Monisha Kaltenborn von Verwaltungsratspräsident André Richner (links) und Marco Duschén, dem Präsidenten der Donatorenvereinigung.

Interviewt wurde Monisha Kaltenborn von Verwaltungsratspräsident André Richner (links) und Marco Duschén, dem Präsidenten der Donatorenvereinigung.

Nathalie Wolgensinger

Seit 2019 ist sie zudem Mitglied des Präsidiums des Fussballklubs SK Rapid Wien. Formel 1 und Fussball, wie geht das zusammen? Kaltenborn kommentiert ihr Engagement beim Rekord-Fussballmeister in Österreich wie folgt: «Gleich wie bei der Formel 1 muss auch beim Fussball jedes Glied in der Kette stimmen und alle müssen sich auf demselben Niveau bewegen.» Im Fussball gelte, wie bei der Formel 1 auch:

«Wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, dann ist es matchentscheidend, dass man richtig und schnell reagiert.»

Einen gewichtigen Unterschied zum Rennsport hat die Juristin aber ausgemacht. Sie erklärte es wie folgt: «So einfach das klingen mag, der Rennsport war einfacher für mich. Beim Fussball haben sie mindestens 30'000 andere, die eben so gut wissen, wie man die Mannschaft trainieren sollte.»

Mike von Wyl, der neue Präsident

Der neue Präsident des FC Wohlen: Mike von Wyl.

Der neue Präsident des FC Wohlen: Mike von Wyl.

Nathalie Wolgensinger

Nicht ohne Stolz konnte VR-Präsident André Richner den neuen Präsidenten des Fussballklubs, Mike von Wyl, präsentieren. Corona hatte es während der vergangenen zweier Jahre verunmöglicht, dass man sich sehen konnte und so war dies die erste Gelegenheit, den neuen Präsidenten, der im November vergangenen Jahres gewählt wurde, vorzustellen. Der ehemalige Fussballer und Leiter der Sportkommission ist vielen Donatoren ein vertrautes Gesicht und erhielt einen entsprechend begeisterten Applaus.

Von Wyl bedankte sich in seiner Rede für das Engagement der Donatoren und sagte: «Sie sind ein wichtiges Rückgrat für unseren Verein.»

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