Muri
Für den Vorstand der Pflegi war klar: «Es musste wieder eine Frau sein»

Nach über 20 Jahren verabschiedete sich Heidi Schmid aus dem Vorstand des Trägervereins der Pflegi Muri. Ihre Nachfolgerin Sybille Wild hat zwar einen ganz anderen Hintergrund, dennoch verbindet die beiden Frauen einiges.

Pascal Bruhin
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Verstehen sich auf Anhieb: Sybille Wild (links) und Heidi Schmid.

Verstehen sich auf Anhieb: Sybille Wild (links) und Heidi Schmid.

Bild: Pascal Bruhin

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch verbindet sie eines: Der Einsatz für die Murianerinnen und Murianer. Heidi Schmid war 22 Jahre lang im Vorstand des Trägervereins der Pflegi Muri. Im Mai dieses Jahres trat Sybille Wild ihre Nachfolge an. Zum ersten Mal überhaupt trafen Vorgängerin und Nachfolgerin zum Interview mit der AZ im Pflegi-eigenen Restaurant Benedikt aufeinander.

«Ich kenne die Pflege von beiden Seiten», blickt Heidi Schmid auf ihre langjährige Wirkenszeit zurück. Die gelernte Krankenschwester kam eher zufällig zu ihrem Engagement für die Pflegi Muri. Als Behördenmitglied – von 1990 bis 2005 sass sie für die SP im Murianer Gemeinderat und fünf Jahre im Grossrat in Aarau – hatte sie Einsitz im Heimvorstand, später wurde sie für die Heimkommission angefragt.

Nachtwache war damals einziges Teilzeitmodell in der Pflege

Die Pflegi Muri kennt sie aber schon viel länger: «In den 80er-Jahren war ich jeweils in der Nacht als Verantwortliche der Pflege tätig», erinnert sie sich. Das sei damals die einzige Möglichkeit gewesen, als junge Mutter Teilzeit auf dem Beruf zu arbeiten, erklärt sie. Später zog es sie in das Spital Muri, danach war sie bis zur Pensionierung als Expertin für Intensivpflege im Spital Schwyz tätig.

Nebenher engagierte sie sich an etlichen Vorstandssitzungen für die Pflegi Muri. Freudig erinnert sie sich aber auch an ihre Einsätze an der Front, etwa den jährlich im November stattfindenden Basar in der Pflegi Muri, oder die Mitarbeiterabende, wo sie jeweils im Service im Einsatz war.

Vorgängerin Heidi Schmid (links) und Nachfolgerin Sybille Wild treffen im Park der Pflegi Muri aufeinander.

Vorgängerin Heidi Schmid (links) und Nachfolgerin Sybille Wild treffen im Park der Pflegi Muri aufeinander.

Bild: Pascal Bruhin

Die Antwort auf die Frage, ob sie es wieder tun würde, liegt entsprechend auf der Hand: «Natürlich.» Und obwohl grosse Themen auf der Traktandenliste standen, wie etwa die Gesamtsanierung der Pflegi oder der Neubau Löwen, resümiert Schmid:

«Meinungen und Vorschläge wurden diskutiert. Es ging aber immer darum, einen Konsens zu finden. Und das ist eigentlich stets gelungen.»

Die Baukommission, in der auch Erhard Trommsdorf, der sich nach gar 50 Jahren im Vorstand nun ebenfalls verabschiedete, jahrelang mitwirkte, habe dabei gute Arbeit geleistet.

Schmid sagt aber auch: «Meine Fachkompetenz wurde im Vorstand immer sehr geschätzt.» Denn als einziges Mitglied des Sechsergremiums hatte sie einen pflegerischen Hintergrund. Und nicht nur das. Sie war auch die einzige Frau im Vorstand. Für Schmid und den Vorstand war deshalb klar: «Es musste wieder eine Frau sein.»

Wild kam zurück ins Freiamt, um die Firma des Vaters zu übernehmen

Und diese wurde nun in Person von Sybille Wild gefunden. Die 49-Jährige ist in Muri geboren und hat zeitweise direkt neben der Pflegi gewohnt. Für ihr Sprachstudium zog sie aber nach Zürich. 2008 kehrte sie zurück nach Muri, um gemeinsam mit ihrem Bruder die Firma ihres Vaters, die Robert Wild AG, zu übernehmen. Sybille Wild sagt schmunzelnd:

«Ich weiss, dass ich eine Krankenschwester in mir habe.»

2020 hat sie deshalb eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin angefangen. Derzeit macht die aufgeweckte Endvierzigerin an zwei Tagen pro Woche ein Praktikum im Altersheim St.Martin, gleich gegenüber der Pflegi. Dass sie nun angefragt wurde, sich im Vorstand der Pflegi Muri zu engagieren, sei auch für sie persönlich eine Überraschung gewesen. «Wir hatten dich aber schon länger im Visier», bemerkt Heidi Schmid.

Ihr betriebswirtschaftliches Know-how, das sie sich in den letzten 13 Jahren an der Spitze der familieneigenen Aktiengesellschaft erarbeitet hat, will Sybille Wild in den Vorstand der Pflegi miteinbringen. Im Zentrum soll dabei immer der Bewohner, die Bewohnerin stehen. Sie weiss aus eigener Erfahrung: «Ohne Kunde geht gar nichts, egal, um welches Produkt es sich handelt.»

Ziel: Mehr Zusammenarbeit der Gesundheitsinstitutionen

Noch ist der Pflegi-Alltag Neuland für Wild. «Meine Rolle im Gremium ist noch nicht klar definiert», sagt sie. Sie hat bereits an ersten Sitzungen des Vorstands teilgenommen. Eines ihrer Ziele, für die sie sich im Vorstand einsetzen will, ist die verstärkte Zusammenarbeit der Gesundheitsinstitutionen auf dem Platz Muri. Wild sagt:

«Ich kann gut vernetzen und vermitteln. Darin sehe ich meine Stärke.»

Heidi Schmid ist froh, dass mit Sybille Wild eine kompetente Nachfolgerin gefunden werden konnte. Sie selbst will sich fortan ihrem Privatleben widmen. Stolz berichtet sie von den vier Enkelkindern, die sie auf Trab halten. Und auch die Via Gottardo steht auf der To-Do-Liste der begeisterten Wanderin. Zudem ist sie als Leiterin des Pro-Senectute-Altersturnens weiterhin alle zwei Wochen in der Pflegi im Einsatz. Ein Stückchen bleibt sie der Pflegi Muri also auch in Zukunft erhalten.

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