Wohlen
Mit der Schliessung des Bahnhöfli geht eine Ära zu Ende

Das Café Bahnhöfli, lange Zeit ein beliebter Treffpunkt in Wohlen, wird Ende Jahr geschlossen.

JÖRG BAUMANN
Drucken
Margrit Stutz vor dem Café Bahnhöfli in Wohlen, das Ende Jahr geschlossen wird. Jörg bAUMANN

Margrit Stutz vor dem Café Bahnhöfli in Wohlen, das Ende Jahr geschlossen wird. Jörg bAUMANN

Nach 54 Jahren schliesst das Café Bahnhöfli in Wohlen auf das Jahresende seine Türen. «Ich habe diesen Entscheid zusammen mit meiner Familie reiflich überlegt. Es ist schade, aber nun ist es einfach so», erklärt die 90-jährige Eigentümerin und ehemalige «Krebs»-Wirtin Margrit Stutz. In das Café wird die Wohler Filiale des Immobilienmaklers Remax einziehen.

Ein höchst beliebter Treffpunkt

Mit der Schliessung des Café Bahnhöfli geht Wohlen ein höchst beliebter Treffpunkt verloren. Die veränderten Konsumgewohnheiten, das Rauchverbot und die grösser gewordene Konkurrenz, gerade auch durch die Selbstbedienungsrestaurants und die Mensas an den Berufsschulen und der Kanti, zwangen Margrit Stutz und ihre Familie, zu entscheiden, ob sie das Café nach der Kündigung der derzeitigen Pächterin weiter vermieten wolle. Die Antwort lautete: Nein.

Gerne erinnert sich Margrit Stutz an die Glanzzeiten, besonders mit der Pächterin Maria Schitter, die das «Bahnhöfli» in ihrer unübertrefflichen Art während 32 Jahren führte. Die Österreicherin kam bei den Gästen gut an, auch bei den Jugendlichen, die dem Café ihre Treue geschworen hatten. Für die Jugendlichen gab es eine Attraktion: Sie konnten ihre liebsten Schallplatten auf der Musikbox abspielen und, ohne dass es die Eltern immer so genau wussten oder wenigstens nicht sahen, zum Coca-Cola ein wenig schwofen und dazu ungeniert ein Zigarettlein schmauchen. Das Café Bahnhöfli ersetzte den Jugendtreff, ohne dass es dafür ein Team von Pädagogen tätig sein musste. Alle fanden im «Bahnhöfli» eine Heimat. Alle hatten darin ihren Platz. Wohl fühlte sich darin auch die ältere Generation bei einer Schale hell und einer Crèmeschnitte. «Im ‹Bahnhöfli› wurde gelegentlich auch ein zünftiger Jass geklopft», erinnert sich Margrit Stutz.

Bevor Margrit Stutz und ihr Ehemann Paul in der ehemaligen Bäckerei Muntwiler das Café „Bahnhöfli“ einrichteten, spielte der damalige Kantonspolizist Güntert quasi Schicksal. «Güntert erzählte uns, dass die Lokalität zu haben sei. Aber man müsse sich innert dreier Tage entscheiden», berichtet Margrit Stutz. «Wir wagten den Schritt für etwas Neues.» Denn sie und ihr Ehemann Paul Stutz führten vorher, von 1948 bis 1960, das beliebte Restaurant «Krebs» an der Steingasse, das später der Luftschutz an einer Übung zu Boden riss. Im «Krebs», wo alle möglichen Menschen einkehrten, lernte Margrit Stutz das Wirten von der Pike auf.

Abschied von alten Zeiten

«Der ‹Krebs› sah etwa gleich aus wie der ‹Chäber›. Er war eine gemütliche Wirtschaft», sagt Margrit Stutz. «Ich erinnere mich gut an den Tag, als ich mit zitternden Knien bei Direktor Hans Meyer im Büro der Firma Georges Meyer vorsprechen musste, um ihn zu fragen, ob er uns den ‹Krebs› verpachten wolle.» Denn das Restaurant gehörte der damals einflussreichen Firma. Margrit und Paul Stutz bekamen den Zuschlag. Beide Seiten, die Firma und die jungen Pächter, mussten den Entscheid je bereuen. Den «Krebs» gibt es schon lange nicht mehr, das «Bahnhöfli» wird man sicher auch vermissen.

Aktuelle Nachrichten