Kulinarik
Speisen wie Gott im Wohnmobil: Ristorante Volare in Waltenschwil bedient seine Gäste neu in ihrem Camper

In Zeiten von geschlossenen Restaurants sehnt man sich nach einem Essen direkt aus der Küche des Chefs. Ein neuer Trend macht das möglich. Gespiesen wird nicht im Lokal, sondern im eigenen Wohnmobil.

Pascal Bruhin
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Monika Brunner (links) ist begeisterte Hobbycamperin und brachte Adriano Caraci vom Restaurant Volare auf die Idee mit dem WoMo-Dinner.

Monika Brunner (links) ist begeisterte Hobbycamperin und brachte Adriano Caraci vom Restaurant Volare auf die Idee mit dem WoMo-Dinner.

Bild: Pascal Bruhin

«Einfach mal wieder auswärts essen», das wünschen sich doch viele in der Coronapandemie. Die Hoffnung, dass Restaurants bald wieder öffnen dürfen, zerschlug der Bundesrat jedoch mit seinem Entscheid vom letzten Mittwoch. Doch neuerdings gibt es eine Alternative, die zumindest annäherungsweise an einen Restaurantbesuch herankommt: das WoMo-Dinner.

Gäste werden in ihrem Wohnmobil auf dem Restaurantparkplatz bedient

Gewitzte Camper erkennen bereits an den vier Buchstaben, dass es sich dabei um ein Dinner im Wohnmobil handelt. Adriano Caranci vom italienischen Restaurant Volare in Waltenschwil hat den Trend erkannt. Als eines von derzeit vier Restaurants im Aargau bewirtet er seine Gäste in ihrem Wohnmobil auf seinem Restaurantparkplatz.

Adriano Caranci erhielt 2020 für sein Restaurant Volare Bronze im bedeutendsten Publikumspreis der Schweizer Gastronomie, dem «Best of Swiss Gastro».

Adriano Caranci erhielt 2020 für sein Restaurant Volare Bronze im bedeutendsten Publikumspreis der Schweizer Gastronomie, dem «Best of Swiss Gastro».

Bild: zvg

«Ich hätte nie erwartet, dass das so einschlägt», sagt Caranci im Gespräch mit der AZ. Ursprünglich brachte ihn Stammgast und Hobbycamperin Monika Brunner aus Mülligen auf die Idee. «Ich dachte mir, das ist sicher ein lässiger Gag, aber nicht mehr», sagt er.

Nachdem er zwei Nächte darüber geschlafen hatte, entschied er sich doch, es einfach mal auszuprobieren. Zum Valentinstag wurde dann das erste WoMo-Dinner in Waltenschwil serviert. Der Andrang war riesig. Caranci sagt:

«Wir hatten so viele Anfragen, dass wir bei weitem nicht alle annehmen konnten.»

So entschied sich der Geschäftsführer, den einmaligen Event zum regelmässigen Angebot auszubauen. Zusätzlich zum Take-away-Angebot lädt das «Volare» seither von Mittwoch bis Sonntag zum WoMo-Lunch über Mittag oder zum Dinner am Abend.

Finanziell zwar nicht kostendeckend, aber immerhin eine Beschäftigung für das Personal

Wer den Parkplatz des «Volare» kennt, weiss, dass der Platz begrenzt ist. «Für uns ist es immer eine Challenge, weil wir im Voraus nie genau wissen, wie gross das Wohnmobil ist. Allerhöchstens können wir acht Camper platzieren», sagt Caranci. Finanziell kann so der übliche Umsatz bei geöffnetem Restaurant nicht herausgeholt werden.

«Es ist ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Caranci, der bislang noch keinen Erwerbsersatz erhalten hat. «Aber es ist eine gute Beschäftigung für das Personal, das mehrheitlich auf Kurzarbeit ist." Weiter sagt er:

«Endlich dürfen wir wieder richtig arbeiten, den Gast wirklich bedienen. Gastgeber zu sein, das ist der Job, den wir lieben.»

Dabei seien es die kleinen Dinge, wie einen Teller schön anzurichten, dem Kunden den passenden Wein zum Menu zu empfehlen oder ihn nach einem Dessert zu fragen, die die Arbeit ausmachen.

Küchenchef Mauro Ramone freut sich endlich wieder einmal auf dem Teller statt in der Take-away-Box anzurichten.

Küchenchef Mauro Ramone freut sich endlich wieder einmal auf dem Teller statt in der Take-away-Box anzurichten.

Bild: Pascal Bruhin

WoMo-Fahrer sollen auch nach der Krise im «Volare» willkommen sein

Auf dem Parkplatz des «Volare» sind derzeit keine Autos, sondern Wohnmobile zu finden.

Auf dem Parkplatz des «Volare» sind derzeit keine Autos, sondern Wohnmobile zu finden.

Bild: pbr

Entsprechend dankbar ist Caranci für die grosse Unterstützung der Camper-Community. Obwohl er hofft, dass die Gastronomie schon ab dem 22. März mit entsprechendem Schutzkonzept wieder normal geöffnet werden kann, will er das Angebot für die Wohnmobil-Fahrer auch in Zukunft aufrechterhalten. Caranci erklärt:

«Die Camper haben mich in der Krise so toll unterstützt, da kann ich sie nachher nicht einfach links liegen lassen.»

Dafür ist er in Gesprächen mit der Gemeinde, um einen Übernachtungsstandplatz für die Wohnmobile zu organisieren, wenn der Parkplatz des «Volare» dann wieder für die Autos der Restaurantbesucher zur Verfügung stehen soll.