Bettwil
Katharina Berner macht auch WC-Deckel attraktiv

Die gelernte Bäcker-Konditorin Katharina Berner ist mit Pinsel und Airbrush-Pistole auf dem Weg zum neuen Beruf. Mit Druckluft besprüht sie die unterschiedlichsten Untergründe und Objekte.

Eddy Schambron
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Katharina Berner malt in Bettwil Auftragsarbeiten für Kunden, aber auch oft eigene Sujets. ES

Katharina Berner malt in Bettwil Auftragsarbeiten für Kunden, aber auch oft eigene Sujets. ES

Jetzt will sie es wissen: Katharina Berner in Bettwil hat für sich Airbrush und Kunstmalerei zum Beruf gemacht. «Jetzt darf ich meine Arbeiten zeigen», sagt die 38-jährige gelernte Bäcker-Konditorin. Entsprechend hat sie auch ihre erste Ausstellung im luzernischen Aesch. «Seit elf Jahren arbeite ich im Stillen, jetzt es Zeit, an die Öffentlichkeit zu gehen.»

Speziell an den meisten Arbeiten von Katharina Berner ist, dass sie Pinsel und Spritzpistole kombiniert. Beim Airbrush wird mithilfe von Druckluft Farbe auf den Malgrund aufgesprüht. Mit dieser Maltechnik werden feins-te Farbverläufe erzielt, was eine fotorealistische Malerei erlaubt.

Schon immer gemalt

Ein einfacher Migros-Klubschulschulkurs machte den Anfang. Hier holte Berner ihre ersten Erfahrungen in der Malerei mit der Spritzpistole. Hier lernte sie die technischen Anforderungen – Kompressor, Arbeitswerkzeug, Farben – kennen. Denn gemalt und gezeichnet hat sie schon lange, mit Bleistift, Kohle und Pinsel. Eigentlich wäre sie gerne Grafikerin geworden, aber der Vater fand das nicht der richtige Beruf für eine junge Frau. «So lernte ich eben Bäcker-Konditor, es war der komplett falsche Beruf.»

Immerhin bot er durch die Arbeit in den frühsten Morgenstunden freie Nachmittage, die Berner für das Malen und Zeichnen nutzte. Und zum Träumen davon, eines Tages von der Malerei leben zu können.

Aufbruchstimmung

Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen, glaubt sie. Durch Mundpropaganda hat sie zunehmend Aufträge. «Ich bemale fast alles», macht sie klar: Motorradhelme, WC-Deckel, Autohauben, Lederjacken, Hausmauern und natürlich auch Leinwand. Sie kombiniert dabei in der Regel Pinsel und Spritzpistole. «Das Schöne am Airbrushing ist, dass man mit der Spritzpistole ganz feine Details herausarbeiten kann.» Sie zeigt auf ein Frauenporträt, die weisse Feder im Haar sieht so leicht und fein aus, wie Federn auch in Wirklichkeit sind.

Katharina Berner, «ich bin gegenwärtig in einer Aufbruchstimmung», malt allerdings auch ihre Fantasien und Träume, manchmal schreibt sie eine Geschichte dazu. «Im Moment sind es Sonne und Meeresgeister. Indianer begleiten mich schon lange.»

Markt ist vorhanden

In Bettwil, in den Räumlichkeiten der früheren Post, hat sie genügend Platz, um ihre Tätigkeit auszuüben. Konkurrenz ist kein Thema. «Dafür gibt es zu wenige, die Airbrush auf einem hohen Niveau machen», sagt Berner, die auch Kontakte zu anderen Airbrush-Künstlern pflegt. «Man tauscht sich aus, man vergleicht», erklärt sie, «aber wir tun einander nicht weh.» Der Markt für diese Bilder ist wieder zunehmend vorhanden, wie sie feststellt. Mit der Preisgestaltung tut sie sich allerdings schwerer. «Es ist ein Balanceakt: Setze ich den Preis zu tief an, bleibt mir nichts und macht den Eindruck von Billigmalerei, ist der zu hoch, bleibe ich auf den Bildern sitzen.» Der Preis für eine Auftragsarbeit setzt sie zum Voraus für den Kunden verbindlich fest. «Da bin ich natürlich auch schon auf die Nase gefallen, weil ich den Aufwand unterschätzt habe.» Schliesslich gibt Berner als Malatelierleiterin und in Ausbildung zur Kunsttherapeutin auch Kurse in ihrem Atelier.

Die erste Ausstellung der Bettwilerin findet vom 3. bis 5. (an diesen Tagen ist die Künstlerin persönlich anwesend)
und vom 10. bis 12. Juni, jeweils 16 bis 21 Uhr, in der Galerie de Boga, Aesch LU, statt. www.berner-airbrush.ch

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