Wohlen
Ist ein zweites Kirchenzentrum noch finanzierbar?

Am 14. September soll über das Schicksal der reformierten Kirche in Villmergen entschieden werden.

JÖRG BAUMANN
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Das reformierte Kirchenzentrum in Villmergen gibt weiter zu reden. archiv/az

Das reformierte Kirchenzentrum in Villmergen gibt weiter zu reden. archiv/az

Robert Benz

Seit vier Jahren diskutiert man in der reformierten Kirchgemeinde Wohlen, was mit dem Kirchenzentrum in Villmergen passieren soll – bisher ohne greifbares Ergebnis. Dem Zustand will die Kirchenpflege nun ein Ende machen: An einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung am 14. September soll ein Entscheid herbeigeführt werden, der zur Klärung der Situation führt.

Zentrum braucht Sanierung

Das teilte Josef Baur, Vizepräsident der Kirchenpflege, an der ordentlichen Kirchgemeindeversammlung mit. Welchen Antrag die Kirchenpflege am 14. September stellen will, wollte Baur gegenüber der az nicht sagen. Aber für ihn ist klar, dass sich die Kirchgemeinde selber in eine finanzielle Schieflage bringen würde, wenn sie neben den Liegenschaften in Wohlen noch lange zu viele Ressourcen an das sanierungsbedürftige Kirchenzentrum in Villmergen binden müsste. Landesweit verlieren die Reformierten jedes Jahr um die 30 000 Mitglieder. Das spürt auch die Kirchgemeinde Wohlen in der Kasse. 2014 ging der Steuerertrag gegenüber dem Budget um 8 Prozent zurück. Statt 1,5 Millionen Franken flossen noch 1,378 Millionen Franken in die Kasse. Aktuell verfüge die Kirchgemeinde noch über ein ansehnliches Vermögen, sagt Baur. Wenn aber der Aderlass so weitergehe, sei man in fünf Jahren in den roten Zahlen.

Auch ein Ideenwettbewerb mit dem vielversprechenden Titel «Vision Waagmatten» half nicht richtig weiter, um zu klären, wie es mit dem Kirchenzentrum in Villmergen weitergehen solle. Die Übung musste abgebrochen werden. Letztes Jahr leitete die Kirchenpflege mit einer Zukunftswerkstatt einen zweiten Anlauf ein. 30 Personen gaben sich alle Mühe, eine Lösung zu finden, nachdem früher bereits die Kirchenpflege den Antrag gestellt hatte, die Kirche in Villmergen zu schliessen und alle Anlässe auf Wohlen zu konzentrieren. Damit drang die Kirchenpflege aber nicht durch.

Pfarrerin Sabine Herold und ihr Amtskollege Ueli Bukies stellten klar, dass für eine Kirchgemeinde die Gemeinschaft das Wichtigste sei. Nur über Gebäude zu sprechen, sei nicht in ihrem Sinn, so werden Herold und Bukies im Protokoll zitiert. In der Kirche gehe es auch darum, alte Pfade zu verlassen, etwas zu wagen und allenfalls enge, stotzige Wege einzuschlagen, hiess es weiter.

Josef Baur weist darauf hin, dass noch viele andere Kirchgemeinden Mühe hätten, angesichts des Mitgliederschwundes ihre Kirchen halten zu können. Einige mussten sie verkaufen. «Damit sind wir also in bester Gesellschaft.» Die Kirchenpflege wolle sich seriös auf die ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung vorbereiten und erwarte von ihr eine Antwort auf die laufende Entwicklung, sagt Baur.

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