In Zeiten von Corona
Noch nie wurden so viele Wanderführer verkauft: So geht es dem Freiämter Tourismus

Die Coronapandemie hat auch Auswirkungen auf den lokalen Tourismus. Die AZ hat bei Tourismusorganisationen der Region nachgefragt.

Marc Ribolla
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Blick auf die Altstadt Bremgarten von der Reuss aus gesehen.

Blick auf die Altstadt Bremgarten von der Reuss aus gesehen.

Marc Ribolla

Das Klosterdorf Muri, das Reussstädtchen Bremgarten, das Naturschutzgebiet am Flachsee, der Sagenweg oder der über 190 Kilometer lange Freiämterwanderweg. Dies sind nur einige der touristischen Höhepunkte, die das Freiamt zu bieten hat. Der Verein Erlebnis Freiamt kümmert sich darum, dass die Region und ihre Facetten und Angebote bei auswärtigen Gästen bekannter werden.

Herbert Strebel ist Präsident des Vereins Erlebnis Freiamt.

Herbert Strebel ist Präsident des Vereins Erlebnis Freiamt.

Britta Gut

Das Einsetzen der Coronapandemie vor einem Jahr hatte auch Auswirkungen auf den lokalen Tourismus. Wie geht es «Erlebnis Freiamt» heute? Präsident Herbert Strebel sagt:

«Abgesehen davon, dass wir alle Anlässe absagen mussten, geht es uns gut. Wir haben den Vorteil, dass wir praktisch keine Fixkosten haben.»

Ausserdem sei «Erlebnis Freiamt» weniger auf punktuelle Veranstaltungen fokussiert, sondern biete den Gästen eher Informationen und Tipps für selbstständige Aktivitäten. Und diese wurden in den vergangenen Monaten rege genutzt.

Kinderweg ist teilweise sogar überlastet

«Wir haben vergangenes Jahr festgestellt, dass die Leute vermehrt daheim in ihrer Region geblieben sind», sagt Strebel. Ohne die genauen Zahlen präsent zu haben, verrät er, dass man noch nie so viele Wanderführer für den Freiämterweg verkauft habe wie 2020.

Der Freiämterweg war 2020 ein beliebtes Ausflusgziel.

Der Freiämterweg war 2020 ein beliebtes Ausflusgziel.

Eddy Schambron (2015)

Einen grossen Zuspruch hat auch der Kinderweg in Benzenschwil erlebt, der besonders bei Familien natürlich beliebt ist. Strebel sagt, dass der Verein diesen nun nicht zusätzlich bewerbe, denn:

«Der Kinderweg ist am Anschlag oder sogar teilweise überlastet. Es kommen wirklich sehr viele Leute. Manche auch täglich.»

In diesen Tagen finalisiert «Erlebnis Freiamt» sein Jahresprogramm 2021. Laut Strebel plane man vorläufig wie in einem normalen Jahr. «Wir sind zuversichtlich, dass wir mit Lockerungen wieder mehr machen können», sagt er. Da die Aktivitäten praktisch nur draussen stattfinden, seien sie hoffnungsvoll.

Nachfrage brach mit Pandemiebeginn ein

Hoffnung schöpft man auch im Klosterdorf Muri. «Wir dürfen nun seit 1. März wieder etwas im kleineren Rahmen anbieten. Es ist ein Lichtblick am Horizont im kulturellen Bereich», sagt Heidi Holdener, Geschäftsführerin von «Muri Kultur». Letzte Woche sei der Zuspruch an Museumsbesuchern nach der Wiedereröffnung hoch gewesen.

Heidi Holdener, Geschäftsführerin von «Muri Kultur» vor dem Besucherzentrum beim Kloster.

Heidi Holdener, Geschäftsführerin von «Muri Kultur» vor dem Besucherzentrum beim Kloster.

Marc Ribolla

In einem normalen Jahr finden rund 350 Anlässe wie Museumsführungen, Konzerte, Ausstellungen oder Apéros bei «Muri Kultur» statt. Mit Ausbruch der Pandemie sei die Nachfrage letztes Jahr schlagartig eingebrochen. Holdener sagt:

«Mit den Einschränkungen hat sich die Nachfrage seither nicht mehr wirklich erholt.»

Während Besuche von grösseren Gruppen, Vereinen oder Firmen wegfielen, habe man bemerkt, dass die Leute ihre Ferien in der Schweiz verbrachten. «Im Sommer hat der Individualtourismus bei uns leicht zugenommen», so Holdener.

Stadtführungen noch immer auf Eis gelegt

Diese Feststellung hat auch «Bremgarten Tourismus» (BT) gemacht. Auch das Reussstädtchen mit seiner Altstadt zog vermehrt Besucher an. «Wenn man nicht in die Ferne reisen kann, schaut man sich halt die Schönheiten bei uns an», erklärt BT-Präsident Stephan Troxler. Den grösseren Zustrom hätten auch die Ladenbesitzer konstatiert.

Einschneidend ist die Situation für die Stadtführer, die unabhängig von «Bremgarten Tourismus» fungieren, aber von der Organisation unterstützt werden. Die Führungen sind noch immer auf Eis gelegt. Die Durchführung ist schwierig, weil draussen zwar 15 Personen erlaubt wären, aber im Spittelturm beispielsweise nur deren fünf.

Ob in den kommenden Monaten grössere Veranstaltungen wieder möglich, weiss auch Troxler nicht. Im Juni wäre der Bremgarter Schlagerwahnsinn und das Reussfoodfestival geplant. «Es müssten mindestens 1000 Personen zugelassen sein, damit es Sinn macht», sagt Troxler. Schon fix abgesagt ist der traditionelle Ostermarkt Anfang April.