Aus früheren Zeiten
Heute vor 17 Jahren: Wie Freiämter einen Porsche im Schnee vergruben – ein Streich mit Folgen

Über die Festtage berichten wir über Ereignisse – kuriose, schöne, tragische oder lustige –, die vor Jahren in der Aargauer Zeitung, resp. im Aargauer Tagblatt Platz fanden. Heute: Der 30. Dezember 2000 – Ein Bubenstreich, der zu einem sehr kuriosen Gerichtsfall führte.

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Jugendliche vergruben einen Porsche im Schnee, andere überschütteten ihn mit Wasser, so dass er einfrohr – sicherlich keine Freude für den Besitzer. (Symbolbild)

Jugendliche vergruben einen Porsche im Schnee, andere überschütteten ihn mit Wasser, so dass er einfrohr – sicherlich keine Freude für den Besitzer. (Symbolbild)

zvg/Montage:az

Vor 17 Jahren berichtete Hans Rechsteiner unter dem Titel «Hütet Euch im Internet! - Wie ein paar Freiämter Jugendliche übers 'Net' stolperten», über einen wirklich aussergewöhnlichen Gerichtsfall. Der Text im Original:

Es geschah am 4. Februar im Jahre des Herrn 2000. Es war früher Morgen und eitel Friede lag über Arosa. Einige Jugendliche waren auf ihrem Weg zum Haus Bellaval, um ihre wohlverdiente Nachtruhe zu geniessen. Unverhofft stiessen sie aber auf ihrem Nachhauseweg auf ein Porsche-Cabriolet - Zürcher Autonummer natürlich! - , welches gesetzeswidrigerweise direkt vor der Gondelstation auf einem reservierten Parkplatz stand. Ihr Gerechtigkeitssinn liess ihnen keine Ruhe, so dass sie sich gezwungen sahen, dem offenkundigen Missstand tatkräftig entgegenzuwirken. Zu ihrem Glück fanden sich in unmittelbarer Nähe mehrere Schneeschaufeln, was, wie sich herausstellen sollte, ihre frühmorgendliche Arbeit wesentlich erleichterte. Geistesgegenwärtig beschlossen die Junggesellen kurzerhand, das Automobil mit Schnee zu bedecken, um so zumindest den Anschein von Recht und Ordnung zu erwecken.

Eine halbe Stunde später war dann vom ursprünglichen Übel nichts mehr zu sehen. Der Porsche war nach der uneigennützigen körperlichen Anstrengung der Jugendlichen unter den Schneemassen verschwunden und somit sowohl vor Vandalen wie auch vor der Polizei in Sicherheit - letztere hätte ja einen Strafzettel unter den Scheibenwischer klemmen können, kam jetzt aber glücklicherweise nicht mehr an ihn heran. Mit dieser beruhigenden Gewissheit legten sich die Jugendlichen zu Bette und träumten von ihrer ruhmvollen Tat.

Nur kurze Zeit später fanden sich B. und seine Kollegen dem Schneehaufen gegenüber. Ihrem geschulten Blick entging nicht, dass unter dem Schnee ein schnittiges Sportcoupé versteckt sein musste. Ihnen missfiel aber, dass der Parksünder nun ungebüsst bleiben würde. Um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen, beschlossen sie schweren Herzens, sich - erneut und ohne Wissen der Vorgängertaten - der Selbstjustiz zu bedienen. Ihnen zur Seite stand ein Feuerlöschschlauch, der nahebei grad zur Hand war. Mit dessen Hilfe gelang es den jungen Männern, den Schnee mit reichlich Wasser zu tränken, so dass er in der Kälte der Nacht zu Eis erstarren konnte. So gelang es den tapferen Junggesellen aus dem Aargau, den Anschein von Recht und Ordnung zu vermitteln und darüber hinaus der Gerechtigkeit einmal mehr zum Siege zu verhelfen.

Am anderen Vormittag allerdings war ein - vormals stolzer - Porschebesitzer bei der Arbeit mit dem Eispickel zu beobachten. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, wusste er die Fronarbeit der jungen Männer, von denen er natürlich nichts wissen konnte, keineswegs zu würdigen. Gemäss unbestätigten Gerüchten soll er seinem Unmut lauthals Luft verschafft haben. Auch geschlagene zwei Stunden später war der Porsche aus seinem Eispanzer noch nicht vollständig freigelegt. Hoffentlich mochten immerhin die Designer-Klamotten und die Lackschüeli dem armen Sünder seine Buss-Arbeit zu erleichtern.

Als der Sportwagen nach rund drei Stunden endlich freilag, wurde er leider durch einen unnachsichtigen Angestellten der Arosa-Bergbahnen neu einparkiert. Als der ungetrübten Fahrfreude endlich nichts mehr im Wege stand, hatte der modebewusste Herr «Zürcher» den Spass an seinem Spielzeug allerdings vollständig verloren und liess es achtlos im Parkverbot stehen. Wohl aus Angst vor wiederholter Busse parkte er es später jedoch um, worauf der Porsche nicht mehr gesichtet wurde.

Man glaubt es kaum! Diese unglaubliche Geschichte um einen Wintersport-Ferienaufenthalt in Arosa, die sich allerdings genauso ereignet hat, setzten die Jugendlichen - alle um 20 Jahre alt und natürlich Internet-Fans - ins «Net». Sie hätten ja nie daran gedacht, dass irgendein Freak darin surfen würde und dass der den gelackmeierten Porschefahrer und seine Eisgeschichte kennen würde. Die Überraschung folgte auf dem Fusse, als die Kantonspolizei Arosa im Sommer auf Anzeige hin die entsprechenden Untersuchungen einleitete. Eine vierstellige Frankenbusse wurde ausgefällt, man traf sich in Chur vor Gericht. Und das Fazit der Geschichte: «Das Internet ist nicht so anonym, wie man eigentlich hoffen könnte.» (Hans Rechsteiner/kob)

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