Hägglingen
Mit Kreativität gegen die Coronakrise: Traditions-Hutfabrik Risa veranstaltet eine Solidaritätstombola

Beim bekannten Hutfabrikanten Risa in Hägglingen ist das Auftragsvolumen wegen der Auswirkungen der Coronakrise stark geschrumpft. Nun haben die Inhaber eine Solidaritätsaktion lanciert, damit die Kunden die Hutfabrik unterstützen können.

Marc Ribolla
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Julian Huber, Inhaber der Risa Hutwerkstatt in Hägglingen, in der Produktionswerkstatt mit einer Auswahl an Strohhüten.

Julian Huber, Inhaber der Risa Hutwerkstatt in Hägglingen, in der Produktionswerkstatt mit einer Auswahl an Strohhüten.

Alex Spichale

Seit über 100 Jahren liegt das Hutmacherhandwerk der Risa Hutwerkstatt in Hägglingen am Herzen. Die berühmten Freiämter Strohhüte und viele weitere Kopfbedeckungen werden in Handarbeit produziert und in die ganze Welt exportiert. In einem normalen Jahr verlassen rund 9000 Hüte die Werkstatt.

Doch seit dem Ausbruch der Coronapandemie vor bald einem Jahr ist alles anders. Die Maschinen in der Hutmacherei stehen praktisch still. Die schwierige Situation fordert das Traditionsunternehmen mit 21 Angestellten heraus.

Um sich den Leuten wieder etwas ins Bewusstsein zu bringen, hat die Risa nun eine Solidaritätsaktion in Verbindung mit einer Tombola gestartet. Ab sofort erhält jede Person bei einem Produktkauf ab 50 Franken ein Tombolalos sowie zusätzliche Lose für jeden weiteren 50-Franken-Bestellwert.

Wohnzimmer-Konzert oder Hutworkshop

Zu gewinnen gibt's bei der Verlosung am 14. März exklusive Preise. Zum Beispiel Wohnzimmer-Konzerte mit Andy McSean oder Make Plain, Risa-Gutscheine, ein Weindinner im «Luca Ristorante» mit Weinen der Vinothek von René Schmidli oder einen Workshop in der Hutmacherei.

Risa-Geschäftsführer Julian Huber erklärt, wie sie auf die Tombola-Idee gekommen sind: «Wir haben langsam gemerkt, dass uns die Arbeit ausgeht. Die Produktion steht fast still. Wir haben im Team verschiedene Ideen gesammelt und haben schnell Feuer gefangen für die Tombola.»

Blick in die verwaiste Fabrikationswerkstatt der Hutfabrik Risa in Hägglingen.

Blick in die verwaiste Fabrikationswerkstatt der Hutfabrik Risa in Hägglingen.

Marc Ribolla

Innert weniger Tage sei alles organisiert und umgesetzt worden, inklusive Dreh eines kurzen Videos zur Aktion. Verschiedene Bekannte hätten spontan ihre Mithilfe angeboten. Huber erklärt:

«Wir möchten den Leuten damit ein Erlebnis schenken, sobald es wieder möglich sein wird.»

Seit dem Beginn der Tombola-Aktion Anfang Februar habe es schon viele positive Reaktionen gegeben. Huber berichtet, dass nun auch schon wieder eine Handvoll Hutbestellungen eingegangen sei. «Die Leute kaufen aber auch Gutscheine, weil es eher schwierig ist, einen Hut zu kaufen, ohne ihn vorher anprobiert zu haben», sagt er.

Julian Huber erklärt im Video die Risa-Tombola-Aktion und die Hintergründe.

Youtube

Zurzeit ist dies nicht möglich, da der Fabrikladen in Hägglingen sowie die Risa-Geschäfte in Zürich und Basel geschlossen sein müssen. Diese Auswirkungen der Pandemie setzen zu. «Wir spüren sehr, dass zum Beispiel keine Basler Fasnacht oder Sechseläuten stattfinden. Diese generieren immer grössere Aufträge über mehrere Wochen verteilt. Die Leute müssen nun keine beschädigten Hüte reparieren oder ersetzen», so Huber.

Bisher gab es eine Entlassung wegen der Pandemie

Auch Aufträge für Kopfbedeckungen zu Uniformen von Musikgesellschaften oder Tambourenvereinen laufen derzeit auf Sparflamme. Das Fehlen von vielen kulturellen Anlässen wirke sich indirekt so auch auf die Risa aus, erklärt Huber. «Unsere Zukunft hängt davon ab, wie es mit den Läden und Veranstaltungen in den kommenden Monaten weitergeht», blickt er nach vorne.

Ein Teil der Werkstatt der Hutfabrik Risa in Hägglingen.

Ein Teil der Werkstatt der Hutfabrik Risa in Hägglingen.

Marc Ribolla

Vorläufig kann durch die Kurzarbeit ein Teil der betrieblichen Auslagen aufgefangen werden. Was danach geschieht, weiss niemand. Bisher musste Huber eine Person aus der Administration aus wirtschaftlichen Gründen entlassen. Er sagt:

«Wir möchten versuchen, mit möglichst allen Mitarbeitern durch die Krise zu kommen. Vor allem in der Produktion würde bei Entlassungen sehr viel handwerkliches Know-how verlorengehen.»

Ein Glück sei, dass dieses Jahr firmenweit drei Pensionierungen anstehen, deren Arbeitsstellen nicht ersetzt würden. «Wir bleiben zuversichtlich», sagt Julian Huber. Im September sei eine Messe in Solothurn angesagt. «Mal schauen, ob sie stattfindet und wir dabei sein können.»

Nicht stattfinden konnten vergangenes Jahr die traditionellen beiden jeweils dreitägigen Risa-Events mit dem Hutverkauf ab Fabrik, begleitet von kulturellem und kulinarischem Programm. Diese Tatsache nutzte die Risa aus und richtete im Untergeschoss in der Werkstatt in Hägglingen einen grossen neuen Fabrikladen ein – der nun bestehen bleibt.