Hägglingen
Der Erfolg überrascht selbst den Gewinner: Daniel Röthlisbergers Edelbrände überzeugten die Jury

Vier seiner Produkte reichte Daniel Röthlisberger, Inhaber der Häggliger Maygreen Distillery, beim nationalen Wettbewerb der Schweizer Brennereibranche ein. Drei der Edelbrände wurden mit Gold ausgezeichnet und einer mit Silber. Für den Brennmeister aus Wohlen ist dies eine wertvolle Standortbestimmung.

Nathalie Wolgensinger
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Der Brennmeister Daniel Röthlisberger präsentiert die drei Spirituosen, die mit Gold ausgezeichnet wurden.

Der Brennmeister Daniel Röthlisberger präsentiert die drei Spirituosen, die mit Gold ausgezeichnet wurden.

Alex Spichale

Eigentlich wollte Daniel Röthlisberger gar nicht mitmachen beim Wettbewerb von DistiSusisse. Zu gross und zu gewichtig waren ihm die 105 Konkurrenten, die ihre 568 Spirituosen zur Bewertung einreichten.

Er erzählt: «Am Tag des Anmeldeschlusses erinnerte ich mich wieder an den Wettbewerb und beschloss kurzerhand, vier meiner Produkte einzureichen. Ich tat dies, um zu sehen, wo ich im nationalen Vergleich etwa stehe.» Gesagt, getan. Röthlisberger schickte die vier Flaschen auf die Reise und vergass den Wettbewerb auch bald wieder.

Die besten Tipps erhielt er von alten Landwirten

Vor vier Jahren tat er den mutigen Schritt und kündigte seinen Job als Einkäufer einer Firma im technischen Handel. Der 50-Jährige erzählt: «Ich jettete durch die ganze Welt auf der Jagd nach den günstigsten Preisen. Irgendwann hatte ich genug davon.»

Der Zufall spielte dem Wohler in die Hände. Er erfuhr, dass der Villmerger Brenner Werner Steinmann händeringend einen Nachfolger suchte. Röthlisberger sagt:

«Das alte Handwerk faszinierte mich schon immer. Als ich dann bei Werner Steinmann in der Brennerei stand, wusste ich, dass es passt.»

Es dauerte dann noch zwei Jahre, bis er seine Maygreen Distillery in Hägglingen in Betrieb nehmen konnte. Der Name leitet sich aus dem Namen des Aussichtsturmes Maiengrün, oberhalb von Hägglingen, ab.

Dreimal Gold erhielten: Bier Paul 05, der Gelbmöstler (Kategoriensieger) und Bier Paul 10 (Kategoriensieger).

Dreimal Gold erhielten: Bier Paul 05, der Gelbmöstler (Kategoriensieger) und Bier Paul 10 (Kategoriensieger).

Alex Spichale

Viel Wissen und Können eignete sich der Vater zweier Jungs im Laufe der Zeit selber an, las Bücher und besuchte verschiedene Kurse. Weil er von seinen Schnäpsen alleine nicht leben kann, arbeitet er Teilzeit in einer sozialen Institution als Nachtwache. Tagsüber aber investiert er seine ganze Zeit und Energie in die Entwicklung seiner Obstbrände. Er erzählt: «Mir bringen seit Beginn weg viele ältere Landwirte ihr Obst zum Brennen. Von ihnen habe ich viel gelernt und auch Tipps erhalten.»

Mittlerweile weiss er, wo er die alten Sorten herbekommt, die an Hochstammbäumen wachsen und herrlich duften. Er schwärmt:

«Wenn man da hineinbeisst, riecht man noch, dass man einen Apfel isst.»

Röthlisberger ist sich auch nicht zu schade, einen Nachmittag lang die Früchte auf dem Feld aufzulesen und sich von den Kühen stossen zu lassen. Er erzählt lachend: «Die stehen in Konkurrenz zu mir, die schnappen mir jeweils die schönsten Früchte aus der Hand weg.»

Dreimal Gold, einmal Silber

Die Ausdauer hat sich gelohnt, Röthlisbergers Spirituosen wurden mit dreimal Gold und einmal Silber ausgezeichnet. Damit hätte der 50-Jährige nie und nimmer gerechnet. Er erzählt lachend:

«Ich ging mit keinen Erwartungen an die Preisverleihung. Ich dachte mir, wir trinken da was Gutes, essen ein Schinkengipfeli und treffen den einen oder anderen Berufskollegen.»

Unter der Leitung der Lebensmittelingenieurin Sonia Petignat-Keller von der Wädenswiler Agroscope verköstigte die 29 Mitglieder zählende Jury die 568 Obstbrände. Röthlisbergers «Gelbmöstler» wurde in der Kategorie Birnenbrand Kategoriensieger und auch sein «Bier Paul 10», ein Destillat aus Indian Pale Ale, wurde zum Kategoriensieger bei den Sondersorten ausgezeichnet.

Das «Bier Paul 05» mundete der Jury auch und wurde mit Gold ausgezeichnet, der Chardonnay erhielt schliesslich die Silber-Auszeichnung. Damit setzte er sich gegen namhafte und weitaus grössere Brennereien aus der Schweiz durch.

Hier werden die feinen Destillate hergestellt. Am 13. November, am Tag der offenen Türe, kann man einen Augenschein in der Brennerei nehmen.

Hier werden die feinen Destillate hergestellt. Am 13. November, am Tag der offenen Türe, kann man einen Augenschein in der Brennerei nehmen.

Alex Spichale

Für den Brennermeister ist dieser unerwartete Erfolg ein Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiterzuführen. Er setzt weiterhin auf Qualität und verkauft seine rund 400 Liter Spirituosen im Webshop und an Gastrobetriebe in der Region. Seinen Kunden, die aus der ganzen Deutschschweiz mit ihren Früchten anreisen, zeigt er in Weiterbildungskursen auf, wie sie ebenso gute Resultate erzielen. Wer sich schon immer mal, als Brenner betätigen wollte, der kann einen Teamevent an der Unterdorfstrasse 10 buchen.

Die Ideen gehen dem findigen Brenner nicht aus, der sich derzeit zum Edelbrand Sommelier weiterbildet. Am Samstag, 13. November, lädt er zwischen 10 und 12 Uhr zum Tag der offenen Türe in seine Brennerei an der Unterdorfstrasse 10 in Hägglingen ein.

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