Gemeindefinanzen
Der Steuerfuss sinkt in Oberwil-Lieli auf 53 Prozent – eine andere Gemeinde bleibt die Nummer eins

Die Gemeinde Oberwil-Lieli reduziert den Steuerfuss nächstes Jahr um vier Prozent deutlich. Dennoch wird – auch dank dem geplanten ersten Teilverkauf zweier «Juchächer»-Parzellen – mit einem Ertragsüberschuss von fast 0,9 Millionen gerechnet.

Marc Ribolla
Drucken
Anfang November wurde die Unterzeichnung der notariellen Akten zum Kauf der «Juchächer»-Parzelle vollzogen. Andi Bützer (Leiter Finanzen Oberwil-Lieli), Ilias Läber (Gemeindeammann), Beatrice Schaeppi (CEO Schaeppi Grundstücke), Martin Schaeppi (Präsident Schaeppi Grundstücke, von links).

Anfang November wurde die Unterzeichnung der notariellen Akten zum Kauf der «Juchächer»-Parzelle vollzogen. Andi Bützer (Leiter Finanzen Oberwil-Lieli), Ilias Läber (Gemeindeammann), Beatrice Schaeppi (CEO Schaeppi Grundstücke), Martin Schaeppi (Präsident Schaeppi Grundstücke, von links).

zVg

Die Wogen gingen in den vergangenen eineinhalb Jahren in Oberwil-Lieli hoch. Die Umzonung der «Juchächer»-Parzelle in die Landhaus-Zone sowie deren Kauf durch die Einwohnergemeinde sorgte für Emotionen, heisse Abstimmungskämpfe und Beschwerden beim Kanton. Doch seit Ende September ist die Umzonung, die Teil der Gesamtrevision der Nutzungsplanung war, rechtsgültig.

Letzte Woche ist mit der Unterzeichnung der notariellen Unterlagen zum Kauf der Parzelle ein Etappenziel erreicht worden, wie die Gemeinde Oberwil-Lieli mitteilt. Als Verkäuferin des rund 12'700 Quadratmeter grossen Gebiets fungiert die Firma Schaeppi Grundstücke. Oberwil-Lieli bezahlt für das Land im «Juchächer» 2,9 Millionen.

Zwei Teilparzellen sollen 2022 verkauft werden

Mit dem nun geplanten Wiederverkauf der Baulandparzellen sollen netto um die 15 Millionen Franken in die Gemeindekasse fliessen. «Der Gemeinderat hat sich einen Verkauf der ersten zwei Teilparzellen im Verlaufe des kommenden Jahres zum Ziel gesetzt», heisst es weiter.

Dieses Gebiet im «Juchächer» in Oberwil-Lieli ist nun eine Landhaus-Zone und wird erschlossen.

Dieses Gebiet im «Juchächer» in Oberwil-Lieli ist nun eine Landhaus-Zone und wird erschlossen.

Marc Ribolla (12.8.20)

Dieses Vorhaben schlägt sich auch im Oberwil-Lieler Budget 2022 durch. Denn dieses rechnet neu mit einem Steuerfuss von nur noch 53 Prozent, was einer Senkung um 4 Prozent entspricht. So tief war der Steuersatz für die Gemeindesteuern in Oberwil-Lieli noch nie.

Seit 2000 gelang es der Mutscheller Gemeinde stetig, den Steuerfuss von damals 98 Prozent zu senken. In der Ära von Gemeindeammann Andreas Glarner (2006–2017) reduzierte er sich beispielsweise von 77 auf 60 Prozent. Diese Tendenz konnte sein Nachfolger Ilias Läber fortsetzen.

Trotz der Steuerfusssenkung budgetiert Oberwil-Lieli 2022 mit einem Ertragsüberschuss von rund 900'000 Franken. Das operative Ergebnis beträgt davon voraussichtlich knapp 400'000 Franken, hinzu kommt der ausserordentliche Ertrag von 490'000 Franken aus der Entnahme der Aufwertungsreserve.

Mit dem neuen Steuerfuss 53 Prozent erwartet die Gemeinde kommendes Jahr einen Steuerertrag von total 8,45 Millionen Franken, was nur leicht unter dem diesjährigen Budget liegt. Die Aussichten für die Gemeindekasse bleiben auch in Zukunft gut.

In der Broschüre zur Gmeind vom 26. November heisst es: «Insbesondere durch den mittel- bis langfristigen positiven Ertragseffekt in Zusammenhang mit dem Verkauf der «Juchächer»-Teilparzellen ist das Haushaltsgleichgewicht trotz Steuerfussreduktion gegeben.»

Steuerfuss Oberwil-Lieli

Entwicklung in Prozent seit 2000
200020012002200320042005200620072008200920102011201220132014201520162017201820192020202120225060708090100

Durch den weiteren Verkauf der «Juchächer»-Parzellen sowie dem Bau eines Mehrfamilienhauses im Unterdorf mit entsprechender Vermietung sichert sich Oberwil-Lieli langfristig eine sehr gute Liquidität. «Unsere Gemeinde erfüllt die nötigen Voraussetzungen, um die Steuerfussreduktion zu tragen», erklärt deshalb der Gemeinderat. Gleichzeitig gehe man so einen weiteren Schritt zur Bewahrung der Standortattraktivität.

Geltwil bleibt mit 50 Prozent die Nummer eins im Kanton

Ebenso gilt die Vermögenslage von Oberwil-Lieli mit seinen knapp 2500 Einwohnerinnen und Einwohner als sehr gut im Vergleich mit anderen Gemeinden. Das Eigenkapital betrug Ende vergangenen Jahres rund 87 Millionen. Das Netto-Vermögen pro Kopf wird mit rund 7000 Franken beziffert.

Obwohl der Steuerfuss nun gesenkt wird, ist Oberwil-Lieli übrigens nicht die Nummer eins im Aargau. Die Gemeinde Geltwil am Lindenberg glänzt mit noch tieferen 50 Prozent.

Aktuelle Nachrichten