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Freiämter Gemüsebauern haben Respekt vor der Kalten Sophie

Dank dem idealen Wetter sind die Kulturen so früh wie selten, doch die Eisheiligen kommen erst im Mai.

Toni Widmer
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Kirsch- und Birnbäume stehen in voller Blüte, bei den Erdbeeren hat sie soeben begonnen. Toni Widmer

Kirsch- und Birnbäume stehen in voller Blüte, bei den Erdbeeren hat sie soeben begonnen. Toni Widmer

Die Kirsch- und auch die Birnbäume stehen in voller Blüte, bei den Erdbeeren hat sie soeben begonnen und auch bei den Äpfeln dauert es nicht mehr lang. Der Raps färbt sich bereits gelb, 80 Prozent der Kartoffeln sind im Boden und die frühesten Sorten bereits am spriessen. Noch selten war das Frühlingswetter für die Kulturen so optimal wie dieses Jahr.

Das bestätigt auch Geri Busslinger vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg: «Sonne, vergleichsweise hohe Temperaturen und praktisch kein Frost – das sind Bedingungen, wie sie unsere Pflanzen lieben.»

Der milde Winter, erklärt Busslinger weiter, habe schon etwas vorgespurt: «Die Kulturen waren früher bereit als in anderen Jahren, die Bauern konnten rascher wieder auf die Felder fahren.»

Ein optimaler Start ins Jahr

Aus Sicht der Bauern sei der schöne Frühling ein optimaler Start ins Erntejahr: «Dieses Jahr ist vieles schon am Spriessen, was im nassen und kalten Frühling 2013 um diese Zeit noch nicht einmal im Boden war.»

Der Raps sei ungefähr 4 Wochen früher dran als im vergangenen Jahr und 10 bis 14 Tage früher als im langjährigen Durchschnitt, sagt Busslinger: «Wenn es so bleibt, dann dürfen wir uns auf eine frühe und gute Ernte einstellen.»

Wenn es so bleibt. «Warten wir es ab, die Kalte Sophie hat uns im Mai schon oft noch einen üblen Streich gespielt», gibt sich der Sarmenstorfer Martin Baur zurückhaltend. Er hat zwar gestern Morgen, zusammen mit Sohn Remo, die ersten grünen Spargeln geschnitten. Zwei Wochen früher als sonst üblich. Auch mit der Entwicklung der übrigen Kulturen auf dem Hof sind Vater und Sohn Baur sehr zufrieden.

Aber eben, die Eisheiligen mit Mamertus am 11. Mai, Pankratius am 12. Mai, Servatius am 13. Mai, Bonifatius am 14. Mai und der Kalten Sophie am 15. Mai – davor haben die Bauern Respekt.

«Tatsächlich gab es früher um die Zeit der Eisheiligen vielfach noch einmal kalte Nächte mit Frost und somit starke Rückschläge in der Entwicklung der Kulturen oder sogar massive Schäden», sagt Geri Busslinger. Die Erfahrung zeige, dass das heute aber meistens nicht mehr so tragisch sei. Der Respekt bei den Bauern ist dennoch geblieben. So bei Gemüsebauer Roland Steimen in Waltenschwil, bei dem Rüebli und Zwiebeln schon prächtig spriessen. «Das Jahr hat hervorragend begonnen, es ist aber noch lange nicht gelaufen. Eine Ernte ist erst dann wirklich gut, wenn sie auch auf dem Kontokorrent ihre Spuren hinterlassen hat», sagt er mit Humor, was die meisten seiner Kollegen denken: «Wir Bauern sind stark vom Wetter abhängig. Und das macht meistens, was es will.» Wenn das Wetter auch weiterhin keine Kapriolen mehr mache, dann, ja dann könne es ein gutes Jahr werden: «In diesem Fall sind wir mit unseren Produkten früher am Markt und dürfen auf einen optimalen Absatz hoffen», sagt Steimen. Und weist darauf hin: «Blattsalat aus der Region gibt es schon reichlich und in bester Qualität. Die Konsumenten können so vom schönen Frühling profitieren.»

Und bald gibt es auch wieder frische, fruchtige Freiämter Erdbeeren. «Wir sind mit unseren Kulturen rund drei Wochen früher dran als 2013 und rund 2 Wochen früher als im Durchschnitt der letzten Jahre», sagt der Dottiker Markus Wietlisbach. Mit frischen Erdbeeren könne bereits in vier Wochen, also ab etwa Mitte Mai gerechnet werden: «Aber nur, wenn uns die Kalte Sophie keinen Streich spielt», betont Wietlisbach.

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