Boswil
Feuerwehr und Chemiewehr üben den Ernstfall bei Swisspor

Ein Brandausbruch, mehrere Verletzte, ein Leck in einem Tankfahrzeug und akute Explosionsgefahr: Dieses Horrorszenario erwartete die Einsatzkräfte an einer vom Kantonsexperten Chemiewehr durchgeführten Alarmübung.

Hanny Dorer
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In Schutzanzügen und unter Atemschutz bereitet die Chemiewehr das Abdichten des Lecks und das Abpumpen des Tankinhalts vor.
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Der erste Verletzte ist gerettet und wird im provisorischen Verwundetennest betreut.
Die Feuerwehr hat sich bis zum "verletzten" Staplerfahrer vorgearbeitet.
Einsatzleiter Rolf Huber (2. von rechts) gibt Anweisungen, Kantonsexperte Chemiewehr Walter Fiechter (rechts) hört aufmerksam zu.
Aus diesem Schacht musste ein "verletzter" Elektriker gerettet werden.
Das Ausgleichsbecken wird mit Wasser aus der einen Kilometer entfernten Bünz gefüllt.
Gelegentlich herrschte grosser Andrang bei der Einsatzleitung.
Feuerwehr und Chemiewehr üben den Ernstfall bei Swisspor
Martin Tschanz (links), Mitglied der Übungsleitung, informiert den Kantonsexperten über seine Beobachtungen.
Chemiewehrleute bereiten einen Keil vor, um das Leck im Tankfahrzeug zu stopfen.
Nach mehreren Versuchen gelingt es, das Leck abzudichten.
Mit dieser Pumpe wird der Inhalt des Tankfahrzeugs in Kunststofftanks gepumpt.
Zwei Kunststofftanks nehmen den Inhalt des Tankfahrzeugs auf.
Beim Abpumpen der Flüssigkeit.
Dekontamination beim Verlassen der Sicherheitszone.
Die Übungsanlage sieht beim Unfalltanker Feuer vor; deshalb muss erst einmal mit Schaum «gelöscht» werden.

In Schutzanzügen und unter Atemschutz bereitet die Chemiewehr das Abdichten des Lecks und das Abpumpen des Tankinhalts vor.

Toni Widmer

Einmal pro Jahr führt der Aargauer Kantonsexperte Chemiewehr Walter Fiechter eine Alarmübung in einem Betrieb durch, der als Störfallobjekt eingestuft ist, also ein gewisses Gefahrenpotenzial aufweist. Ziel dieser Übung ist es, die Alarmkette und den bestehenden Einsatzplan zu überprüfen.

Dieses Jahr wurde die zur Swisspor-Gruppe gehörende Alporit AG in Boswil dieser Prüfung unterzogen. Alporit stellt hochwertige Dämmstoffe für den Hochbau und die Haustechnik her.

Ein realistisches Szenario

Die Ausgangslage: Ein Gabelstapler kollidiert mit einem Tankfahrzeug bei der Abladestation Tanklager. Dabei beschädigt seine Gabel das Tankfahrzeug, worauf Cyclopentan, eine leicht entzündliche Chemikalie, austritt und sich auf dem Boden ausbreitet. Bei dem Unfall werden der Staplerfahrer und der Chauffeur verletzt. Das auslaufende Cyclopentan entzündet sich, unterfeuert den Tankwagen und entwickelt eine grosse Hitzestrahlung gegen die Gebäudefassade. Ein Handwerker ist in einem Verbindungsschacht eingeschlossen. Es herrscht akute Explosionsgefahr.

Diese Schadenlage trifft der Boswiler Vizekommandant Rolf Huber an, der als erster eintrifft und die Einsatzleitung übernimmt. Als Sofortmassnahme ordnet er die Nachalarmierung der Ortsfeuerwehr Boswil an und bietet gleichzeitig die Stützpunktfeuerwehr Muri, die Chemiewehr Dottikon, die zugeteilten Chemiefachberater sowie Rettungsdienst, Polizei und Amt für Umwelt auf.

Erste Priorität: Rettungen

Als Zuschauer fällt es einem in der ersten etwas lange dauernden Chaos-Phase nicht leicht, den Überblick zu behalten. Anders Einsatzleiter Huber: Er ordnet in erster Priorität die Rettung des verletzten Chauffeurs und des Staplerfahrers an. Da sich letzterer noch auf seinem Fahrzeug in der Gefahrenzone befindet, können sich die Rettungskräfte nur unter Atemschutz und bei gleichzeitigem Löschen des «Feuers» nähern.

Rolf Huber, der inzwischen Unterstützung von der Stützpunktfeuerwehr in der Person von Marcel Schaffhauser erhalten hat, setzt einen Sicherheitsoffizier ein, der für die weiträumige Absperrung des Schadenplatzes sorgt. Das Betriebspersonal wird evakuiert und besammelt sich am dafür vorgesehenen Platz. Währenddessen «löscht» die Feuerwehr weiter, schäumt das ganze Gebiet rund um den havarierten Tankwagen ein, kühlt die Fassade des angrenzenden Gebäudes, um einen Übergriff des Feuers zu verhindern. Wegen des hohen Wasserverbrauchs wird ein Wassertransport ab Bünz erstellt.

Inzwischen ist die Chemiewehr eingetroffen und bereitet sich unter der Leitung von Rolf Schaller, Einsatzleiter Chemiewehr, auf den Einsatz vor.

Durch einen dicken Schaumteppich, der in der Abendsonne wie Pulverschnee glitzert, waten sie in ihren Schutzanzügen zum Havaristen. Nach etlichen Versuchen gelingt es ihnen, das Leck abzudichten. Dann wird der ganze gefährliche Tankinhalt (in dieser Übung gefärbtes Wasser) in Kunststoffcontainer umgepumpt. Während der ganzen Zeit stehen Feuerwehrleute – ebenfalls mit Atemschutz – mit Feuerlöschern bereit, um ein allenfalls wieder ausbrechendes Feuer zu bekämpfen.

Zum Schluss die Dusche

Wer sich innerhalb der Gefahrenzone aufgehalten hat, muss sich am Ende des Einsatzes dekontaminieren, also abduschen lassen, und auch das Material wird sorgfältig gewaschen, bevor es die «kontaminierte» Zone verlassen darf.

«Übung erfüllt» konnte Übungsleiter Walter Fiechter an der abschliessenden Besprechung allen Beteiligten attestieren. Er war mit dem Ablauf des Einsatzes zufrieden, konnte den Einsatzkräften trotzdem noch einige Lehren mit auf den Weg geben.

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