Bremgarten
Ex-Grossrätin Bertschi: «Asylzentren abwehren ist im Aargau ein Wettbewerb»

Juso-Präsident David Roth und Ex-Grossrätin Patrizia Bertschi hielten die 1.-Mai-Ansprachen auf dem Schellenhausplatz. Während sich Roth dem Thema «faire Löhne, bessere Renten» widmet, weitet die Präsidentin von Netzwerk Asyl den Slogan noch aus.

Robert Benz
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Will «faires Leben für alle»: Patrizia Bertschi von Netzwerk Asyl.ROB

Will «faires Leben für alle»: Patrizia Bertschi von Netzwerk Asyl.ROB

Migration komme nicht von ungefähr, liess Ex-Grossrätin Patrizia Bertschi zu Beginn ihrer Rede verlauten: «Solange das Gefälle zwischen armen und reichen Ländern so gross und die Ungerechtigkeiten so massiv sind, so lange werden Menschen migrieren.»

Das Thema der diesjährigen 1.-Mai-Feier «Faire Löhne, bessere Renten» nahm Bertschi zum Anlass «ein faires Leben für alle» zu fordern, insbesondere auch für die Asylsuchenden. «Die, die zu uns kommen, sind doch keine Monster», betonte die Präsidentin von Netzwerk Asyl.

Bertschi warb dafür, die Taktik der kleinen Schritte anzuwenden. Jeder könne etwas tun, um das Gefälle zwischen Arm und Reich zu verkleinern. Das beginne bereits beim Einkaufen, wo «Fairtrade»-Produkte bevorzugt werden könnten. Sie selbst freue sich bereits auf den Herbst, weil dann ein Fairtrade-Smartphone auf den Markt komme.

Appell an die Zürcher

In erster Linie appellierte sie aber an die Zuhörer, Verständnis für Asylsuchende aufzubringen und sich in deren Lage zu versetzen. In Europa sei ein Wettbewerb in Gang: Wer hat die schärfste Asyl-Gesetzgebung?

Im Kanton Aargau komme ein weiterer Wettbewerb dazu: Wer schafft es, ein Asylzentrum abzuwehren? Und an die Bremgarter gerichtet, sagte sie: «Liebe Bremgarter, packt doch diese Chance. Schaut hin, hört hin, besucht die Bewohner des Asylzentrums. Es lohnt sich und ist definitiv nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen.»

Die Rahmenveranstaltung passte zur Rede von Bertschi. Tamilische und serbische Küche erfreute die weit über 100 Zuhörerinnen und Zuhörer in der Altstadt. Zwei tamilische Tänzerinnen gaben zudem eine Kostprobe ihres Könnens und brachten weitere Farbe in die Veranstaltung, die weitgehend vom Regen verschont blieb.

Juso-Präsident David Roth hielt sich genauer ans diesjährige Motto, geisselte in erster Linie die überrissenen Managerlöhne und warb für die 1:12-Initiative. Roth: «Heute beträgt der Lohnunterschied bei den hundert grössten Unternehmen 1 zu 93. Machen wir Blocher und Vasella zur Vergangenheit und nehmen wir uns die Zukunft.»

Kaum waren seine markigen Worte verhallt, düste er los zu seiner nächsten 1.-Mai-Ansprache.

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