Villmergen
«Euse Giovanni bliibt euse Giovanni»

Er wirkte von einer gelungenen Überraschung zum Abschied ziemlich platt und zeigte sich gerührt. Bankleiter Hans Huber wurde nach 34 Jahren bei der Raiffeisenbank Villmergen verabschiedet.

Toni Widmer
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Hans Huber: Von der gelungenen Überraschung zum Abschied ziemlich platt und sichtlich gerührt. Toni Widmer

Hans Huber: Von der gelungenen Überraschung zum Abschied ziemlich platt und sichtlich gerührt. Toni Widmer

«Das isch jez echli vell gsii.» Nur diesen kurzen Satz sagte Hans Huber, als er von der Bühne wieder an seinen Platz in der Villmerger Mehrzweckhalle zurückgekehrt war.

Und weil sich der stets ruhig und beherrscht auftretende Häggliger auch am Schluss seiner 34 Jahre langen Raiffeisenkarriere im Griff hatte, merkte auch kaum jemand, dass er sich verstohlen zwei kleine Tränen aus den Augen wischte.

«Echli vell» – Verwaltungsrat und Personal hatten ihren scheidenden Bankleiter und seine Gattin Benita zünftig überrascht. Es war der letzte Raiffeisen-Mitgliederanlass dieses Jahres und der definitiv letzte für Hans Huber, der 1981 in die Raiffeisenbank Villmergen eingetreten war und 1986 deren Leitung übernommen hatte.

2223 Genossenschafterinnen und Genossenschafter waren in den letzten Wochen bereits an seine Abschiedstour in Dottikon, Dintikon, Hägglingen, Sarmenstorf oder Villmergen gekommen, noch einmal 327 waren es am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle Villmergen.

Hans Huber – der Film

Sie kamen in den Genuss einer Premiere: «Hans Huber – der Film» hatte bisher noch niemand gesehen. Es war die Überraschung zum Schluss.

Im gut gemachten Werk kamen seine Frau und seine Freunde zu Wort, aber auch Arbeitskolleginnen und -kollegen und sogar Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz würdigte die Verdienste von Huber, in dessen langer Ära die Raiffeisenbank Villmergen von der kleinen Darlehenskasse auf vier Geschäftsstellen mit 17 000 Mitgliedern angewachsen war und ihren Umsatz von knapp 60 auf 956 Mio. Franken gesteigert hatte.

Nach dem Film gratulierten die Mitglieder des Verwaltungsrates und die knapp drei Dutzend Mitarbeitenden dem scheidenden Chef und seiner Gattin einzeln mit Händedruck – und von den meisten Damen gab es dazu auch einen herzhaften Kuss auf beide Wangen. Hans Huber war ziemlich platt. Und wer durch ein Teleobjektiv seinem Gesicht etwas näher kam sah auch, dass er ziemlich gerührt war.

Das allerdings hatte man ihm schon bei der Begrüssung angemerkt. Huber wirkte recht bewegt, als er die «Mitbesitzerinnen und -besitzer unserer Bank» zum traditionellen Repräsentationsanlass begrüsste und die aktuellen Zahlen aus dem Jahresbericht bekannt gab – die Bilanzsumme, die im vergangenen Jahr von 912 auf 956 Mio. Franken um knapp 5% gestiegen ist, der Gewinn, der sich um 1,2% auf 1,79 Mio. Franken erhöht hat und die Zahl der Mitglieder, die um 1,3% auf 9642 Personen gewachsen ist.

Zur grössten Bank gewachsen

«Wir sind unter der Leitung von Hans Huber zur grössten Raiffeisenbank im Freiamt geworden und zu einer der grössten in der Schweiz», hatte denn auch Verwaltungsratspräsident Bruno Leuppi in seinem Willkommgruss festgehalten und den Mann vorgestellt, der Hubers Werk weiterführen wird. Am 1. April hat mit Stefan Köchli ein Mann die Bankleitung übernommen, der in den vergangenen 20 Jahren vom Raiffeisen-Lehrling Schritt für Schritt die Leiter zum Chef hochgestiegen ist. «Köchli», sagte der VR-Präsident, «kommt wie Huber aus der Region und er bietet Gewähr dafür, dass unsere sprichwörtliche Kundennähe, die neben der fachlichen Qualifikation unser grosses Plus ist, auch in Zukunft gepflegt wird.»

Und was macht Hans Huber in seinem dritten Lebensabschnitt, der gestern begonnen hat? Kauft er sich jetzt wirklich eine Harley? Auch Jörg Meier, der mit Rentner Huber und Newcomer Köchli ein spannendes Interview führte, konnte dem Häggliger keine konkrete Antwort entlocken. Für Hubers langjährigen Freund und Weggefährten, der im Abschiedsfilm zu Wort kam, ist hingegen eines klar: «Euise Giovanni bliibt euise Giovanni.»

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