Nach einem Schultag ist Hündin Chiara fix und fertig. Kein Wunder: «Diese Stunden sind sehr anstrengend für einen Hund: Er nimmt sämtliche Stimmungen im Schulzimmer auf und ist stets wachsam, auch wenn er scheinbar in einer Ecke schläft», erklärt Barbara Rufer. Sie ist Dozentin am Freiburger Institut für Tiergestützte Interventionen und unterrichtet 16 Lektionen an einer 9. Sekundarschulklasse in Schnottwil.

«Das ist die maximale Zeitdauer, die ich Chiara zumuten kann», sagt sie. Was für den Hund Schwerstarbeit bedeutet, wirkt auf Schülerinnen und Schüler äusserst entspannend: «Ein Hund wertet nicht, ihm ist egal, ob jemand Pickel hat, unsicher ist oder schlecht lesen kann. Allein durch seine Gegenwart wird die Atmosphäre viel ausgeglichener und ruhiger.»

Neues Modul «Schulhund»

Diese positiven Auswirkungen haben das Interesse von Lehrerinnen und Lehrern geweckt. Deshalb wird Monika Rufer ab diesem Sommer ein neues Einzelmodul «Schulhund» für Lehrpersonen anbieten, die nicht die ganze Ausbildung absolvieren, sondern lernen wollen, wie sie sich und ihren Hund auf die Aufgabe als Schulhund vorbereiten können. «Bei uns werden nicht die Tiere ausgebildet, sondern die Menschen, damit sie wissen, was sie ihren Tieren zumuten können», erklärt Dozentin Rufer.

Das fängt schon mit der Wahl des geeigneten Hundes an. Interessierte müssen wissen, wie sie diesen schon von klein auf an verschiedene Situationen gewöhnen können oder welches die vielen individuellen Stress-Symptome beim Hund sind. «Es geht nicht darum, einfach mal den Hund der Nachbarin mitzunehmen», betont Rufer. «Diese Arbeit, bei der Lehrkräfte gleichzeitig ihre Schüler und ihren Hund berücksichtigen müssen, ist anspruchsvoll und erfordert fundiertes Wissen.»

Bei Lärm bellt Moab

Eine Absolventin des ersten Lehrgangs für Tiergestützte Pädagogik und Therapie ist Linda Stutz. Sie arbeitet als Heilpädagogin an der Primarschule Berikon, wo sie Schulkinder von der ersten bis zur fünften Klasse betreut. Ihr zweijähriger fuchsfarbener Toller Moab begleitet sie dabei.

Teils arbeitet das Gespann mit der ganzen Klasse im Klassenzimmer, teils mit einem einzelnen Kind in einem separaten Raum. «In einer Einzeltherapie lasse ich beispielsweise ein Kind eine Becherpyramide bauen, um Motorik und Zählen zu trainieren. Unter einem der Becher darf es ein Hundebiskuit verstecken.

Wenn die Pyramide vollendet ist, darf das Kind mit einer Armbewegung dem Hund das Zeichen geben, dass er das Biskuit suchen darf», erzählt die Heilpädagogin. «Diese Übung gefällt beiden.» Auch im Schulzimmer arbeitet Moab oft aktiv mit und darf beispielsweise den Ball zurückholen, den seine Besitzerin einem Schulkind zugeworfen hat.

Manchmal liegt er auch still auf seiner Decke, beobachtet und verbreitet eine angenehme Ruhe: «Die Kinder lernen, dass Hunde ein sehr feines Gehör haben und sie daher nicht zu laut sein dürfen», so Linda Stutz. «Sobald der Geräuschpegel trotzdem zu hoch wird, bellt Moab ein, zwei Mal – und sofort wird die Klasse ruhiger.»

Dank Schulhunden lernen Kinder soziale Kompetenzen, Rücksichtnahme auf andere Lebewesen, aber auch viel über Nähe und Distanz, wenn sie beispielsweise akzeptieren müssen, dass ein Hund jetzt Ruhe braucht und nicht gestreichelt werden möchte.

Manche Kinder gewinnen Selbstvertrauen, wenn sie den Hund an der Leine halten dürfen und lernen, ihn zu führen. Bei anderen Kindern erleichtert der Hund ganz einfach den Einstieg: «Verschlossene Kinder, zu denen ich schwer einen Zugang finde, öffnen sich viel rascher, weil sie sich durch die Nähe eines Tiers bestärkt fühlen und das Gespräch quasi via Hund verlaufen kann», weiss die Heilpädagogin aus Erfahrung.

Wichtig ist allerdings, dass die Schulleitung und die Schulpflege das Mitbringen eines Schulhundes offiziell gestatten und die Eltern informiert sind. Die Zahl der Schul- und Therapiehunde ist nicht registriert, Tatsache ist aber, dass sie voll im Trend liegen: Viele Lehrkräfte träumen von einem magischen Mittel für unbändige, laute Klassen. Für einige existiert es bereits und heisst Moab, Bello oder Chiara.

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