Wohlen
Eine Traditionsbeiz macht Schluss: Im «Chäber» geht eine Ära zu Ende

Am Wochenende nahmen Stammgäste und Gelegenheitsbesucher Abschied vom «Chäber», jedoch nicht ohne noch einmal richtig zu feiern. Nach mehr als 50 Jahren hört die beliebte Wirtin Irma Koch auf – ihrer Gesundheit zuliebe.

Verena Schmidtke
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Auch «D’Aaschmierer» (links) nahmen Abschied von der Traditionsbeiz «Chäber» mit Wirtin Irma Koch.

Auch «D’Aaschmierer» (links) nahmen Abschied von der Traditionsbeiz «Chäber» mit Wirtin Irma Koch.

Die Traditionsbeiz «Chäber» feierte am Wochenende ein Abschiedsfest. Dabei wurde allen Stammgästen und auch denen, die vielleicht nur zur Fasnacht auf einen Absacker hereinschauten, klar: Jetzt ist es wirklich der Moment, Abschied zu nehmen. Nach mehr als 50 Jahren hört die beliebte Wirtin Irma Koch ihrer Gesundheit zuliebe auf.

Ein Leben nach dem «Chäber»

Es herrschte ausgelassene Partystimmung, gemischt mit Wehmut. Um 20 Uhr präsentierte die Wohler Schnitzelbank «Kammersänger» ein humorvolles Programm rund um den «Chäber». Darin verwiesen sie auch darauf, wie viele Beizen im Laufe der Jahre verschwunden sind. Und fragten sich: «Wo sollen wir denn nun hin?» Etwa eine Stunde darauf feierten D’Aaschmierer die Beiz und Wirtin Irma Koch in einem begeistert bejubelten «Irma Spezial» und erklärten: «Es gibt ein Leben nach dem Chäber. Aber das Problem ist, wir sind noch auf der Suche.»

So gut wie alle Stammgäste bekundeten, der «Chäber» sei für sie Heimat und Familie. Natürlich seien sie traurig über Irma Kochs Abschied, könnten ihre Entscheidung aber verstehen. Schliesslich sei die Gesundheit wertvoll und sie solle ihren verdienten Ruhestand im Alterszentrum Casa Güpf geniessen. Viele lassen es sich nicht nehmen und besuchen ihre Lieblingswirtin dort.

Wie Irma Koch, die im Oktober 87 Jahre alt wird, im Gespräch mitteilt, würde sie noch 50 Jahre weitermachen, wenn es denn die Gesundheit zuliesse. «Ich wäre froh, wenn es nicht so wäre, wie es ist», sagte sie. «Es war eine gute Zeit mit vielen schönen Erinnerungen.» Auf die Frage, ob sie etwas besonders vermissen werde, antwortet sie: «Alles.» Doch trotz aller Wehmut freue sie sich, dass so viele zu dem Abschiedsfest gekommen seien.

Organisator der Feier war Beat Koch, der Neffe der beliebten Wirtin. Es sei ja ein Prozess gewesen, bis die Entscheidung feststand, dass seine Tante aufhöre, erzählte er. Aber bei einer Institution wie dem «Chäber» könne man nicht einfach Schluss machen und ein «Geschlossen»-Schild an die Tür hängen. Also organisierte Koch ein Abschiedsfest, wobei ihn die Wohler Fasnachtsclique Götti-Gesellschaft tatkräftig unterstützte. «Es ist toll, wie viele bei der Feier und auch schon bei den Vorbereitungen halfen», freute er sich. Und er verwies noch auf die Wohler Jazz-Night am 3. Juni: Die habe schliesslich ihren Ursprung im «Chäber». Was den Stammtisch angehe, so Beat Koch, so sei geplant, diesen ab Anfang August in der Casa Güpf einzurichten.

Zum Abschluss der Abschiedsvers der Aaschmierer aus ihrem «Irma Spezial»:

«Wohle dankt Dir und mir au,

Dir, Irma, Du spezielli Frau.

Mir danke Dir für tolli Stunde

Mit Dir im «Chäber» do am Runde.

Du hesch jetzt gnue und dankisch ab,

Seisch allne Tschüss und hausch jetzt ab.

Machet’s guet, Irma! –

Was gäbt’s no z’sääge?

Heb Sorg, und gnüüss Dys neue Lääbe.»