Schnuppertag
Die Freiämter Baumeister machen mobil: «Uns geht der Nachwuchs aus»

Damit die Freiämter Baumeister auch in Zukunft noch über genügen Personal verfügen, haben sie Jugendliche, die vor der Berufswahl stehen, zu einem Informationstag über die Bauberufe eingeladen. 120 Schülerinnen und Schüler lernten auf einer Baustelle die Berufe des Baugewerbes kennen.

Toni Widmer
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Schnuppertag bei Notter Hochbau
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Die Schülerinnen und Schüler konnten sich unter kundiger Anleitung in verschiedenen Tätigkeiten versuchen, ...
... die auf dem Bau zu erledigen sind.
Die Mutigsten durften auch bis ganz oben auf den grossen Baukran klettern.

Schnuppertag bei Notter Hochbau

Toni Widmer

Mit dem kleinen Bagger ein Senkblei zielgenau platzieren, mit der Pflasterkelle die richtige Dosis Zement auf einen Backstein aufbringen und diesen im Lot richtig setzen, Bretter für eine kleine Schalung sägen und sie zusammennageln, Abflussrohre legen oder auf den grossen Baukran klettern – den 120 Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Freiämter Gemeinden ist es auf der Grossbaustelle der Wohler Firma Notter Hochbau in Stetten am Dienstag nicht langweilig geworden. Sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 75 Wohnungen sind hier im Entstehen, da braucht es viele fleissige Berufsleute mit geschickten Händen.

Firmen spannen zusammen

Damit die Freiämter Baumeister auch in Zukunft noch über genügen Personal verfügen, haben sie Jugendliche, die vor der Berufswahl stehen, zu einem Informationstag über die Bauberufe eingeladen. Organisiert wurde der Tag von den Baumeistern Karl Gisi AG, Dottikon, Xaver Meyer AG, Villmergen, Notter Hochbau, Wohlen, Leuthard AG, Merenschwand, H. Graf AG, Zufikon und Huwyler & Portmann, Niederwil.

Der Baumeisterverband bot die nötige Unterstützung, unter anderem mit dem Infomobil, in dem sich die Jugendlichen mit Videos und schriftlichen Unterlagen detailliert über die möglichen Ausbildungen in der Baubranche informieren konnten.

Es fehlt an Nachwuchs

«Uns geht der Nachwuchs aus, wir müssen vermehrt Werbung für unsere Branche machen und den jungen Leuten zeigen, dass wir attraktive Berufslehren und Jobs bieten können», sagte Timo Gisi von der Karl Gisi AG.

In den vergangenen 10 bis 15 Jahren sei beim Nachwuchs ein Einbruch von gegen 40% zu verzeichnen. «Diesen Sommer haben im Aargau lediglich knapp 50 Jugendliche eine Lehre in einem Bauberuf begonnen. Das macht uns Sorgen, wir müssen und wollen Gegensteuer geben», erklärte Gisi weiter.

Er führt den Rückgang nicht primär auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurück. «Damit hat es sicher auch zu tun. Doch ich vermute, dass es auch an unserem Image liegt. Die Bilder vom verruchten ‹Bauchnüttel› mit der Maurerkelle in der rechten und der Bierflasche in der linken Hand sind leider noch nicht aus allen Köpfen verschwunden.»

Den Ruf des Baugewerbes weiter zu verbessern, zu zeigen, wie seriös (und nüchtern) auf den Baustellen gearbeitet werde und wie gut die Aus- und Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten im Baugewerbe seien – das sei ein Ziel dieses Berufsinformationstages.

Freude am Beruf ist zentral

Zeigen, fuhr Gisi weiter, wolle man aber insbesondere auch, mit wie viel Freude die Handwerker auf dem Bau ans Werk gingen und wie wichtig das Team auf einer Baustelle sei. Für den Informationstag hatten die Freiämter Baumeister eigens Lehrlinge und junge Berufsleute nach Stetten geschickt, die den zumeist sehr interessierten Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort standen.

«Ich habe zuerst Zimmermann gelernt und lerne jetzt noch Maurer. An meinem Beruf gefällt mir, dass ich am Abend sehe, was ich den Tag hindurch gemacht habe», erklärte ein junger Mann. Und sein Kollege erklärte einer Schülerin mit leuchtenden Augen: «Am Sonntag fahre ich manchmal mit meiner Freundin an einer Baustelle vorbei und zeige und erkläre ihr den Baufortschritt. Ich bin stolz auf meinen Beruf und gehe jeden Tag gerne zur Arbeit. Wir machen etwas, das Jahre überdauert und Menschen Freude macht.»

«Es ist mega spannend»

Sämi (14) aus Waltenschwil war schon nach der Hälfte des sehr informativen und abwechslungsreichen Rundgangs überzeugt: «Mega spannend, was die hier machen, und vor allem, wie sie das machen. Das macht mir Eindruck und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich mich demnächst bei einem dieser Betriebe für eine Schnupperwoche melde.»

Auch seinem Schulkollegen Leon (13) aus Niederrohrdorf, der mit ihm zusammen die Privatschule «Lern mit» in Wohlen besucht, gefiel das, was die Baumeister, Handwerker und Lehrlinge zeigten. Doch: «Ich möchte beruflich eher etwas mit Lebensmitteln machen. Trotzdem ist das hier für mich spannend, man soll sich ja immer auch mit Varianten beschäftigen.»

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