Bettwil
Die ersten Kinder kamen aus dem Altersheim

Vor 20 Jahren eröffnete Heidi Furrer die Kita Schnäggehuus in der alten Dorfschmiede. Früher waren die Plätze im Schnäggehuus sogar noch begehrter als heute.

Andrea Weibel
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Heidi Furrer mit «ihren» Kindern, die sich auf dem grossen Bauernhof rund um die Kita Schnäggehuus in der alten Schmitte in Bettwil austoben können. zvg

Heidi Furrer mit «ihren» Kindern, die sich auf dem grossen Bauernhof rund um die Kita Schnäggehuus in der alten Schmitte in Bettwil austoben können. zvg

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Heidi Furrer war arbeitslos. Als Kleinkinderzieherin fand sie keine Stelle, so meldete sie sich beim RAV an. Und genau von dort kam die Anfrage, die alles verändern sollte: «Ausgerechnet das Altersheim in Villmergen fragte beim Arbeitsvermittlungsamt wegen einer Tagesmutter an», lacht Furrer heute. Tatsächlich suchte das Heimleiterpaar jemanden, der auf seine beiden Kinder aufpassen könnte.

So begann, was in der Erfüllung eines Traumes endete: Die alte Dorfschmiede und Werkstatt neben dem Haus, in dem sie zusammen mit ihren acht Geschwistern aufgewachsen war, baute Heidi Furrer zur Kindertagesstätte Schnäggehuus um. «Anfangs verteilte ich Flugblätter, viel Werbung ging aber auch von Mund zu Mund, sodass ich von Anfang an immer etwa sechs bis zwölf Kinder betreuen konnte, damit war ich auch vom Platz her ausgelastet.»

Doch gab es 1996 überhaupt schon eine Nachfrage nach Kindertagesstätten im ländlichen Freiamt? Ja, sagt Furrer. Damals seien diese Plätze sogar noch begehrter gewesen als heute. «Es gab so etwas halt noch fast nirgends, da brachten die Eltern ihre Kinder auch von weiter her. Heute gibt es Kitas in fast allen Dörfern, da sind wir für viele schon zu weit abgelegen.»

Dennoch ist das Schnäggehuus gut ausgelastet. «Und der Vorteil daran, dass wir hier auf dem Lindenberg sind, ist neben der atemberaubenden Aussicht und der Lage über der Nebelgrenze auch der Platz, der unendlich viele Spielmöglichkeiten im Freien bietet. Hier dürfen die Kinder noch Kinder sein.»

Mueti, Benno und der Onkel

Das Alter der Schützlinge im Schnäggehuus reicht vom Baby bis zum Kindergärtler. «Dank dem bunten Altersmix lernen sie, Rücksicht zu nehmen, und die Kleineren profitieren von den Fortschritten der älteren Kinder», erklärt Furrer. Die Kita lief von Anfang an gut. Von diesem Erfolg beflügelt, bildete sich die Leiterin systematisch weiter. Seit 2000 bietet sie für Praktikantinnen Arbeitsplätze an, seit 2005 auch für Berufslernende.

Zudem wird die Kita von Furrers Familie und ihrem Umfeld unterstützt. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei das «Mueti», das mittlerweile ihren 95. Geburtstag gefeiert hat und von Anfang an Anlaufstelle für die Kinder war. Sie dürfen sie in ihrer Wohnstube besuchen und ihr berichten. Und auch Benno, Heidi Furrers Bruder, wäre aus der Kita-Küche nicht mehr wegzudenken.

Seit sechs Jahren lässt er die Kinder in der Küche mithelfen und hat sich längst in ihre Herzen gekocht. «So manches Mami hat schon nach dem Geheimrezept von Bennos Gemüsesuppe gefragt, weil ihre Kinder diese nur bei Benno essen», berichtet die Kitaleiterin schmunzelnd.

Auch im benachbarten Bauernhof sind die kleinen Entdecker regelmässige Gäste. Und der Umgang mit den Katzen, Hasen und Schildkröten in der Kindertagesstätte lehrt sie, Verantwortung zu übernehmen. Zum Abschluss des Tages kommt stets der Geschichten-Onkel Hansruedi vorbei, ein Pensionär aus Bettwil, der den Kleinen jeden Tag eine neue Geschichte erzählt.

«Die Kinder lieben es, ihm zuzuhören, und fragen ihm Löcher in den Bauch. Das Geschichtenritual macht ihnen ausserdem bewusst, dass der Tag zu Ende geht», erklärt Heidi Furrer. Sie ist glücklich, dass sie ihren Traum einer Kita seit 20 Jahren leben kann. Und das wird bald mit Torte gefeiert.

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