Wohlen
Die Ära Chäber ist definitiv vorbei – Irma Koch bleibt im Altersheim

«Irgend einmal hört es halt einfach auf. Ich bin müde und ich mag nicht mehr.» – Irma Koch wird ihren «Chäber», in dem sie 53 Jahre lang gewirtet hat, nicht mehr öffnen.

Toni Widmer
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Irma Koch («Chäber») kurz nach ihrem 85. Geburtstag im Herbst 2014 in ihrem Restaurant, das sie seit über 50 Jahren führt. Archiv/az

Irma Koch («Chäber») kurz nach ihrem 85. Geburtstag im Herbst 2014 in ihrem Restaurant, das sie seit über 50 Jahren führt. Archiv/az

Andrea Weibel

Irma Koch bleibt im Alterszentrum Casa Güpf und will dort ihren Lebensabend noch etwas geniessen: «Man schaut für mich, man pflegt mich, ich kann ausschlafen, muss nicht kochen, kann mich an einen gedeckten Tisch setzen – mir ist wirklich wohl hier», sagt sie.

Der «Chäber» war für Irma Koch mehr als ein Restaurant. Es war ihr Lebensinhalt. Sie hat das kleine Lokal an der Bremgarterstrasse zu einer Institution gemacht, zum «Wohnzimmer von Wohlen», wie Bundesrätin Doris Leuthard im Vorwort zu einem Buch geschrieben hat, das im Oktober 2009 zu Irmas 80. Geburtstag erschienen ist.

«Es ist gar nicht so schlimm»

Tut ihr der Abschied nicht weh? «Ich gewöhne mich daran. Es ist irgendwie gar nicht so schlimm, mit dem Gedanken zu leben, dass ich jetzt nicht mehr Wirtin bin.» Wirten, sinniert die 86-jährige weiter, bestehe nicht nur aus Getränken servieren und mit den Gästen plaudern: «Wirten ist kein Spaziergang. Damit hängt vieles zusammen, das man von aussen nicht sieht. Und ich habe einfach die Kraft nicht mehr, das alles zu bewältigen. Irma Koch sagt’s und wirkt nicht deprimiert, sondern im Gegenteil sogar irgendwie erlöst.

«Es war eine wunderbare Zeit, jeder Tag für sich brachte ein neues, spezielles Erlebnis. Ich habe die Zeit genossen. Aber es war auch eine strenge Zeit, für eine Frau allein», sagt Irma und schiebt nach: «Ich muss dem Herrgott dafür danken, dass ich das so lange machen konnte.»

Den Kontakt mit den Leuten, den werde sie schon vermissen und die vielen guten Gespräche. Doch: «Oft war ich auch froh, dass ich am Morgen ins Restaurant hinunter und am Abend wieder nach oben gehen konnte.» Jetzt könne sie am Morgen länger liegen bleiben und müsse, wenn sie müde oder gesundheitlich angeschlagen sei, nicht mehr denken: «Du solltest doch dein Restaurant öffnen.»

Götti’s richten ein Fest aus

Der «Chäber» geht mit Irma zusammen noch drei Tage auf. Am Wochenende vom 27./28. Mai richtet die Götti-Gesellschaft für sie ein grosses Abschiedsfest aus. «Irma kann sich einfach hinsetzen und das Fest geniessen. Für die Organisation und die Bewirtung sorgen die Mitglieder der Fasnachtsclique», sagt Beat Koch. Der Neffe von Irma ist zusammen mit weiteren Verwandten beim Übertritt in den neuen Lebensabschnitt behilflich.

Auch Jazz gibts noch einmal im Chäber: «Am 3. Juni, an der Jazz-Night der IBWohlen AG, lassen wir es zum letzten Mal richtig fetzen», verspricht Beat Koch, der dann selber auch auf der Bühne im «Chäber» stehen wird.

Ob die kleine Kult-Beiz danach noch einmal wieder aufgeht, steht im Moment noch in den Sternen. «Einfach würde das nicht, man müsste wohl zuerst viel investieren», sagt Irma Koch. Der Vermieter war gestern für eine Aussage zur Zukunft des Restaurant Weber nicht erreichbar.