Bünz
Deshalb würde eine neue Eishalle auch den Forellen in der Bünz guttun

Von der Kunsteisbahn wird seit 35 Jahren Eis in die Bünz gekippt– das ist zwar legal, hat aber Folgen für die Fische: Das Eis beschädigt deren Laichplätze und Laich. Deshalb soll auf die Praxis verzichtet werden, wenn eine neue Eishalle gebaut wird.

Andrea Weibel und Manuel Bühlmann
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In Wohlen wird das Eis der Schlittschuhbahn direkt an und in die Bünz gekippt. aw

In Wohlen wird das Eis der Schlittschuhbahn direkt an und in die Bünz gekippt. aw

Der kleine Eisberg bei der Kunsteisbahn Wohlen ist im Winter gar nicht mehr vom Bünzufer wegzudenken – und das schon seit 1976, als das Eisfeld gebaut wurde. Es handelt sich um jenes Eis, das die Putzmaschine im Winter täglich etwa zehn Mal vom Schlittschuhfeld wischt und zur Bünz karrt. Dafür hat die Eisbahngenossenschaft eine Bewilligung: «In den 90er-Jahren wurde das in Zusammenarbeit mit Fischereiexperten geprüft und bewilligt», so Arno Stöckli, Fachspezialist Oberflächengewässer des Kantons. Das Wasser dürfe nicht mit Chemikalien belastet und nicht um mehr als drei Grad erwärmt oder abgekühlt werden. Beide Bedingungen seien erfüllt. Falls aber eine neue Eishalle gebaut wird, soll dieser Usus trotzdem abgeschafft werden, denn ganz ohne Folgen fürs Ökosystem Bünz bleibt das Eis nicht.

Laichplätze werden abgeschliffen

«Wir deponieren das Eis teils am Ufer, teils direkt in der Bünz», sagt Eismeister Stefan Meier. In Wohlen sind das täglich rund 20 Kubik. Die Abkühlung des Wassers, die eine so kleine Schneemenge bewirke, störe die Fische nicht, hält Armin Geissmann, Pressesprecher des Aargauischen Fischereiverbandes (AFV) und Wohler Fischer, fest. Das Problem sei das Eis in der Bünz: «Durch die Eisstücke, die sich erst auf ihrem Weg die Bünz hinunter ganz auflösen, werden Laichplätze der Forellen teilweise abgeschliffen und der Laich beschädigt.» Erschwerend komme hinzu, dass die Laichzeit der Forellen von Dezember bis März dauert – also genau während der Hauptsaison der Schlittschuhbahn.

«Wir haben festgestellt, dass unterhalb der Kunsteisbahn für einige Hundert Meter kaum Jungfische vorkommen, obwohl es dort sehr gute Laichplätze gibt.» Damit müssten die Fischer und Naturschützer jedoch leben – und das können sie auch, relativiert Geissmann. Denn die Voraussetzungen oberhalb der Eisbahn, wo die Bünz durch Wohlen fliesst, seien «hervorragend», sodass dort sehr viele Forellen heranwachsen können. «Und zusammen mit dem Pflichtbesatz an Sömmerlingen, also noch nicht fischbaren Jungtieren, die wir jährlich aussetzen müssen, gleicht sich der Fischbestand gut wieder aus.»

Der Wohler FDP-Einwohnerrat und Verfechter einer «humanen Fischerei» wünscht sich aber, dass die Eisentsorgung nach dem Bau der neuen Eishalle, die in Wohlen derzeit zur Diskussion steht, anders gelöst werden kann. Davon geht auch der Kanton aus: «Die Entsorgung in der Bünz ist nicht ideal. Solange die neue Halle aber in Planung ist, werden wir daran nichts ändern», so Arno Stöckli.

Verschiedene Alternativen

Eine geeignete Alternative zu finden, wird die Aufgabe des Architektenteams um Projektleiter Frank Schneider (phalt Architekten AG, Zürich) sein, das den Projektwettbewerb für Badi und Eishalle im Dezember gewonnen hat. «Solche Details werden zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert», sagt er.

Alternativen gibt es einige. Gary Hufschmid, Betriebsleiter der Kunsteisbahn und Vizepräsident der Eisbahngenossenschaft, kennt sich damit aus. In Sursee beispielsweise werde das Eis gleich neben dem Feld in einer Grube geschmolzen, erwärmt und anschliessend wieder aufs Feld gebracht, berichtet er.

Auf der Kunsteisbahn Tägi in Wettingen wird das Eis in einer nahen Schneegrube mithilfe von Leitungswasser zum Schmelzen gebracht. Fällt viel Schnee, ist die Grube zu klein, weil es ein Vielfaches der üblichen Menge zu beseitigen gilt. «In diesen Fällen werden Eis und Schnee im Wettinger Gartenbad abgeladen», sagt der Wettinger Eismeister Markus Ernst. In der Nähe des Tägis gebe es schliesslich keinen Bach, der das Eis aufnehmen könne.

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