Bremgarten
Den eisigen Toten ins Theater gezerrt

«S gfrornig Härz», die neue Eigeninszenierung des Kellertheaters Bremgarten, ist eine Komödie um Geiz und Profitgier. Am Anfang steht die Frage, auf wessen Boden ein armer Clochard den Schirm zugemacht hat.

Brigitte Santmann Rubin
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Das Ensemble des Bremgartner Kellertheaters hat die Bühne schmaler gemacht. Das Schicksal des erfrorenen Clochards rückt so ein Stück näher ans Publikum.

Das Ensemble des Bremgartner Kellertheaters hat die Bühne schmaler gemacht. Das Schicksal des erfrorenen Clochards rückt so ein Stück näher ans Publikum.

Brigitte Santmann

Es ist bitterkalt, als ein Schirmflicker und Clochard nach einigen Schnäpsen beschliesst, zu später Stunde durch Schnee und Eis vom Dorf Vorderau zu seiner Rosi ins benachbarte Hinterau zu stapfen. Am nächsten Tag findet ihn sein Kumpel, der Korber, erfroren und erstarrt unweit der Grenze auf Hinterauer Boden, was den dortigen Gemeindeammann dazu veranlasst, die Leiche ein paar Meter zurück nach Vorderau zu verlegen.

Aber auch die Vorderauer sind wenig geneigt, den Landstreicher zu beerdigen. Erst als die Hinterauer ein Testament finden, das die Deckung der Kosten für ein feierliches Begräbnis verspricht, erwärmen sie sich für den armen Erfrorenen, und geschäftig legen sich Wirt, Metzger, Sargschreiner und Pfarrer ins Zeug.

Das Stück «S gfrornig Härz» basiert auf dem Film «Das gefrorene Herz» von Xavier Koller von 1979. Koller hat eine Geschichte des Schwyzer Schriftstellers Meinrad Inglin – Begräbnis eines Schirmflickers – nicht nur filmisch umgesetzt, sondern durch etliche Motive und Figuren erweitert.

Kantige Figuren, karge Dialoge

Während der Film stark geprägt ist vom Schnitt zwischen den zwei Ortschaften und von der verschneiten Landschaft, müssen die kargen und schlichten Dialoge auf der Bühne auch ohne diese Möglichkeiten wirken.

Dies geschieht nicht etwa dadurch, dass die Stille der fallenden Schneeflocken mit zusätzlichen Wörtern aufgefüllt würde – im Gegenteil: Die kantigen und knorrigen Figuren, wie sie sich im Lauf der Proben herausgeschält haben, bleiben einsilbig und verstockt. «Ein Schlüssel zum «Umzug» auf die Bühne war die Musik», erklärt Regisseur Simon Ledermann. So ist es in erster Linie die Musik, die die starke Emotionalität des Films auf die Bühne transportiert.

Frömmigkeit wird zum Thema

Das Theaterteam hat die Geschichte in die Mitte der Gesellschaft transportiert. Spielt das Stück bei Koller irgendwo in einem fernen «Chrache» in der Innerschweiz und noch dazu in der Vergangenheit, so ist die Geschichte nun im Hier und Jetzt angelangt; man merkt es daran, dass eine Gemeindepräsidentin vorkommt und dass uns die Figuren überhaupt seltsam vertraut sind. «Witz und Gier der Figuren scheinen bekannt. Woher kennen wir diese Dörfler und Landstreicher?», fragt Ledermann rhetorisch.

Es ist ein Volkstheaterstück, lebensnah und bodenständig. Es handelt von den Nachbarn und ist gemacht für die Nachbarn. Die Bühne, doppelt so breit und halb so tief wie üblich, drängt die Schauspieler nahe zum Publikum und verdichtet die Atmosphäre noch mehr.

Dennoch ist das Stück kein Schwank – zu ernst ist die Geschichte dahinter, zu tragisch im Grunde die Magd des Gemeindepräsidenten, die von ihm als Blitzableiter benutzt wird und natürlich der arme erfrorene Teufel selber. Frömmigkeit wird zum Thema, Werte hinterfragt. So bietet «S gfrornig Härz» komische Unterhaltung, die doch ab und zu ein bisschen wehtut.

Premiere im Kellertheater ist am Samstag, 28. Februar, um 20.15 Uhr. Karten gibt es bei Cartouche & Emma, Marktgasse 25, Bremgarten (Tel. 056 633 44 22).

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