Villmergen
Club der Hopfenfreunde will Guinnessbuch-Eintrag im «Villmärgerle»

Feste Regeln fürs Villmärgerle gibt es nicht, ein Fest hingegen schon. Wie bei jedem sympathischen Brauch dauerte es eine Weile, bis jemand das grosse Potenzial auszuschöpfen vermochte. Der Club der Hopfenfreunde will nun den Rekord schaffen.

Robert Benz
Drucken
Urs Koepfli (links), Eric Notter, Erwin Brunner, Jonas Wermelinger und Patrick Reichle gehen mit gutem Beispiel voran.

Urs Koepfli (links), Eric Notter, Erwin Brunner, Jonas Wermelinger und Patrick Reichle gehen mit gutem Beispiel voran.

rob

So unerwartet wie Artus Exkalibur aus dem Fels zog, schüttelte der Club der Hopfenfreunde das Proschtfäscht aus dem Ärmel. Ende August ist es so weit: Bei der katholischen Kirche in Villmergen findet der Weltrekordversuch im Villmärgerle statt, und zwar so richtig offiziell mit Spielregeln und «Proschtbüro». Kerngedanke: Wie viele Leute können mit wie vielen Leuten wie oft anstossen? Im Idealfall resultiert für die Villmerger ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.

Global gesehen ist die Konkurrenz beim Villmärgerle noch übersichtlich. Das geben die Veranstalter des Dorffests unumwunden zu. Dennoch hat Guinness World Records dem Unterfangen einen internationalen Namen verpasst. Der Rekord heisst «the whole village is clinking glasses» – das ganze Dorf stösst an.

Der englische Name gibt dem Ganzen einen globalen Charakter», lässt Jungtrinkerausbildner, Alleinschläfer, Stiftungsrat und Unterfreiämter Protestant Urs Koepfli vom Club der Hopfenfreunde ausrichten, ein Augenzwinkern begleitet seine Botschaft.

Villmärgerle bedeutet, sein Glas mehr als einmal zu erheben. Wie oft, sei dahingestellt, Hauptsache oft genug. In geselliger Gemeinschaft wird bei jedem Neuankömmling in der Runde, sei dies nun Mensch, Bier oder Cola, allen Mittrinkern zugeprostet, nicht nur dem Neuling. Jüngere Villmerger kommen normalerweise ohne solch triftige Gründe aus. Da reicht schon ein gelungener Spruch für eine Runde Villmärgerle. «Dass nach dem Anstossen ein Schluck getrunken wird, ist anständig und gehört dazu. Eine Regel gibt es aber nicht», erklärt Patrick Reichle, auch er ein Hopfenfreund. Das Mitgliederverzeichnis des Clubs weist ihn ausserdem als Auktionator, Privatperson und Blueschtfahrt-Organisator aus. Im Club-Jahr der Hopfenfreunde stellt die Blueschtfahrt, die Frühlingsreise, einen Fixpunkt dar. Bei solcher Gelegenheit entstand die Idee fürs Proschtfäscht.

Am ersten Proschtfäscht-tag , dem 30. August, bringen sich die Villmerger und ihre Gäste für den Weltrekord vom Samstag in Stimmung. «Wir sind um jeden Proster froh, der nach Villmergen kommt, um mit uns anzustossen», sagt Urs Koepfli und meint ausnahmsweise etwas ernst. Für drei Stunden wird das Festzelt geräumt und eine Proschtzone eingerichtet. Wer hinein will, muss sich beim Proschtbüro registrieren und erhält im Gegenzug einen Haufen Kleber mit persönlicher Nummer und ein Scheckbuch mit «Proschtschecks». Dann geht es los: Bier fassen und anstossen, am besten mit jedem, der einem in die Quere kommt. Nach Erklingen der Gläser kleben beide ihre Nummer auf den Proschtscheck und bringen diesen zum Proschtbüro. Laufend wird am Proschttotomat der Zwischenstand aktualisiert und Andy Koch, der Präsident der Hopfenfreunde, fordert gesprächsfreudige Gäste zum weiterprosten und Schnellproster zu mehr Anstand auf. «Es soll ein Fest für alle sein, nicht nur für die Villmerger, aber ein Saufgelage auf keinen Fall», so Koepfli. Offenbar gibt es doch ein paar Regeln.

Aktuelle Nachrichten