Boswil
Kanalisation statt Güllengrube: So kann Weissenbach endlich ein Weiler werden

In der Gemeinde Boswil gibt es zwei zusammenhängende Gebiete, in denen das Abwasser in landwirtschaftliche Güllengruben abgeführt wird. Der Gemeinderat beantragt nun, dass auch diese an eine Kanalisation angeschlossen werden. Für das Gebiet Weissenbach würde das die Grundlage zur schon längst vorgesehenen Erschliessung zu einem Weiler bedeuten.

Melanie Burgener
Drucken
Am Mittwoch stimmt Boswil an der Gmeind über den Kanalisationsanschluss von zwei Gebieten ab.

Am Mittwoch stimmt Boswil an der Gmeind über den Kanalisationsanschluss von zwei Gebieten ab.

Marc Ribolla

Abwasser aus Schweizer Haushalten wird fast ausschliesslich in Kanalisationen geleitet. Laut dem Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute sind heute sogar rund 98 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner an eine zentrale Abwasserreinigung angeschlossen. Ausnahmen bilden dabei Baugebiete, die ausserhalb erschlossener Gebiete liegen.

Gleich zwei solche Ausnahmen gibt es in Boswil. Dabei handelt es sich um das Gebiet Weissenbach und die fünf Liegenschaften an der Alten Muristrasse. Sie sind die einzigen zusammenhängenden Gebiete im Dorf, die nicht an eine öffentliche Kanalisation angeschlossen sind. Das anfallende Schmutzwasser wird derzeit noch in die jeweiligen Jauchegruben geleitet – bei den betroffenen Gebäude handelt es sich hauptsächlich um Landwirtschaftsbetriebe, alte Bauernhäuser und das Schützenhaus.

Diese Situation soll sich nun ändern. An der Gemeindeversammlung vom Mittwoch, 1. Dezember, beantragt der Gemeinderat Boswil je einen Kredit für die kanalisationstechnische Erschliessung Alte Muristrasse und Weissenbach. Das Abwasser jener Gebiete soll künftig der ARA Muri zugeführt werden.

Weissenbach kann ein Weiler werden – aber nur mit einer Kanalisation

Momentan ist der Weiler Weissenbach eigentlich noch gar nicht als solcher erschlossen. «Er hätte bereits in der Totalrevision der Bau- und Nutzungsplanung ein Weiler werden sollen», erzählt Boswils Gemeindeschreiber Roger Rehmann. Damit diese Erschliessung stattfinden kann, ist der Anschluss des Gebietes an eine Kanalisation notwendig, sie bildet die Grundlage für das Bilden eines raumplanerischen Weilers. Denn in Weissenbach gibt es viele alte Bauernhäuser, die umgebaut werden können und künftig auch wieder bewohnt werden sollen. Das Abwasser dieser Liegenschaften soll künftig aber nicht mehr in Güllengruben abgeführt werden.

«Für die kanalisationstechnische Erschliessung Weissenbach wurde 2016 ein Kredit genehmigt. Weil sich das Projekt aus rechtlichen Gründen aber verzögert hat, wurde er bisher nicht beansprucht», erklärt Rehmann. Nun liege ein neues Vorprojekt vor, das mit jenem aus 2016 nicht vergleichbar sei. «Deshalb müssen wir nun den alten Kredit abschliessen und einen neuen einholen», so Rehmann.

Für die kanalisationstechnische Erschiessung «Weissenbach» wird ein Kredit in der Höhe von 790'000 Franken beantragt. Zusätzlich stimmt Boswil auch über einen Kredit von 290'000 Franken für die Sanierung der Strasse Weissenbach ab. Denn im Rahmen der Projektierungsarbeiten zum Kanalisationsanschluss hat der Gemeinderat festgestellt, dass auch der Strassenbelag teilweise und an manchen Stellen gar vollflächig ersetzt werden muss.

170-Jähriges Schulhaus soll saniert und damit schutzwürdig bleiben

Für die kanalisationstechnische Erschliessung der vier Liegenschaften und das Schützenhaus an der Alten Muristrasse ist ein Kredit von 435'000 Franken traktandiert. Weiter entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am Mittwoch ab 20 Uhr in der Mehrzweckhalle auch über die Sanierung des Schulhauses 1. Dafür sollen sie 380'000 Franken sprechen.

«Das alte Schulhaus liegt in der Zone für öffentliche Bauten und ist gemäss Bauzonenplan als Gebäude mit Substanzschutz eingetragen», schreibt die Gemeinde. Die letzten grossen Erhaltungsarbeiten am 1852 erstellten Gebäude, liege 31 Jahre zurück. Nun macht sich unter anderem an den Biberschwanzziegeln auf dem Dach und an der Fassade der Lauf der Zeit bemerkbar.

Der Gemeinderat sieht vor, das Dach des Schulhauses neu einzudecken, die Fassade zu streichen, das Sockelgeschoss neu zu gestalten und die Fensterläden zu ersetzen. Mit diesen Arbeiten soll das rund 170-jährige Schulhaus längerfristig erhalten und der Substanzschutz weiterhin gewährleistet werden.

Die anstehenden Investitionen plant der Gemeinderat im Budget 2022 mit einem gleichbleibenden Steuerfuss von 101 Prozent. Der Gemeinderat ist zuversichtlich, dass dieser gehalten werden kann, denn die rege Bautätigkeit lässt vermuten, dass im nächsten Jahr gegen 170 Personen zuziehen werden.

Aktuelle Nachrichten