Bezirk Bremgarten
Kindes- und Erwachsenenschutz: Abgeordnete stimmen über Austritt von Villmergen und Berikon ab

Die Gemeinden Villmergen und Berikon möchten den Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) des Bezirks Bremgarten verlassen. Das letzte Wort darüber hat die Abgeordnetenversammlung Anfang Mai.

Marc Ribolla
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Der KESD des Bezirks Bremgarten hat seine Geschäftsstelle in Wohlen.

Der KESD des Bezirks Bremgarten hat seine Geschäftsstelle in Wohlen.

Marc Ribolla

Noch sind es 17 Gemeinden aus dem Bezirk Bremgarten, die gemeinsam den Verband des Kindes- und Erwachsenenschutzdienstes (KESD) bilden. Beteiligt sind alle ausser Rudolfstetten, Oberwil-Lieli, Oberlunkhofen, Arni und Islisberg, die den KESD Mutschellen-Kelleramt bilden. Doch nun möchten auch die Gemeinden Villmergen und Berikon den KESD des Bezirks Bremgarten verlassen.

Die entsprechenden Vorhaben wurden im vergangenen Jahr von den beiden Gemeindeversammlungen angenommen und sind mittlerweile rechtskräftig. Nun soll der nächste und finale Schritt im Austrittsprozess folgen. Der Vorstand des KESD hat die Austritte an der kommenden Abgeordnetenversammlung vom 5. Mai traktandiert.

Austritt würde per 31. Dezember 2022 vollzogen

Stimmen die Gemeindeabgeordneten zu, würden Villmergen und Berikon den Dienst per 31. Dezember 2022 verlassen. Die Villmerger möchten einen eigenen KESD aufbauen. Wie Gemeinderätin Rosmarie Schneider an der Gemeindeversammlung damals erklärte, habe es zwischen Villmergen und dem KESD bezüglich Mandatsführungen unterschiedliche Auffassungen und teilweise unüberwindbare Differenzen gegeben.

Im Jahresbericht 2020, der von KESD-Präsident Arsène Perroud und Geschäftsführer Urs Steiner unterzeichnet ist, heisst es, dass die Unzufriedenheiten der beiden Gemeinden nicht konkret benannt und dadurch keine Möglichkeiten für Verbesserungen geboten wurden. Und weiter:

«Beide Austritte laufen den Prozessen der regionalen Zusammenarbeit in den verschiedensten Handlungsfeldern des Bezirks Bremgarten zuwider.»
Urs Steiner ist Geschäftsführer des KESD Bezirk Bremgarten.

Urs Steiner ist Geschäftsführer des KESD Bezirk Bremgarten.

zvg (1.11.2019)

Trotz des bevorstehenden Abgangs von Villmergen und Berikon sei der KESD in seinem Bestehen nicht gefährdet. Der Vorstand danke den Gemeinden, welche sich für den Weiterbestand und die Solidarität ausgesprochen hätten.

Auswirkungen hat der Austritt aber allemal, wie der KESD-Vorstand vorrechnet. Die Fallzahlen würden sich verändern. Die Zahl der Mandate würde um rund 170 auf etwa 840 sinken und die Beratungen/Abklärungen um etwa ein Viertel abnehmen.

Die Prognosen, die der KESD-Vorstand bezüglich der finanziellen Konsequenzen macht, beziehen sich auf die Zahlen von 2020. «Bei einem Austritt von Villmergen und Berikon aus dem KESD fallen rund 4760 rapportierte Arbeitsstunden weg. Das hat zur Folge, dass der Stellenplan um rund 3,5 Stellen reduziert werden muss», erklärt er zum Bereich Mandatsführung.

Anders wird die Lage im Bereich Beratung&Abklärung betrachtet, wo die Auswirkungen auf die Stellenstruktur mit vermehrtem Einsatz der Mitarbeitenden in anderen Bereichen reguliert werden könne.

Kosten pro Arbeitsstunde steigen um 3 bis 4 Prozent

Alles in allem dürften sich die KESD-Kosten für die verbleibenden 15 Gemeinden wohl erhöhen. Der Ansatz pro geleisteter Arbeitsstunde könnte um 3 bis 4 Prozent steigen. Die finanziellen Folgen seien für die einzelnen Gemeinden unterschiedlich. Hauptgründe dafür, so der Vorstand, seien:

«Die verschiedenen Faktoren, welche bei der Kostenberechnung eine Rolle spielen (Einwohnerzahl, Anzahl Mandate, Anzahl rapportierte Stunden) und im Einzelfall zu berücksichtigen sind.»

Auch in Zukunft könne der KESD noch effizient die Leistungen für die Trägergemeinden erbringen. Sollten allerdings später weitere Gemeinden austreten, könne das Funktionieren in der bisherigen Form nicht mehr sichergestellt werden, zieht der Vorstand ein Fazit. «Es obliegt den Trägergemeinden, zu entscheiden, wie stark sie die regionale Zusammenarbeit und die solidarische Leistungserbringung gewichten», heisst es.

Falls die Abgeordneten am 5. Mai den Austritt von Villmergen und Berikon ablehnen, könnten die betroffenen Gemeinden das Begehren an den Grossen Rat weiterziehen.

Jahresrechnung und Zahlen des KESD 2020

Im Jahr 2020 verrechnete der KESD des Bezirks Bremgarten rund 29'157 Arbeitsstunden für 1026 geführte Massnahmen. Die Jahresrechnung schliesst mit einem Gesamtaufwand von 4,07 Millionen rund 90'000 Franken unter Budget. Bei der Mandatsführung, deren Aufwand bei 3,15 Mio. Franken lag, betrugen die durchschnittlichen Kosten für eine Arbeitsstunde 104 Franken. Im Bereich Beratung&Abklärung wurde der prognostizierte Stundenansatz von 150 Franken für freiwillige Beratungen mit 136 Franken deutlich unterschritten.