Bremgarten
Abfallbeseitigung mit Nebeneffekten: Das hat es mit dem geplanten Kiesabbau auf sich

Der Stadtrat und Unternehmer informierten die Bevölkerung über das Projekt «Kiesabbau Galgehölzli-Rauestei». Rund 40 Leute, fast alle Bewohner des Ortsteils Hermetschwil-Staffeln, waren der Einladung in den Gemeindesaal gefolgt.

Christian Breitschmid
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Jenseits der Bremgarterstrasse liegt das künftige Kiesabbaugebiet, von der Einfahrt Waltenschwil/Bünzen (links) bis rechts um den Strommast herum Richtung Bremgarten.

Jenseits der Bremgarterstrasse liegt das künftige Kiesabbaugebiet, von der Einfahrt Waltenschwil/Bünzen (links) bis rechts um den Strommast herum Richtung Bremgarten.

Christian Breitschmid

Anton Laube vom Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR) brachte es nach der Veranstaltung am Montagabend auf den Punkt: «Lieber 30 Jahre Kiesabbau als 100 Jahre Starkstrom.» Rund 40 Leute, fast alle Bewohner des Ortsteils Hermetschwil-Staffeln, waren der Einladung in den Gemeindesaal gefolgt, um aus erster Hand zu erfahren, was es mit dem geplanten Kiesabbau im Gebiet Galgehölzli-Rauestei auf sich hat.

Am 5. und 14. Juni stimmen die Ortsbürger und Einwohner von Bremgarten an ihren Gemeindeversammlungen darüber ab, ob ein Dienstbarkeitsvertrag mit der Firma Müller-Kies Stetten zustande kommt oder nicht.

Der Richtplan des Kantons definiert die Gebiete Galgehölzli, Rauestei und Rüsshalde als Kiesabbauzone. Diese Chance will sich die Stadt Bremgarten nicht entgehen lassen. Umso mehr, als sich auf der Parzelle der Einwohnergemeinde, dem Galgehölzli, eine Abfalldeponie befindet, die zuerst saniert werden muss, bevor mit dem Kiesabbau begonnen werden kann.

Also hat die Stadt nach einem Unternehmen gesucht, das über das notwendige Know-how im Abbau von Moränenkies verfügt und auch die Deponiesanierung professionell erledigen kann. Fündig geworden ist man bei der Firma Heinrich Müller Kieswerk und maschinelle Erdarbeiten in Stetten.

80 Prozent Kies im Aushub

Der Geschäftsführer von Müller-Kies kennt den Platz auf der Nordseite der Bremgarterstrasse, gleich oberhalb des Restaurants Waldheim, schon länger und kann dessen Potenzial gut einschätzen: «Pro Jahr werden wir da zwischen 80'000 und 100'000 Kubikmeter abbauen können», erklärte er den Zuhörern im Saal. «Wir erwarten eine sogenannte Schichtmächtigkeit von plus/minus 40 Metern; das bedeutet, dass wir pro Quadratmeter rund 40 Kubikmeter Material herausholen. Gut 80 Prozent davon sind Kies.»

100'000 Franken pro Jahr

Der Dienstbarkeitsvertrag mit der Stadt sieht vor, dass Müller-Kies für 900 000 Franken die Deponie im Galgehölzli total saniert. Die Kosten werden auf die Einwohnergemeinde (50 Prozent), die Ortsbürgergemeinde (30 Prozent) und Müller-Kies (20 Prozent) verteilt. Einwohner- und Ortsbürgergemeinde werden für den Kiesabbau mit 1,955 Mio. respektive 0,59 Mio. Franken entschädigt. Das spült, bei einer geschätzten Abbaudauer von gut 20 Jahren, jedes Jahr fast 100'000 Franken in die Stadtkasse.

Gut 40 Personen wollten von den Experten wissen, welche Vor-, aber auch Nachteile der Kiesabbau für Bremgarten hat.     

Gut 40 Personen wollten von den Experten wissen, welche Vor-, aber auch Nachteile der Kiesabbau für Bremgarten hat.     

Christian Breitschmid

Auf die kritische Frage aus dem Publikum, ob sich der ganze Aufwand für diese 100'000 Franken lohne, entgegnete Stadtammann Raymond Tellenbach mit Überzeugung: «Natürlich lohnt es sich für die Stadt – wir müssen ja nichts dafür tun.» Womit er nicht ganz unrecht hat, denn die Risiken sowohl bei der Sanierung der Deponie wie auch beim Kiesabbau trägt das ausführende Unternehmen.

Auch die Angst vor allfälligen Immissionen konnte Müller den Anwohnern nehmen: «Allfälliger Lärm geht nach oben weg. Ausserdem bleibt der Wald im Rauestei als Sicht- und Lärmschutz stehen und entlang der Bremgarterstrasse bauen wir einen Sichtschutzwall aus Abdeckmaterial mit einer Heckenbepflanzung.» Der Kies, den man bis in eine Tiefe von 40 bis 50 Metern abbaut, wird in einer semimobilen Aufbereitungsanlage direkt vor Ort ausgewaschen, verladen und direkt zu den Abnehmern gebracht.

Der Mast muss weg

Dass dadurch mit einem verstärkten Lastwagenaufkommen zu rechnen ist, wollte Müller nicht beschönigen. Er rechnet mit 100 Fahrten pro Tag: «50 rein, 50 raus. An Spitzentagen können es bis zu 200 sein.» Die Lastwagen werden vor allem in Richtung Süden wegfahren. «Nach oben weg ist das kein Problem», bekräftigte Müller, «in Richtung Waltenschwil und Bünzen läuft das. Beim Waldheim in die Kantonsstrasse, da gehört schon lange ein Kreisel hin. Vielleicht macht der Kanton jetzt ja dann endlich vorwärts.»

Der Kiesabbau könnte auch dazu führen, dass die Hochspannungsleitung über Hermetschwil-Staffeln endlich verschoben oder in den Boden verlegt wird. Müller hat nämlich nicht vor, um den Mast, der mitten auf dem Abbaugebiet steht, herum zu graben. «Wenn die Swissgrid den nicht wegnimmt, dann müssen sie meinen Verlust vergüten», sagt Müller mit einem breiten Grinsen im Gesicht, denn er weiss, wann der Amtsschimmel wiehert.

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