Bremgarten
2,6 Millionen in zwei Stunden – Bremgarter sagen ja zu Grossprojekten

Radweg, Kanalisation und neue Löhne des Stadtrats winkten die Bremgarter durch – einzig bei Asylunterkünften und «Chäfernäscht» hakten sie nach.

Andrea Weibel
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195 Bremgarterinnen und Bremgarter – so viele hatte Stadtammann Tellenbach nicht an der Gemeindeversammlung erwartet. Waren sie gekommen, um sich der Lohnanpassung des Stadtrats entgegenzustellen? Würde die Sitzung endlos werden? Nein. Es schien, als würden sich die Bewohner ganz einfach für ihr Städtchen interessieren. Diskutiert wurde tatsächlich nur der Antrag über 1 Mio. Franken zur Errichtung und Einrichtung von Unterkünften für Asylsuchende. Aber auch da hielten sich die Voten in Grenzen.

Tellenbach betonte: «Es geht hier nicht um Standorte und Betreuungsarbeiten, sondern um Geld. Haben wir das Geld nicht zur Verfügung, dann wird es richtig teuer.» Denn am 5. August wird die Bundesasylunterkunft auf dem Militärgelände geschlossen, ab dann braucht Bremgarten eine andere Lösung für rund 30 Asylsuchende, um nicht 110 Franken pro Person und Tag bezahlen zu müssen. «Wichtig ist: Es werden nicht dieselben Leute bei uns untergebracht, wie wir heute in der Bundesunterkunft haben. Die, die kommen, werden hierbleiben. Das heisst, wir werden sie integrieren und dafür sorgen, dass sie möglichst schnell selbstständig hier leben können.»

Mit der Million sollen verschiedene Lösungen geprüft und so weit vorangetrieben werden, dass ab dem 5. August diese rund 30 Asylsuchenden in Bremgarten leben können. Diskutiert wurde, ob beispielsweise die Ringstrasse, die «Bremgarter Familien-Ausgangsmeile», wirklich der richtige Ort für Containerlösungen sei. Oder ob allenfalls das bald geschlossene Ärztehaus ins Auge gefasst werden könnte. Tellenbach nahm die Vorschläge für die Planung entgegen. Die Million wurde grossmehrheitlich mit einer Gegenstimme genehmigt.

Emotionen ums «Chäfernäscht»

Auch das neue Reglement über die Gemeindebeiträge an familienergänzende Kinderbetreuung wurde zwar nur kurz aber emotional angesprochen. Die Kita Chäfernäscht wird nicht mehr direkt von der Stadt unterstützt, sondern das Geld subjektfinanziert den Eltern zugesprochen, die ihre Kinder in eine Tagesstätte ihrer Wahl geben können. Vor allem Bremgarterinnen zeigten sich besorgt, dass durch die zwölf Betreuungsplätze, die die Stadt mit der Schliessung des «Chäfernäschts» verliert, zu wenige vorhanden sein werden. Stadtrat Theo Rau beruhigte sie aber damit, dass verschiedene andere Kitas entweder ausbauen oder gar frisch aufgehen. Er hoffe sogar, dass diese für ihn «wahnsinnig vielen Plätze» dann auch besetzt werden können. Auch dieser Antrag wurde angenommen.

Die meisten anderen Traktanden wurden beinahe ohne Wortmeldungen beschlossen. Der Gemeindeanteil von 715 000 Franken für die Radwegerweiterung beim «Waldheim» wurde genauso durchgewunken wie der Neubau der Kanalisations- und Wasserleitung von der Militärstrasse bis zur Wohlerstrasse für 890 000 Franken. Ebenso die Gesamtrevision der Gemeindeordnung.

Lohnerhöhung für Stadtrat

Spannend war, dass selbst die Lohnerhöhung des Stadtrats vollkommen ohne Diskussion grossmehrheitlich genehmigt wurde. Finanzkommissionspräsident Markus Locher erklärte, die Anpassung sei gerechtfertigt, da Aufwand und Verantwortung der Stadträte aufgrund der Reorganisation der Verwaltung deutlich zunehmen. Der Ammann verdient neu 95 000 Franken pro Jahr (vorher 89 000 Fr.), der Vizeammann 40 000 Franken (31 000 Fr.) und die übrigen Stadträte 31 000 Franken (27 000 Fr.). Nach zwei Stunden waren die zwölf Traktanden abgehakt.

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