Zofingen

Erste Asylbewerber eingezogen: «Zigaretten unser einziger Luxus»

Rund 60 Asylbewerber zogen gestern Mittwoch mit ihrem wenigen Hab und Gut in ihr neues, temporäres Zuhause ein.

Rund 60 Asylbewerber zogen gestern Mittwoch mit ihrem wenigen Hab und Gut in ihr neues, temporäres Zuhause ein.

Die ersten Familien sind gestern in Zofingen in das alte Pflegezentrum eingezogen, weitere werden folgen. Die Asylbewerber hoffen, dass sie die schlimmen Erlebnisse der Vergangenheit hinter sich lassen können.

Wer den Menschen zuschaute, die gestern ins alte Pflegezentrum einzogen, der kam nicht sofort darauf, dass es sich bei ihnen um Asylbewerber handelte. Wie bei fast jeder Züglete trugen die Männer die Schachteln und Säcke ins Haus, während sich die Frauen um die Kinder kümmerten und sich mit ihrem neuen Zuhause vertraut machten.

Im Gegensatz zu einer «normalen Züglete» wurden die Asylbewerber in Zofingen aber von einer Handvoll Medienleuten beobachtet. Mit ihnen reden wollten die Neuankömmlinge nicht und vor eine laufende Fernsehkamera treten schon gar nicht.

Doch plötzlich brach einer das Schweigen. Mit Gepäckstücken in den Händen blieb der 53-jährige Syrer vor den Journalisten stehen und sagte: «Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was wir in den letzten Jahren alles erlebt haben.» Seit drei Jahren sei seine Familie auf der ständigen Flucht. Er rang nach Fassung, verdrückte Tränen.

In gebrochenem Englisch sagt er weiter: «Das macht uns fast wahnsinnig.» Dazu komme, dass sie in ihrer Heimat Mord und Totschlag und viel Not und Elend erlebt hätten. «Für mich ist das nicht so schlimm, ich kann damit umgehen», sagte der mehrfache Familienvater, «aber meine Kinder, die können das kaum verarbeiten.» Nun hoffe er, dass wieder Ruhe einkehre und seine Familie auch den inneren Frieden finden könne.

Im alten Pflegezentrum des Spitals Zofingen kehrt langsam wieder Leben ein.

Im alten Pflegezentrum des Spitals Zofingen kehrt langsam wieder Leben ein.

Rund 20 Zimmer stehen bereit

Gestern zogen rund 60 Personen ins als Asylzentrum umgebaute alte Pflegezentrum ein. Darunter auch 21 schulpflichtige Kinder. In den kommenden Tagen sollen weitere Familien kommen.

«Ob die Maximalzahl von 170 Personen erreicht wird, wissen wir nicht», sagt Daniela Diener, stellvertretende Leiterin Kommunikation des Departements Gesundheit und Soziales (DGS) des Kantons Aargau. «Weil vorwiegend Familien nach Zofingen kommen, werden ihnen keine Einzelpersonen zugeteilt, nur um die Zimmer auf die Maximalzahl füllen zu können.»

Vor der Unterkunft machen die Männer in der Zwischenzeit eine kurze Pause. Sie rauchen Selbstgedrehtes. «Zigaretten sind unser einziger Luxus», sagt ein jüngerer Mann in gutem Deutsch. «Viel anderes können wir uns nicht leisten.»

Er wisse die Sicherheit in der Schweiz sehr zu schätzen, sagt er weiter, doch er hoffe, dass er bald einen Entscheid erhalte, ob er wieder gehen müsse oder bleiben könne. «Diese Ungewissheit sorgt dafür, dass wir mit der Vergangenheit nicht richtig abschliessen können.»

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