Seit zwölf Jahren stellt der Aargau mit Doris Leuthard eine Bundesrätin. Noch vor kurzem schien es fast undenkbar, dass der Kanton Chancen haben könnte, nach Leuthard erneut in der Landesregierung vertreten zu sein.

Doch nach der Absage der beiden einstigen Favoriten aus der Zentralschweiz, Ständerat Konrad Graber und Parteipräsident Gerhard Pfister, rücken mehr und mehr die Frauen in den Vordergrund. Einflussreiche CVP-Politiker versuchen, die Aargauerin Ruth Humbel Näf, seit 2003 im Nationalrat und bestens vernetzt, zu einer Kandidatur zu bewegen.

Mindestens eine Frau auf Ticket

Humbel hat bisher geschwiegen, doch nun sagt sie: «Ich überlege mir eine Kandidatur.» Entschieden hat sie sich noch nicht: «Ich werde zu gegebener Zeit und nach Gesprächen mit der Partei informieren.» Die Juristin und ehemalige Spitzenläuferin weilt zurzeit in den Ferien, wo sie sich Gedanken machen wird. Für die Nominierung sind die Kantonalparteien zuständig. Marianne Binder, Präsidentin der Aargauer Partei, sagt: «Die CVP Schweiz will mindestens eine Frau auf dem Ticket.

Dass sich Ruth Humbel nun eine Kandidatur überlegt, freut uns sehr.  Aufgrund ihrer Leistungen ist sie prädestiniert, auf diesem Ticket zu erscheinen.» Was die Erfahrung angeht, könne ihr «kaum jemand das Wasser reichen». Allerdings gilt ihr Alter (61) zugleich als Handicap im Vergleich zu den Nationalrätinnen Viola Amherd (56/VS) und Elisabeth Schneider-Schneiter (54/BL). Für Marianne Binder ist aber das regionalpolitische Argument stärker. Heute sei der Westen der Schweiz stark im Bundesrat vertreten. Nun sollte die Nordwestschweiz, die Ost- oder Zentralschweiz zum Zuge kommen.