Aargauische Matur
Englisch oder Französisch: Nur noch ein Fach wird mündlich geprüft

Englisch wird in der aargauischen Matur neu schriftlich geprüft. Mündlich wurden bisher sowohl Englisch wie auch Französisch geprüft. Künftig gilt: das eine oder das andere. Romanisten befürchten eine neuerliche Abwertung einer Landessprache.

Hans Fahrländer
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Seit 2008 werden die Maturprüfungen im Aargau nach neuem Modus durchgeführt: schriftliche Prüfungen pro Schule für alle identisch, mündliche Prüfungen gemäss kantonalen Rahmenvorgaben. Nun hat der Regierungsrat in Absprache mit der kantonalen Maturitätsprüfungskommission (MPK) und der Mittelschulrektoren-Konferenz den Prüfungskanon modifiziert: Englisch wird neu schriftlich geprüft.

«Damit wird der Stellenwert von Englisch als bedeutendster Weltsprache und als Lingua franca des internationalen wissenschaftlichen und kulturellen Austauschs, der internationalen Wirtschaftsbeziehungen sowie der internationalen Diplomatie gebührend unterstrichen», heisst es in einem Kommentar der MPK zum Entscheid.

Das Ergänzungsfach wird neu mündlich geprüft. Die Studierenden wählen es, als Ergänzung zum Schwerpunktfach, nach persönlicher Neigung für die 3. und 4. Klasse. Die Liste möglicher Ergänzungsfächer ist lang, sie umfasst naturwissenschaftliche, geistes- und sozialwissenschaftliche sowie musische und gestalterische Fächer, aber keine Sprachen.

Bisher wurden sowohl Englisch wie auch Französisch (oder Italienisch) mündlich geprüft: Neu gilt: das eine oder das andere. Die Schulleitung entscheidet, welche Klasse in welcher Sprache geprüft wird. Gemäss MPK wird dadurch auch ein Anliegen von Grossrat Beat Unternährer (SVP) aufgenommen, welcher in einem Vorstoss eine Reduzierung der Sprachlastigkeit in der Maturität gefordert hat.

Man sammelt Unterschriften

«Unter den Romanisten unserer Schule herrscht Konsternation», sagt Beat Herrmann, Lehrer für Französisch, Englisch und Informatik an der Kantonsschule Baden. Man erwäge eine Unterschriftensammlung unter den Studierenden. «Gegen die Aufwertung des Englischen ist nichts einzuwenden, wohl aber gegen die Abwertung der Landessprachen Französisch und Italienisch. Das ist auch politisch ein falsches Signal.» Entfalle die mündliche Prüfung in Französisch oder Italienisch, «wird ein wichtiger Teil des Unterrichts nicht mehr geprüft, denn er besteht bis zu einem Drittel aus Literaturstudium. Und Sprechen ist ein sehr wichtiger Teil des Sprachunterrichts.»

Hermann empfindet die Begründung für die Änderungen als eher dürftig und vermutet, Auslöser seien vor allem Klagen von betroffenen Lehrpersonen gegen die schriftliche Prüfung im Ergänzungsfach gewesen. Auch fürchtet er, dass bei der Gretchenfrage «Englisch oder Französisch mündlich prüfen?» Willkür einziehen wird. «Es fehlen klare Kriterien. Klassen werden Anträge stellen, sie wollten lieber in Englisch geprüft werden.»

Allen Leuten recht getan...

«Opposition aus dem Kreis der Direktbetroffenen war zu erwarten und ist verständlich», quittiert Peter Hägler, Präsident der MPK, die Kritik. «Doch viele gegensätzliche Forderungen blockieren eine Lösungsfindung. Abstriche sind nötig, Entscheide auch. Der vorliegende Kompromiss wurde mehrheitlich für gangbar befunden.» Verschiedene politische, pädagogische und schulorganisatorische Anliegen seien damit erfüllt – und, auch nicht ganz unwichtig: Die Änderungen seien kostenneutral umsetzbar.

«Da hat nicht einfach ‹Aarau› befohlen», betont Kathrin Hunziker, Leiterin der Abteilung Berufsbildung und Mittelschulen im Bildungsdepartement (BKS). «Die Wünsche kamen vor allem aus den Schulen, aber auch aus dem Mittelschullehrerverein (AMV).» Hunziker bestätigt, dass die Pflege der Landessprachen von grosser Bedeutung sei, bezweifelt aber, dass die Frage «Schriftliche und/oder mündliche Prüfung?» über die Bedeutung eines Fachs entscheide. Für die Maturnote zählten ja in jedem Fall auch die Vornoten, das heisst die Leistungen während des Unterrichts.

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