Kölliken
Diese 16-jährigen Drillinge haben sich ganz dem Tanz verschrieben

Während Gleichaltrige im Ausgang zu lauter Musik bis zum Morgengrauen abtanzen, tanzen die Kölliker Drillinge an Meisterschaften um den Sieg in Latin und Standard.

Marianne Wydler
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Ende Juni sind Angela, Fabio und Flavia 16 Jahre alt geworden. Die Geschwister Landolfi tanzen, seit sie fünf Jahre alt sind, inzwischen trainieren sie täglich. Sie tanzen an den Wochenenden an Turnieren im In- und Ausland.

Ein Leben ohne Tanz können sie sich kaum vorstellen: «Eigentlich reden wir immer übers Tanzen.» Tanzen ist für sie Herausforderung, Glück und Erfüllung – Tanzen kann aber auch schmerzhaft sein. «Wir tanzen mit Muskelkater, Blasen an den Füssen, einer Zerrung am Bein, gequetschter und gebrochener Zehe», berichtet Angela. «Passiert einem so etwas bei einem Turnier, so tanzt man gleich weiter.» Nur bei Grippe wird ein Turnier abgesagt.

Mehrmals wöchentlich in St. Gallen

Ihre Mutter fährt sie mehrmals wöchentlich nach St. Gallen ins Tanztraining. An den verbleibenden Abenden der Woche trainieren die Drillinge in ihrem eigenen Tanzsaal mit Spiegelwand und Parkettboden. Der Latin-Trainer Mark Popkov unterrichtet die Drillinge. Als sein Name fällt, schauen sich die drei an und sagen im Chor: «Er ist wirklich sehr gut.» Die Geschwister hören einander zu, ergänzen sich, pflichten einander bei. In vielem scheinen sie gleich zu denken. Fabio spricht von Ehrgeiz. Doch der Anspruch, weiterzukommen und vollen Einsatz zu leisten, ist allen gemeinsam.

«Wir haben ja schon immer viel Zeit zusammen verbracht und miteinander gespielt», sagt Angela. Allerdings – für Freundschaften bleibt wenig Raum. Die Drillinge sagen: «Wir stehen zueinander so, wie es gute Kollegen tun.» Fabio erklärt, er habe in der Tanzszene gute Freunde. Flavia meint etwas nachdenklich: «Manchmal ist es schon schwierig, in dieser Zeit wollen alle Jugendlichen draussen sein, um sich zu treffen.»

Etwas Besonderes sind für die Mädchen die Tanzkleider mit Glitzersteinen, beide haben davon einen ganzen Kleiderschrank voll. Auch die Tanzschuhe sind edel und mit Strass besetzt. Bei jedem Training müsse man einen Rock tragen, elegant angezogen sein. «In der Tanzszene wird der Stil der Erwachsenen gepflegt», bemerkt Fabio.

«Wollen auch in Schule gut sein»

Wenn die Geschwister nach dem Training zu müde sind, um für die Schule zu lernen, stehen sie morgens extra früh auf, und nach Schulschluss, wenn sich ihre Klassenkameraden verabreden, werden sie ins Training chauffiert. Während der Fahrt üben sie für die Schule. «Wir wollen nicht nur im Tanzen, sondern auch in der Schule gut sein», Müdigkeit wegen des vollen Pensums sei für sie eigentlich kein Problem, sagt Flavia, «ich bin aber schon froh, wenn jeweils die Ferien kommen.»

Fabio sagt: «Wir bringen die Aufgaben auch nach einem auswärts verbrachten Wochenende am Montag gelöst in den Unterricht.» Angela erlebt das Tanzen als Lebensschule: Sie lerne viel bezüglich Sozial- und Selbstkompetenz: «Egal, wie ausgebucht ich bin, es ist wichtig, in der Schule gut zu sein.» Die drei Jugendlichen wirken sehr vernünftig. Angela kann sich vorstellen, in drei Jahren nicht mehr mit dem Bruder zusammen an Turnieren teilzunehmen. Die Mutter winkt ab: «Pro Wochenende findet jeweils ein wichtiges Turnier statt. Ihr werdet euch sowieso dort treffen.»

Wer Tanzsport auf hohem Niveau betreibt, dem muss die Leistung wichtig sein. Sich zu vergleichen liegt da nahe. Im Bereich Latin sind Fabio und Angela etwas stärker, der Bereich Standard liegt Flavia und ihrem Tanzpartner David besser. An den Turnieren stehen die beiden Tanzpaare in harter Konkurrenz. «Da hat es auch schon Enttäuschungen und Tränen gegeben», sagt die Mutter. Angela relativiert: «Hauptsache, der Sieg bleibt in der Familie, unabhängig davon, wer von uns gewinnt.»