Revision
Die Welt dreht sich weiter, das Gymnasium auch

Das Gymnasium Aargau erhält neue Lehrpläne. Sie sollen 2013 in Kraft gesetzt werden. Der Auftrag stammt von Bildungsdirektor Alex Hürzeler, Bewilligungsinstanz ist die Gesamtregierung.

Hans Fahrländer
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Die Lehrpläne sind das verbindliche Planungsinstrument für die Lehrkräfte und Basis für die Beurteilung der Schülerinnen und Schüler. Das Revisionsverfahren verläuft zweistufig: Zuerst wird ein kantonaler Rahmenrichtplan erstellt, in einem zweiten Schritt entstehen Fachlehrpläne.

Auf der Basis des Maturitäts-Anerkennungs-Reglementes (MAR) von 1995, ausgearbeitet von Bund und Erziehungsdirektorenkonferenz, hat der Aargau zur Jahrtausendwende sein Gymnasium sanft umgebaut, hat die alten Typen abgeschafft, dafür Akzent-, Schwerpunkt- und Ergänzungsfächer geschaffen und die vier Jahre in zwei Jahre Grund- und zwei Jahre Aufbaustudium unterteilt. Daran wird nicht gerüttelt. Doch nach zehn Jahren Praxis geht es um eine Anpassung der Lerninhalte.

Äussere und innere Anstösse

Professor Peter Bonati begleitet den Revisionsprozess als Experte. Er war 12 Jahre Lehrer für Deutsch und Philosophie an der Alten Kantonsschule Aarau, anschliessend 20 Jahre Direktor der Abteilung für das Höhere Lehramt an der Universität Bern. Heute ist er selbstständiger Berater im Bildungsbereich.

Laut Bonati haben «äussere» und «innere» Anstösse die Lehrplanrevision in Gang gesetzt. Zu den äusseren gehört eine Teilrevision des MAR durch den Bund: Aus Sammelnoten für natur- und geisteswissenschaftliche Fächer sind wieder Einzelnoten für Biologie, Chemie, Physik, Geschichte und Geografie geworden, Informatik wurde aufgewertet, die Maturarbeit in die Bestehensnorm aufgenommen. Sodann sind in den letzten Jahren gleich mehrere Auswertungen und Studien mit wertvollen Erkenntnissen zum Gymnasium und zur Schnittstelle Gymnasium/Hochschule erschienen.

Bei den inneren Anstössen erwähnt Bonati zuerst einen Perspektivenwechsel: «An die Stelle von Lernziel-Kaskaden, denen keine Inhalte zugeordnet sind, tritt eine klare Orientierung an Kompetenzen, verbunden mit Inhalten. In jedem Fach wird konkret umschrieben, was die Studierenden am Ende des Gymnasiums können müssen.

Damit entstehen verbindliche Leitlinien für den Unterricht.» Doch auch die Veränderungen der Welt innert zehn Jahren haben Auswirkungen auf den Stoff. Bonati: «Grammatik und Formeln ändern zwar nicht gross. Aber zum Beispiel muss die Literatur in allen Sprachen nachgeführt werden. Und die neue Informations-Technologie hat Auswirkungen auf praktisch alle Fächer.»

Neben den fachlichen werden neu auch überfachliche Kompetenzen formuliert, zum Beispiel für Sprachkompetenz, Sozialkompetenz, Reflexionsvermögen, Arbeits- und Lernverhalten.

Studier- und Gesellschaftsreife

Der Revisionsprozess wird nicht einfach von oben befohlen und gesteuert: Die einzelnen Schulen, Fachschaften und die Lehrpersonen werden mit einbezogen. So gehört zur Projektorganisation eine Gruppe von 42 Fachautorinnen und -autoren aus den Aargauer Gymnasien. Die Kompetenz der Basis wird damit gestärkt.

Was ist das übergeordnete Ziel der vierjährigen Zeit am Gymnasium?
Peter Bonati formuliert es so: «Es gilt, eine Balance zu finden zwischen dem Ziel der Studierfähigkeit und dem Ziel der allgemeinen Gesellschafts-Reife. Fachliche und überfachliche Kompetenzen dienen beiden Zielen.»