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Buchser Einwohnerrat Thomas Meier will neuer Gerichtspräsident in Zofingen werden

Thomas Meier beim Niklaus-Thut-Brunnen in Zofingen.

Thomas Meier beim Niklaus-Thut-Brunnen in Zofingen.

Thomas Meier ist im Freiamt aufgewachsen, politisiert in Buchs und will nun in Zofingen Gerichtspräsident werden. Im Falle seiner Wahl sei ein Umzug wegen der Kinder nicht beabsichtigt, so Meier.

Die SP Bezirk Zofingen schickt an den Gesamterneuerungswahlen im September den Buchser Thomas Meier (34) ins Rennen als neuer Gerichtspräsident. Er soll den SP-Sitz von Peter Wullschleger verteidigen, der nicht mehr antritt.

Aufgewachsen ist Thomas Meier in Wohlen, wo er auch die Kanti besuchte. Für das Studium der Rechtswissenschaften entschied er sich nach einem Ausschlussverfahren: «Meine Talente liegen sicher nicht im Bereich der Naturwissenschaften», sagt er und lacht. «Ich bin sprachbegabt und habe schon die Matura zweisprachig abgeschlossen. Ein Sprachstudium hätte mich interessiert, aber ich bin davon ausgegangen, dass dies zum Lehrerberuf führen würde. Damals konnte ich mich mit dieser beruflichen Perspektive nicht abfinden.»

Immerhin absolvierte Meier seinen Bachelor of Law an der Universität Fribourg zweisprachig. Zwei Jahre später schloss er mit dem Master of Law sein Studium ab. «Ich fand schnell Interesse daran, wie der Staat Konflikte löst und verhindert, dass das Faustrecht ausbricht», sagt er rückblickend. 2013 promovierte Meier mit der Auszeichnung «summa cum laude».

Trotz umstrittener Fusionsansichten gewählt

Während seiner Ausbildung wohnten Thomas Meier und seine Partnerin zunächst in Aarau. Nach dem ersten Kind (heute 7) folgten Zwillinge (heute 4) – nicht komplett überraschend, auch Thomas Meier hat eine Zwillingsschwester – und der benötigte Wohnraum war ausserhalb der Stadt günstiger. Deshalb wohnt die Familie heute in Buchs. Dort trat er der SP bei. «Ich teile deren Werte am ehesten. Es ist mir ein Anliegen, die sozial Schwachen zu unterstützen und sie nicht der freien Wirtschaft zu überlassen.»

Als Thomas Meier 2017 für den Einwohnerrat kandidierte, sprach er sich auf seinem Flyer unter anderem für die Prüfung einer Fusion im Grossraum Aarau aus (Projekt Zukunftsraum). Damit macht man sich in Buchs bekanntlich nicht nur Freunde (2019 verwarf das Volk ein entsprechendes, von Meier mitinitiiertes Anliegen), den Sprung in den Einwohnerrat gelang Meier aber problemlos. Im Rat engagierte er sich unter anderem für eine Revision der Gemeindeordnung. Über dieses Amt hinaus habe er keine politischen Ambitionen, sagt er heute. Und: «Im Falle einer Wahl als Gerichtspräsident würde ich meine politische Tätigkeit in Buchs überdenken.»

Das Bezirksgericht Zofingen ist ihm gut bekannt: Hier hat er als Rechtspraktikant angefangen und war Gerichtsschreiber. Vom spektakulärsten Fall, den er damals miterlebte – der Mordfall Brittnau – zeugt eine Karikatur des Gerichtszeichners, die auch Meier abbildet. Die Zofinger Kolleginnen und Kollegen hatten sie ihm als Abschiedsgeschenk mitgegeben, als Meier als Gerichtsschreiber ans Aargauer Verwaltungsgericht wechselte. Seit 2019 ist Meier nun juristischer Mitarbeiter beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Das Amt als Gerichtspräsident reizt ihn: «An der Verhandlung, wenn man die Verfahrensbeteiligten anhören kann, zeigt sich, ob das Bild, das man sich anhand der Akten über sie gemacht hat, stimmt. Natürlich wirft das nicht zwingend alle Überlegungen über den Haufen, aber es zeigt doch öfter Nuancen, die das Bild anders aussehen lassen.»

Er will wegen der Familie Teilzeit arbeiten

Es komme ihm sehr entgegen, dass er als Gerichtspräsident in einem 75-Prozent-Pensum arbeiten könnte, sagt Meier. «Das ermöglicht mir, meine Rollen und Aufgaben als Partner und Vater so wahrzunehmen, wie ich es gerne möchte.» Seit sieben Jahren gilt für Gerichtspräsidenten keine Wohnsitzpflicht mehr; es wird dennoch gerne gesehen, wenn sie in der Nähe ihres Wirkungsorts wohnen. Würde Meier mit seiner Familie umziehen? «Aufgrund der Schulpflicht der Kinder beabsichtige ich nicht, in den Bezirk Zofingen zu ziehen», sagt er. Er sei durch seine frühere Tätigkeit am Bezirksgericht Zofingen mit den Verhältnissen vertraut. Ausserdem erachte er es als Vorteil, dass er nicht in der Region wohne: «Dadurch, dass ich nicht mit vielen Menschen aus dem Bezirk verwandt, befreundet oder verbandelt bin, ist garantiert, dass ich allen Verfahrensbeteiligten gleich und unvoreingenommen begegne. Zudem besteht die Arbeit eines Richters in der Anwendung der Regeln, die der Gesetzgeber beschlossen hat; das ist keine politische Tätigkeit.»

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